Fußball: Vor 30 Jahren schrammte der ASC Schöppingen an der Oberliga-Meisterschaft vorbei

Träume platzten in der 88. Minute

Schöppingen

Schalke-Fans können ein Lied davon singen, wie es sich auf dem Platz als „Meister der Herzen“ anfühlt. Oberligist ASC Schöppingen machte diese leidvolle Erfahrung zehn Jahre eher.

Stefan Hoof

Bernard Dietz, Kapitän der deutschen Europameister-Mannschaft von 1980, trainierte den ASC Schöppingen von 1987 bis 1992. Heute vor 30 Jahren verpasste er mit seinem Team ganz knapp die Oberliga-Meisterschaft. Foto: sh

Die Knappen wähnten sich am 19. Mai 2001 für vier Minuten und 38 Sekunden am Ziel ihrer Träume, bis der FC Bayern München ihnen mit seinem Ausgleich in Hamburg noch die schon sicher geglaubte Meisterschale entriss. Die Königsblauen weinten bittere Tränen. Im kleineren Rahmen widerfuhr dem ASC Schöppingen Ähnliches – gut zehn Jahre früher, heute auf den Tag genau vor 30 Jahren.

An jenem 12. Mai 1991 hatte der Oberligist aus der Vechtegemeinde alles dafür getan, um zum zweiten Mal nach 1986 in Westfalen als Meister durchs Ziel zu gehen. 4:0 hatte sich die Mannschaft von Trainer Bernard „Ennatz“ Dietz in Lüdenscheid durchgesetzt.

Mit zwei Bussen nach Verl

Nun hing alles vom Ergebnis des Tabellenführers SC Verl ab. Der benötigte aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber den Dietz-Schützlingen einen Sieg. Doch nach letzten Informationen – 1991 noch telefonisch über Festnetz – lagen die Ostwestfalen 0:1 gegen den DSC Wanne-Eickel zurück.

Die ASC-Spieler und mit ihnen zahlreiche Schlachtenbummler fieberten der erlösenden Nachricht aus Verl entgegen. Mit zwei Bussen waren die Anhänger ihrer Mannschaft gefolgt – in der Hoffnung, im Nattenbergstadion die Oberliga-Meisterschaft und den damit verbundenen Einzug in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga feiern zu dürfen.

Lothar Everding

„Wir hatten unseren Job gemacht, waren aber auf fremde Hilfe angewiesen“, schaut Lothar Everding zurück. Für den damals 22-jährigen Stammspieler, in jeder Partie dabei und siebenfacher Torschütze als defensiver Mittelfeldspieler, war es eigentlich eine tolle Spielzeit: „Sportlich sicherlich meine beste Saison“. bestätigt er.

„Auf dem Spielfeld warteten wir Spieler auf das Verler Ergebnis, wir schauten hoch zu unseren Fans oben auf den Rängen. Doch niemand wusste etwas. Medial war das aus heutiger Sicht Steinzeit. Und so waren wir innerlich zerrissen. Wir hatten klar gewonnen, Verl lag angeblich zurück. Und doch bangten und zitterten wir um den Titel. Eine skurrile Situation“, schildert Everding die Geschehnisse.

150 Sekunden fehlten zum Titel

Aber Lüdenscheids Stadionsprecher musste die Grün-Weißen enttäuschen: „Eine traurige Nachricht für unsere Gäste“, begann er seine Durchsage und verkündete den Verler 2:1-Sieg. Einigen Spielern, aber auch ASC-Fans schossen Tränen ins Gesicht. 150 Sekunden hatten letztlich zur Meisterschaft gefehlt. In der 84. Minute erst hatte Verl gegen den DSC Wanne-Eickel per Strafstoß ausgeglichen. Das reichte Verl noch nicht zu Platz eins. Aber in der 88. Minute hieß es 2:1 für den SC Verl, der damit in der Tabelle wieder am ASC Schöppingen vorbeizog. Verl nahm damit an der Aufstiegsrunde teil, scheiterte aber dort. „Als wir abends im Vereinslokal die Fernsehbilder vom diskussionswürdigen Foul, das zum Strafstoß führte, und vom Verler Siegtor sahen, wurde unsere Stimmung nicht besser“, weiß Lothar Everding.

Aufholjagd nach Ostern

Die so verpasste Titelchance war ärgerlich für den ASC, der damals seine vorletzte Saison in der Oberliga bestritt, ehe 1992 der freiwillige Rückzug folgte.

Lothar Everding, Trainer Bernard Dietz und Physio Josef Paries Foto: sh

Nach der Winterpause hatten die Schöppinger in ihrer schwächsten Saisonphase zunächst den Anschluss nach oben verloren. Um Ostern herum redete an der Vechte niemand mehr von der Meisterschaft.

Dirk Wöstmann, der heutige ASC-Geschäftsführer erinnert sich: „Klar, ich hatte damals eine Dauerkarte. Die Heimspiele und die Partien in der näheren Umgebung habe ich alle besucht. In Lüdenscheid war ich nicht. Aber ich erinnere mich gut, dass unsere Mannschaft einen tollen Saison-Endspurt hingelegt hatte und es noch um die Meisterschaft ging. Nach dem so unglücklichen Ausgang waren unsere vielen Fans dort ziemlich zerknirscht.“

13:1-Punkte im Saisonendspurt

Bernard Dietz, Kapitän der deutschen Europameister-Mannschaft von 1980, hatte damals die passenden Worte gefunden und sein Team auf ein furioses Saisonfinale eingeschworen. Mit sechs Siegen und einem Unentschieden – das bedeutete damals 13:1-Punkte – war der ASC dem Rivalen aus Verl wieder auf die Pelle gerückt und schien ihn sogar abfangen zu können. Bis Lüdenscheids Stadionsprecher die so bittere Wahrheit verkündete.

Spiele um die Deutsche Amateurmeisterschaft

„Wir haben danach als Vizemeister um die Deutsche Amateurmeisterschaft gespielt. An das Spiel in Bremen mit Leuten wie Arie van Lent erinnere ich mich gut“, war Wöstmann mit dem ASC wieder mal unterwegs. Der ASC punktete nach der 2:5-Auftaktniederlage gegen den späteren Amateurmeister Werder Bremen Amateure gegen Alemannia Aachen (3:3) und bei Türkiyemspor Berlin (1:1).

Die Aufstellung

Übrigens: Wer stand vor 30 Jahren auf dem Platz und trug das Trikot mit dem „t“ auf der Brust: Dohn, Nijhuis, Berlekamp, Joosten, Lazic, Everding, Hemsing, Greve (60. Wotte), Lipinski, Jablonowski, Pickenäcker (89. Zois).

Die Treffer zum 4:0 in Lüdenscheid markierten Greve, Pickenäcker, Lipinski und Everding. Ludger Pickenäcker wurde mit seinem 18. Saisontreffer Torschützenkönig der Oberliga.

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