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Kleine Träumereien über eine Teilnahme am DFB-Pokal

Vielleicht entscheidet das Los

Greven

Der Westfalenpokal ist jener Wettbewerb, dessen Sieger traditionell ein DFB-Pokal-Ticket ergattert. In diesem Westfalenpokal wartet der SC 09 seit inzwischen fünf Monaten auf sein Highlight-Match gegen die Sportfreunde Lotte.

Stefan Bamberg

Sieht doch schön aus: Der DFB-Pokal. Foto: dpa

„Schalke 04 als Gegner in der ersten Runde“, sagt Frank Blom fröhlich, „da hätten wir ´ne echte Chance.“ Für den Fußball-Abteilungsleiter des SC Greven 09 war es eine lustige Nachricht inmitten so vieler betrüblicher rund um den nahezu stillstehenden Amateursport.

Die Nachricht von Nullneun und dem DFB-Pokal. Bitte was? Nun ja, bis zur jüngsten digitalen Pressekonferenz des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FLVW) schliefen die Hunde tief und fest. Dann aber verkündeten die Verbandsfunktionäre nicht nur, dass die Bezirksliga-Saison (noch) nicht abgebrochen wird.

Sondern in einem Nebensatz auch Neuigkeiten zum Westfalenpokal. Das ist jener Wettbewerb, dessen Sieger traditionell ein DFB-Pokal-Ticket ergattert.

In diesem Westfalenpokal wartet der SC 09 seit inzwischen fünf Monaten auf sein Highlight-Match gegen die Sportfreunde Lotte. 60 Mannschaften befinden sich insgesamt noch in der Konkurrenz, Preußen Münster mal rausgerechnet sogar nur 59.

Denn: Die Preußen werden sich als derzeit meilenweit bestes FLVW-Team der Regionalliga West wohl sowieso sicher qualifizieren; die dort vor ihnen platzierte zweite Mannschaft des BVB darf nämlich nicht im DFB-Pokal antreten.

Zurück zum Westfalenpokal: Diesen bis zum Sommer sportlich zu Ende zu bringen, genießt beim FLVW höchste Priorität – aber: Wer wagt schon noch Prognosen bei all den Mutanten und Mutonkeln? Notfalls müsste offenbar wirklich das Los entscheiden.

Darüber, wer die Chance kriegt auf ein Heimspiel gegen einen Bundesligisten – oder wenigstens gegen den HSV. Und darüber, aus welchem Dorf rührende TV-Reportagen gesendet werden: über den Innenverteidiger, der werktags unermüdlich auf der Baustelle schuftet – und heute gegen Gladbachs Super-Offensive „Beton anrühren“ muss. Oder über den Mittelstürmer, der neben seinem VWL-Studium in der Kneipe jobbt – sein Traum: einmal im Leben den Bayern „einen einschenken“ (in deren Bettwäsche er übrigens schläft).

Wunderschöne Wortspiele! Finanziell hingegen war der DFB-Pokal schon mal lukrativer: Statt stattlicher 175 500 Euro wie noch in der Saison 2019/2020 gab es dort dieses Jahr nur noch schlappe 137 000 Penunzen für eine Erstrunden-Teilnahme zu verdienen.

Aus Sicht eines Bezirksligisten wie Greven 09 wäre das freilich immer noch ein warmer Geldregen – der selbstredend sinnvoll reinvestiert werden will. 137 000 Euro: In Zeiten coronabedingt leicht sinkender Ablösesummen wäre dafür sicherlich eine Zaubermaus aus Brasiliens zweiter Liga zu haben – mit dem Hang zum Übergewicht und zu nächtlichen Eskapaden zwar, allerdings mit einem feinen linken Füßchen.

Oder aber ein Hochkaräter für die Außendarstellung des Klubs, für ein bisschen mehr Glamour am Emsdeich: Peter Neururer soll ja stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen sein.

Frank Blom hingegen tritt da auf die Bremse: Nein, bei Nullneun sei die Erstrunden-Prämie noch nicht verplant. „Das müsste natürlich vorher auch alles mit dem Vorstand besprochen werden“, verweist der Abteilungsleiter auf die einzuhaltenden Dienstwege. Überhaupt scheint man im Verein unsere völlig begründete Euphorie nicht uneingeschränkt zu teilen: „Ich hab die Meldung am Freitag in die 09-Whatsapp-Gruppe gepostet“, erzählt Blom. „Da hat ganz lange keiner drauf geantwortet – möglicherweise hielten es manche für einen Aprilscherz.“

Nüchtern betrachtet, bekundet Blom, sei das Thema DFB-Pokal in der Schöneflieth keines.

Komisch. Dabei ist die Rechnung doch das todsicherste Ding seit „Bang Boom Bang“! Vorausgesetzt, dass der Westfalenpokal tatsächlich abgebrochen und gelost würde: Die Wahrscheinlichkeit, dass Greven 09 nächste Saison im DFB-Pokal spielt, liegt dann nach Adam Riese bei stolzen 1,69 Prozent, bei einem Neunundfünfzigstel. Also in etwa so hoch wie die aktuellen Champions-League-Chancen von Borussia Dortmund.

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