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Radsport: Gronauer beim Alpenbrevet

Abenteuer in den Alpen

Gronau

Als sich bis zum Sommer dieses Jahres mehr als 3.000 Rennradbegeisterte für die 44. Austragung des legendären Alpenbrevets im schweizerischen Andermatt anmeldeten, ahnten sie noch nicht, welche Wetteraussichten für den Veranstaltungstag, den vergangenen Samstag, vorherhergesagt wurden.

Glücklicher Empfang im Ziel: Reinhard Epping, Holger Perrevort, Thomas van Almsick und Jan-Gerd Perrevort (v.l.) Foto: Privat

Diese verhießen mit Dauerregen und einem Temperatursturz nichts Gutes, sodass mehrere Hundert Akteure bereits im Vorfeld auf die Teilnahme verzichteten.

Nicht so Jan-Gerd Perrevort vom TV Gronau sowie sein Bruder Holger und Thomas van Almsick jeweils vom TV Westfalia Epe. Bei zwar kühlem, aber trockenem Wetter starteten sie morgens um 06:30 Uhr, um die Gold-Tour über 212 Kilometer mit 5.080 Höhenmetern und vier legendären Alpenpässen in Angriff zu nehmen.

Der Veranstalter bot darüber hinaus auch noch Strecken von Bronze bis Platin an, wobei letztere mit 268 Kilometern, 7.090 Höhenmetern und fünf Alpenpässen den absoluten Spezialisten vorbehalten ist. Nach einer kurzen Einrollphase durch das Hospental ging es in den Anstieg zur 2.429 Meter hoch gelegenen Furkapasshöhe. Von den vielen Serpentinen aus bot sich den Akteuren in der Morgendämmerung immer wieder ein atemberaubender Blick zurück in das Tal nach Andermatt.

Auf die rasende Abfahrt mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h folgte der bei allen Rennradfahrern aufgrund seiner durchschnittlichen Steigung von 8,6 Prozent und mit zu 13 Prozent steilen Rampen gefürchtete Anstieg zum Nufenen-Pass auf 2.478 Meter. Gesprächsversuche in diesem Abschnitt führten unter den Fahrern immer öfter zu Bemerkungen wie „Halt‘ die Klappe, ich bin am Limit!“

Sichtweite unter 50 Meter

Während des Aufstiegs waren die drei Eper Akteure aber noch guten Mutes, das gesteckte Vorhaben, die Gold-Tour zu bewältigen. Kurz vor der Passüberquerung konnten sie jedoch durch die Wolkenwand, die sich über den Grat schob, bereits die Wetterprognose spüren. Es wurde zunehmend kälter und die Abfahrt nach Airolo durch die dichten Wolken mit einer Sichtweite unter 50 Metern gestaltete sich sehr schwierig.

In Airolo angekommen trennten sich die Wege. Die beiden Brüder entschieden sich für einen Wechsel auf die Silber-Tour, zurück über die kopfsteingepflasterten Serpentinen des ursprünglichen Gotthard-Passes und erreichten nach 06:05 Stunden und 108 Kilometern wieder das Ziel in Andermatt. Thomas van Almsick indes hatte aus dem Vorjahr für sich noch eine Rechnung offen. Nachdem er im letzten Jahr aufgrund zweier schwerer Bandscheibenvorfälle den Ötztaler Radmarathon absagen musste, wollte er es nach einem akribischen Aufbautraining nochmals mit dem Alpenbrevet versuchen, einem der härtesten Radrennen in den Alpen.

Zu diesem Zeitpunkt lagen noch etwa 130 km vor ihm und hätte er geahnt, was geschehen würde, hätte er vermutlich auch den verkürzten Rückweg angetreten. Auf der weiteren Abfahrt von Airolo in das wunderschöne Tessin bewahrheitete sich der Wetterbericht. Es setzte heftiger Regen ein, der kurzzeitig erst wieder an dem Wendepunkt in Biasca hoch zum Lukmanier-Pass nachließ. Vor ihm streckten sich nun zwar nicht schwere, aber 42 an den Kräften zehrende, zähe Kilometer bergan von 300 bis auf 1.950 Meter Höhe entgegen.

Gestärkt in die letzte Aufgabe

Auf der anderen Seite des Passes, vorbei an dem weltberühmten Benediktiner-Kloster, nahm Thomas van Almsick in Disentis dann an der letzten Verpflegungsstation unter anderem warme Getränke entgegen, um gestärkt an die Bewältigung der letzten Aufgabe des Tages, die Querung des Oberalp-Passes, zu gehen.

Auf dem Papier mit einer durchschnittlichen Steigung von 4,4 Prozent auf 21 Kilometern eine lösbare Aufgabe. Jedoch setzten van Almsick nun Rückenschmerzen zu und er musste immer mehr das Tempo herausnehmen. In den Serpentinen fuhren die Rennradfahrer zudem in die tief hängenden Wolken hinein. Es wurde immer kälter und der wieder einsetzende Regen immer heftiger. In Sturzbächen rann das Wasser den Pass Richtung Andermatt herunter und mit bis zu 60 km/h wurde van Almsick noch die letzte Konzentration abgefordert, um sein Rennrad auf dem rutschigen Belag durch die Kurven zu zirkeln.

Nach 12:21 Stunden erreichte er schließlich - im Hinblick auf die Widrigkeiten - glücklich und zufrieden das Ziel und wurde von den anderen Mitstreitern in Empfang genommen.

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