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WN-Serie: 30 Jahre Gronauer Ball des Sports

Ein ewiger Wettlauf mit der Zeit

Gronau

Jahr für Jahr war es ein Wettlauf mit der Zeit. Wir haben ihn zum Glück aber immer gewonnen“, erklärt Uta Schmiese-Hartmann nicht ohne Stolz.

Angelika Hoof

Uta Schmiese-Hartmann fertigte jahrelang die Ehrenteller für die Gronauer Sportler des Jahres. Foto: privat

Während die 63-Jährige für die meisten Gronauer eher eine Unbekannte ist, hat manch nominierter Sportler im Rahmen des traditionellen „Ball des Sports“ vielleicht schon einmal ihre Werke schätzen gelernt. Aus Uta Schmiese-Hartmanns Händen nämlich stammten 16 Jahre lang die heiß begehrten Ehrenteller, die den Siegern seit 1990 im feierlichen Rahmen überreicht werden.

In der Töpferei Eiling in Ochtrup hatte Uta Schmiese-Hartmann ihre Ausbildung zur Keramikerin absolviert, ehe der Besuch der Meisterschule in Münster folgte und sie 1989 gemeinsam mit ihrem Mann Michael den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. „Mit einem kleinen Laden an der Poststraße in Gronau fing alles an. 1989 gaben uns Erika Hermann und Gerhard Zwicker vom Stadtsportverband den Auftrag für den ersten Ball des Sports im Jahr 1990, dem Jahr für Jahr weitere folgten. Aufgrund fehlender Laufkundschaft entschlossen wir uns 1998 aber für den Umzug nach Emsdetten, wo wir in einem Kotten eine Töpferei eröffneten“, so die Wahl-Emsdettenerin, die sich seitdem auf den Verkauf ihrer Waren auf Märkten konzentrierte.

Insbesondere im Advent waren die Hartmanns immer auf verschiedenen Weihnachtsmärkten unterwegs: von Münster über Billerbeck und Gescher bis Oberhausen. Während ihre Kollegen zwischen Weihnachten und Neujahr das Fest der Besinnlichkeit in vollen Zügen genießen durften, zog es Uta Schmiese-Hartmann in die Töpferstube, um die handgedrehten Ehrenteller auf der Drehscheibe anzufertigen – jeder Teller ein Unikat für sich. „Normalerweise sollte Ton vier Wochen trocknen. Aufgrund des Zeitdrucks, der Ball fand ja immer zwischen dem 11. und 18. Januar statt, mussten für die Herstellung zwei Wochen ausreichen, zumal die Ehrenteller alle noch per Engobemalerei handbemalt und zwei Mal im Ofen gebrannt werden mussten“, so Uta Schmiese-Hartmann.

Engobe ist der Oberbegriff für eine dünnflüssige Tonmineralmasse, die zur Einfärbung oder Beschichtung keramischer Produkte dient. „Nachdem ich das Gronauer Wappen mit Pauspapier auf den ungebrannten, trockenen Tonteller übertragen hatte, konnten die Linien mithilfe der Engobe nachgezeichnet und die Flächen farbig mit selbst hergestellter Farbe ausgemalt werden. Schließlich folgten die Schriftzüge und Namen der Gewinner, die mir nach der Auszählung der Stimmzettel am 26. Dezember telefonisch durchgegeben wurden. Da konnte es gerade bei großen Mannschaften schon eng werden mit der Zeit“, erläutert die Emsdettenerin die einzelnen Arbeitsschritte, ehe die Ehrenteller erstmals bei 900 Grad in den elektrischen Ofen kamen. Nach der Auskühlung wurden die Teller mit einer transparenten Glasur überzogen, um eine glatte, glänzende und wasserdichte Oberfläche zu erzeugen. Die Glasur musste erneut gebrannt werden, ehe die Ehrenteller nach weiteren zwei Tagen zur Abholung bereit standen.

Schon der Laie bemerkt, dass die Produktion der Unikate sehr aufwendig und mit viel Arbeit und Liebe zum Detail verbunden war. „Doch allem Stress zum Trotz hat es mir immer viel Freude bereitet, für die Sportler eine bleibende Erinnerung zu erstellen“, betont Uta Schmiese-Hartmann, für die das Honorar bei all dem Material- und Arbeitsaufwand an zweiter Stelle stand.

Mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern brachten insbesondere die großen Teller für Sportlerin, Sportler und Mannschaft des Jahres ein Gewicht von 1880 Gramm auf die Waage. Etwas handlicher und daher leichter waren die Erinnerungsteller für die Mannschaftssportler, die auf einen Durchmesser von 26 Zentimetern und ein Gewicht von 778 Gramm kamen.

2015 nutzte Uta Schmiese-Hartmann den ausgefallenen „Ball des Sports“, um Abschied zu nehmen.

„Seitdem erhalten wir die großen Ehrenteller von der Töpferei Bernhard Erning aus Stadtlohn. Die kleineren Exemplare für die Sportler der Mannschaften wurden aus Kostengründen durch schicke Medaillen ersetzt“, erklärt Manfred Lenz, Mitglied des Orga-Teams.

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