Fußball: Kreisliga A

Ole Pieper kommt einiges spanisch vor

Nienborg

Vieles kommt Ole Pieper spanisch vor. Kunststück, der Akteur von SC Rot-Weiß Nienborg absolviert gerade sein Auslandssemester in Valladolid. Im Interview verrät er seine Eindrücke vom Studium, dem Land und natürlich vom Fußball. Den heimischen A-Ligisten hat er dabei keineswegs vergessen.

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Impressionen aus der Wahlheimat: Ole Pieper auf einem zentralen Platz in Valladolid. Foto: Ole Pieper

Ole Pieper, Spieler des SC Rot-Weiß Nienborg, absolviert derzeit zwei Auslandssemester im Rahmen seines Lehramts-Studiums in der zentralspanischen Stadt Valladolid. Seit vergangenem September befindet er sich in Spanien und kehrt voraussichtlich zur neuen Saison zum Fußball-A-Ligisten zurück. Vereinskamerad Gerald Lösbrock hat Kontakt zu ihm aufgenommen und mit ihm über das Gast-Land. das Studium und über spanischen Fußball im Eichenstadion gesprochen.

¡Buenas tardes, Ole! ¿Cómo estás?

Ole Pieper: Muy bien, ¿y tu?

Das klingt doch ganz gut! Du bist seit etwa viereinhalb Monaten in Valladolid und studierst dort Spanisch und Geografie. Laut Wikipedia werden die Einwohner von Valladolid „Vallisoletanos“ genannt. Inwieweit würdest du sagen, bist du mittlerweile „Vallisoletano“?

Pieper: Gute Frage! Erstmal ist der Wikipedia-Eintrag natürlich richtig. Ich würde behaupten, dass ich mich in der Stadt ganz gut eingelebt habe und einige Leute kennengelernt habe, sodass es nicht mehr eine komplett fremde Stadt ist. Ich kenne mich ganz gut aus und weiß, wo alle Sachen sind. Ich würde behaupten, dass das touristenmäßige nach der ersten Woche abgehakt war.

Mal angenommen nächstes Wochenende käme ein Freund zu Besuch. Was würdest Du mit ihm in Valladolid unternehmen?

Pieper: Das ist eine sehr hypothetische Frage, da im Moment auch hier sehr viele Sachen nicht geöffnet sind. Ich würde auf jeden Fall mal schauen, dass ich mit ihm verschiedene Bars abklappern würde. Auch eine Tapas-Tour, soweit sie denn möglich wäre, würde auf jeden Fall unternommen werden.

Du hast es gerade schon angesprochen. In Spanien gibt es auch Einschränkungen durch Corona-Maßnahmen. Wie ist die Situation für dich persönlich?

Pieper: Für mich persönlich ist die Lage weitestgehend in Ordnung. Ich konnte das erste Studiensemester hier in Halbpräsenz absolvieren, sodass es nicht komplett Online-Unterricht war. Es ist noch erlaubt, sich in kleinen Grüppchen zu treffen, in denen dann auch in spanischer Sprache geredet wird, was für mich das Wichtigste ist. Ich bin soweit ganz zufrieden mit dem, was ich hier noch unternehmen darf. Was allerdings etwas anderes ist, ist, wenn man in den Nachrichten die Zahlen hört, die hier echt durch die Decke schießen. Dazu gibt es derzeit eine nächtliche Ausgangssperre, die schon um 20 Uhr beginnt.

Wie hast Du Weihnachten und den Jahreswechsel verbracht?

Muscheln und Krabben statt Flugente

Pieper: Ich habe erst überlegt, ob ich nach Deutschland komme. Das habe ich dann aber sein lassen. Von daher habe ich die Zeit hier verbracht. Ich wurde sogar noch von einer spanischen Bekannten zu ihrer Familie nach Hause eingeladen und konnte von der Kultur dementsprechend auch bestmöglich etwas mitnehmen. Beim Weihnachtsessen wurde die Flugente, die wir sonst immer zu Hause haben, mal gegen Muscheln, Krabben und Garnelen eingetauscht. Auch den Jahreswechsel habe ich mit bestimmten Traditionen, wie den zwölf Weintrauben zu Mitternacht, die angeblich Glück bringen sollen, verbracht.

Du hast gerade etwas von zwölf Weintrauben gesagt. Was hat es damit auf sich?

