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Tischtennis: Stephan Bothe und der japanische Masterplan

Tuchfühlung mit der Weltspitze

Greven

Das waren für den Grevener Tischtennis-Routinier Stepahn Bothe wahrlich Sternstunden des Sports. Bothe spielte vor Jahren zusammen mit Jun Mizutani bei Borussia Münster zusammen in einer Mannschaft.

Sven Thiele

Jun Mizutani gehört zu den größten japanischen Talenten – die Anfänge seiner Karriere liegen im Münsterland. Foto: Jun Mizutani

Ein in Japan geschmiedeter Masterplan, dazu ein exzellenter Trainer mit einem besonderen Blick für Talente und ein umtriebiger Manager, der in Münster den Tischtennis-Sport groß herausbrachte. Das waren 2002 die Zutaten für einen spektakulären Deal. Einer, durch den Stephan Bothe auf Tuchfühlung mit der absoluten Spitzenklasse des Tischtennis ging und der ihm bei Borussia Münster Mitspieler bescherte, die noch heute ganz oben in der Weltspitze mitmischen. „Eine tolle Zeit“, meint Bothe rückblickend.

Mit 17 Jahren japanischer Meister, Bronzemedaillen-Gewinner bei dem Olympischen Spielen 2016, mehrere Medaillen mit der japanischen National-Mannschaft bei Welt- und Asienmeisterschaften. Keine Frage: Jun Mizutani gehört zu den größten Talenten, die Japan in den vergangenen Jahrzehnten vorhergebracht hat. Aktuell wird der 31-Jährige in der Weltrangliste aus Position 13 geführt.

Die Ursprünge seiner Karriere liegen jedoch in Deutschland, genauer gesagt bei Borussia Düsseldorf und bei Mario Amizic. Der langjährige Erfolgstrainer des Tischtennis-Bundesligisten und Förderer des deutschen Doppel-Weltmeisters Jörg Roßkopf gilt als Entdecker Mizutanis.

Im Auftrag des Japanischen Tischtennisverbandes lotste Amizic das Talent im Alter von 13 Jahren zunächst zum Regionalligisten Borussia Münster, wo Michael Schmitz als Manager die Fäden zog und ergänzend zum Fördertraining im Leistungszentrum in Düsseldorf für Spielpraxis in Münster sorgte.

Dort im Kader stand zu der Zeit auch der 27-jährige Stephan Bothe. „So ein Talent habe ich noch nie gesehen“, erinnert sich Bothe knapp 20 Jahre später noch ganz genau an die Begegnungen mit dem Jugendlichen aus Japan, der sich fern der Heimat im neuen Umfeld auch dank des familiären Umfeldes prima akklimatisierte.

„Selbst im Training hatten wir nicht den Hauch einer Chance“, beschreibt Bothe den krassen Leistungsunterschied. In der Meisterschaft erwies sich Jun Mizutani als die erwartete Bank. „Wenn er ein Spiel verloren hat, dann nur, wenn er vergessen hatte, dass es ums Gewinnen ging.“

Mit ihm spielte Borussia Münster gar um den Aufstieg in die Zweite Liga und gelangte dank des prominenten Gastspielers selbst ins internationale Rampenlicht. Der neue Stern am Tischtennishimmel lockte selbst das japanische Fernsehen für eine Reportage ins Münsterland. Eine Sternstunde auch für Stephan Bothe: „So etwas erlebt man als ambitionierter Hobbyspieler sonst nicht.“

Das Abenteuer endete wenig überraschend bereits nach einer Saison. Danach zog es Jun Mizutani zunächst in die zweite Bundesliga, später folgten Einsätze beim Bundesligisten Borussia Düsseldorf. Auch das waren nur Zwischenstationen auf seinem Weg an die Spitze, wo er den Deutschen Timo Boll bereits als 21-Jähriger bezwang. Aktuell spielt Jun Mizutani im Mutterland des Tischtennis, der Chinesischen Superliga.

Stephan Bothe, der nach seinem Ausscheiden bei Borussia Münster und einer Zwischenstation beim TTV Metelen bei der DJK Greven ein neues sportliches Zuhause gefunden hat, hat den Werdegang seines ehemaligen Mitspielers verfolgt. Die besonderen Eindrücke sind geblieben: „Es ist schon faszinierend, was aus diesem Spieler geworden ist.“

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