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Fan-Serie: Daniel Rosendahls Herz schlägt für den FC Bayern München

Mit einem Sechziger nach München

Reckenfeld

Es mag durchaus noch Fußball-Fans geben, die Zeiten kennen, als der FC Bayern München nicht Deutscher Meister wurde. Der Grevener Daniel Rosendahl gehört dazu.

Stefan Bamberg

In München: Daniel Rosendahl muss weit fahren, um seinen FC Bayern live zu sehen. Foto: Stefan Bamberg

Eine der bemerkenswerten Facetten des Fußballfan-Daseins ist es, immer zu wissen, wo man war, als. . .

Als die Bundesliga am 19. Mai 2001 ihr beklopptestes Saisonfinale aller Zeiten erlebte, werkelte Daniel Rosendahl bei seinen Eltern im Garten und hörte WDR 2. „Bei herrlichem Sonnenschein“, erinnert sich der Reckenfelder. Und es war schon weit nach 17.15 Uhr, als ein letztes Mal ins Hamburger Volksparkstadion geschaltet wurde: 94. Minute, der FC Bayern bekam einen indirekten Freistoß: Der HSV-Keeper hatte einen Rückpass verbotenerweise mit der Hand aufgenommen, und Patrik Andersson sich den Ball zurechtgelegt. Der Schwede Andersson – ein robuster Abwehrrecke und ausgestattet mit einem Schuss wie ein Pferd – jagte die Kugel in physikalisch bis heute unergründlicher Manier durch die Mauer ins Tor.

Vom tragischen Teil dieser Geschichte – Schalkes berühmter Meisterschaft der Herzen – erzählen wir vielleicht ein andermal an dieser Stelle. Der fröhliche Teil: Bayern war mal wieder Deutscher Meister! Wie so oft. Und wie zuletzt achtmal in Folge.

Beeindruckende Konstanz und Professionalität, das müssen selbst Anhänger anderer Vereine neidlos anerkennen. Daniel Rosendahl jedoch kennt auch noch die Zeiten, in denen die Schale noch nicht per Naturgesetz an die Isar wanderte. Als er Fan wurde, da war das Meisterschaftsrennen nämlich fast immer spannend – ja, wirklich wahr, liebe Kinder!

Rosendahl erzählt von früher: „Ich denke an eine Saison in den 1990-ern, in der landete Bayern im unteren Mittelfeld.“ Oder 2004: Da verfolgte er im alten Olympiastadion hautnah, wie Werder Bremen seinen FCB an die Wand spielte und sich den Titel schnappte. Abends zogen geschlagene Münchener und euphorische Bremer gleichermaßen durch Olympiapark, Hofbräuhaus und Englischen Garten – ohne dass es irgendwo Ärger gab: „Es war also dennoch ein großartiges München-Wochenende.“

Gönnen können, das fällt einem sicher leichter, wenn der eigene Herzensverein ja sonst meistens gewinnt – ist aber natürlich trotzdem ein feiner Charakterzug: Verbissenheit, findet der Handball-Torwart und Freizeit-Kicker Rosendahl, mache das Fan-Leben nicht glücklicher. Einmal fuhr er sogar mit Kumpel und 1860-Anhänger Kristian Peitsch (aus dieser Serie bestens bekannt!) nach München, sie schauten sich samstags in der Allianz-Arena die Bayern gegen Mainz an, und sonntags die Kult-Spielstätte der Sechziger an der Grünwalder Straße. „Wenn ich ins Stadion gehe, dann fürs gemeinsame Erlebnis“, sagt der Familienvater. „Aber ich kann Fußball auch vorm TV oder am Radio sehr genießen. Ich muss nicht immer unterwegs sein.“

Und das, obwohl Rosendahl von Berufs wegen Experte für weite Auswärtsfahrten ist – selbstredend längst nicht nur für fußballerische: Seit einer halben Ewigkeit führt er das Reisebüro Weischer am Grevener Marktplatz. Mit reisenden Fans hatte er in 26 Berufsjahren schon öfter zu tun: München-Aufenthalte mit Bayern-Heimspiel, ein England-Trip zum FC Liverpool für Vater und Sohn, einmal im Leben zum FC Barcelona oder zu Real Madrid – das und manches andere buchten sportbegeisterte Urlauber bereits bei ihm. In den Paketen der Veranstalter enthalten sind Eintrittskarten und Hotel, oft werde das natürlich mit Sightseeing-Programm kombiniert. „Meine Kunden waren von diesen Touren bisher allesamt begeistert“, berichtet Rosendahl.

Die Blütezeit des Fußball-Tourismus sei rund um die WM 2006 gewesen, da reisten sogar weniger eingefleischte Fans zu Spielen. Und aktuell reist natürlich leider gar keiner – jedenfalls nicht zum Fußball. „Ich glaube aber auf jeden Fall, dass die Leute nach der Pandemie wieder Lust auf Stadion-Events haben werden“, meint Rosendahl.

Seine eigene erste Fußballreise mit dem FC Bayern war übrigens nicht besonders komfortabel. Als Steppke nahm ihn sein Papa Ende der 1980-er mit ins Gelsenkirchener Parkstadion: „Wir fuhren im Bus des Saerbecker Schalke-Fanclubs mit.“ Rosendahl junior freute sich, seine damaligen Helden um Lothar Matthäus mal live zu bewundern.

Und mit ein bisschen Pech hätte sein vor Ort frisch erworbener Bayern-Wimpel für Tumulte gesorgt, auf dem Weg vom Stadion zum Bus, vorbei an ein paar Schalke-Fans der härteren Sorte: „Mein Vater hat mir den Wimpel erst später wiedergegeben“, schmunzelt er. „Dafür bin ich ihm bis heute dankbar.“

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