Pieper: Das ist eine Tradition hier in Spanien, bei der um 12 Uhr, wenn die Glocken schlagen, bei jedem Glockenschlag eine Weintraube gegessen wird, was Glück bringen soll. Man muss dabei flott sein und wenn man einen relativ großen Mund hat, ist das auch von Vorteil.

Da haben Nienborger ja normalerweise kein Problem mit. Apropos Nienborg: Mit wem aus deiner Heimat hast du regelmäßig Kontakt?

Pieper: Allen voran mit meinen Eltern, mit denen ich häufiger zoome und darüber auch die meisten Infos aus dem Dorf bekomme. Dann habe ich natürlich auch mit meiner Freundin Sina regelmäßig Kontakt. Manchmal habe ich mit verschiedenen Kumpels und Studienkollegen aus Münster geskypt. Das sind so die Kontakte, die ich zu meinen Wurzeln beibehalte. Ich weiß, wo ich herkomme!

Dann hast Du ja sicherlich mitbekommen, dass Du in Nienborg neuerdings als Laufwunder von dir reden machst?

Pieper: Ja, das hat schon die Runde gemacht, glaube ich . . .

Beflügelt die spanische Küche?

In der Lauf-App stehen unter anderem ein 22 km-Lauf mit einem Durchschnittstempo von 4:35 min/km und ein Lauf über knapp acht km mit 3:56 min/km zu Buche. Liegt es an der leichten spanischen Küche?

Pieper: Ich würde behaupten, die spanische Küche hat da jetzt nicht so viel mit zu tun. Es ist einfach so, dass ich im Moment recht viel Zeit habe, die ich mit dem Laufen verbringen kann. So ein paar Ziele habe ich mir dann einfach mal gesetzt und dann auch verfolgen können.

Dein Trainer Rick hat vermutet, Du wärst die acht km mit dem Fahrrad gefahren. Hand aufs Herz, hast Du geschummelt?

Pieper: Das kann ich mit einem klaren Nein beantworten! Vor allem der Lauf mit unter vier Minuten pro Kilometer war schon recht heftig. Danach war es gut!

Hast Du die Saison der ersten Mannschaft in den letzten Monaten verfolgt?

Pieper: Bis zu dem Moment, als die Saison noch lief, habe ich auf jeden Fall immer geguckt, was die Jungs gemacht haben. Zum Ende hin haben wir uns wohl etwas schwer getan.

Torjäger in Abwesenheit

Weißt Du denn, wer momentan die interne Torjägerliste anführt?

Pieper: Da müsste ich jetzt überlegen. Bin ich es?

Ja, Du bist es! Vier Tore in den ersten drei Spielen.

Pieper (lacht): Den Platz habe ich mir noch gesichert.

Sind in Spanien weitere Treffer dazugekommen?

Pieper: Ich trainiere hier in der Uni-Mannschaft mit, allerdings habe ich hier keine Spiele absolviert. Im Training kam noch der eine oder andere Treffer hinzu.

Wie muss man sich das Fußballspielen in der Uni-Mannschaft vorstellen? Gibt es Unterschiede?

Pieper: Grundsätzlich würde ich behaupten, dass das Niveau der Mannschaft relativ vergleichbar ist mit dem, das ich aus der Ersten kenne. Es sind auch welche dabei, die technisch sehr stark sind. Was allerdings wohl einen Unterschied ist: Der Fußball ist weniger körperbetont. Wir haben jetzt keine richtige Kante im Team, die die Leute abräumt. Es sind eher kleinere Spieler, was auch den Spielstil prägt.

Gibt es Dinge aus dem spanischen Fußball, die wir bald auch im Eichenstadion bestaunen dürfen?

Pieper: Gute Frage. Ich denke nicht, dass ich meinen Spielstil noch großartig ändern werde. Worauf hier im Training viel Wert gelegt wird, ist aber das Passspiel, was vielleicht förderlich sein könnte, zumal mit dem Aufstieg in die A-Liga ja auch ein anderer Anspruch gestellt wird. Ob man dann den spanischen Spielstil in der nächsten Saison bei mir erkennen kann, ist allerdings fraglich.

Zeit, die wichtigen Dinge anzusprechen. Wer hat einen besseren Außenrist: Die Spanier oder Patrick Garbe?

Pieper: Wenn ich nach Nienborg zurückkomme und Patrick wiedersehe, würde ich auf jeden Fall sagen, dass er den besseren hat.

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