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Fußball: Warum die Reform des Kinderfußballs auf Zustimmung stößt

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Die Zustimmung war einhellig. Der Jugendtag hat den Weg frei gemacht für eine Reform des Kinderfußball. Alls wird künftig eine Nummer kleiner bei den Kleinen.

Von Sven Thiele

Dem Kinderfußball stehen grundlegende Änderungen bevor. Das hat jetzt der Bundesjugendtag des DFB beschlossen. Foto: Sport

Seit dem Wochenende ist klar: Der Kinderfußball wird umgekrempelt und auf neue Füße gestellt. Der Jugendtag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat am Samstag einstimmig den Plänen zugestimmt, die Umsetzung neuer Spielformen verbindlich umzusetzen. Der offizielle Beschluss wird beim DFB-Bundestag am 11. März gefasst. Nach einer zweijährigen Übergangszeit soll die Regelungen dann zur Saison 2024/25 bundesweit in Kraft treten.

Im Kern sieht der Plan kleinere Mannschaftsgrößen und kleinere Spielfelder bei den G-, F- und E-Junioren vor. Vier Mini-Tore ersetzen dann die bisherigen Fünf-Meter-Tore und geben dem Kinderfußball eine ganz neue Note.

Dem Beschluss vorangegangen war eine zweijährige Pilotphase, die allerdings nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie ins Stocken geraten war. So fanden im Fußballkreis Münster zwar zwei Veranstaltungen statt, um die neue Spielform der Basis zu vermitteln, von einer flächendeckenden Umsetzung ist man im größten Fußballkreis des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) jedoch noch weit entfernt. Am Willen der Jugendvertreter scheitert es jedenfalls nicht, das versicherte Bernhard Niehwöhner, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses Münster, noch in der vergangenen Woche.

Er und seine Mitstreiter, die den Spielbetrieb organisieren, haben noch zwei Jahre Zeit, Vereine und Trainer mit ins Boot zu holen. Die kommende Saison (2022/23) und die darauffolgende (23/24) werden noch im bisherigen Rahmen durchgeführt. Danach soll der Plan verbindlich umgesetzt werden.

„Ich finde die Idee richtig gut.“ Das sagt Lars Stöveken. Er ist beim SC Greven 09 Sportlicher Leiter im Jugendbereich, kümmert sich um die Trainer-Ausbildung ist ist zudem D-Jugendtrainer. „Kleine Felder sind sehr sinnvoll. Dadurch ergeben sich viel mehr Erfolgserlebnisse“, meint Stöveken.

Damit bestätig er das, was der DFB anführt, den Kinderfußball zu reformieren. Aus Sicht des Verbandes gehe es darum, allen Kindern auf dem Platz so häufig wie möglich die Chance zu geben, den Ball selbst am Fuß zu haben, aktiv am Spiel teilzunehmen, Tore zu erzielen und damit persönliche Erfolgserlebnisse zu haben. Deshalb wird künftig auf kleinere Teams, viel Abwechslung und zum Teil vier Tore gesetzt.

Ganz so innovativ ist der Verband freilich nicht. In Ländern wie der Schweiz, den Niederlanden oder Dänemark ist es schon längst üblich, die Bolzplatzmentalität zu fördern.

Die veränderten Spielformen beziehen sich auf die Altersklassen G-, F- und E-Jugend. Nach Angaben des DFB geht es um mehr als 500.000 registrierte Nachwuchskicker.

Um ihnen den Leistungsdruck zu nehmen, wird es in diesen Altersklassen keine Meisterschaftsrunden geben. Stattdessen sind Spielenachmittage und Festivals mit mehreren Mannschaften und Spielfeldern vorgesehen. Integriert in die Spielformen ist ein Rotationsprinzip mit festen Wechseln der Spieler. Dass es dann auch keinen Torwart mehr gibt, begrüßt Stöveken besonders. „Ein Torhüter muss heute auch Fußball spielen können“, hält der 09-Trainer nichts von einer zu frühen Festlegung auf eine Position.

Wichtigstes Ziel der Reform sei es, so der DFB, in den Altersklassen der bis elfjährigen Kicker mit einer kindgerechten Art des Fußballs den Spaß am Spiel nachhaltig zu fördern.

Bei aller Zustimmung und Zuversicht, Lars Stöveken glaubt, dass eine Übergangszeit erforderlich ist. „Mit der Idee entfernt man sich von dem Fußball, den man traditionell so kennt.“ Er hält es daher für wichtig und notwendig, Überzeugungsarbeit zu leisten. Auch glaubt Stöveken nicht, dass der Leistungsgedanke auf der Strecke bleibt. Im Gegenteil: „Ich glaube, der Mehrwert wird größer sein. Und die Voraussetzungen sind nach der Einführung ja überall dieselben.“

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