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Fußball: Vorwärts Epe trifft am Samstag im Pokal auf den Oberligisten SpVgg Vreden

„Unser Ziel ist die Aufstiegsrunde“

Vreden/Epe

Ob nach dem Spiel oder dem Training: Engin Yavuzaslan benötigt die gut 70-minütige Heimfahrt nach Recklinghausen nicht nur, um wieder in seinen Ruhemodus zu finden.

Von Stefan Hoofund

Vredens Trainer Engin Yavuzaslan peilt mit seiner Mannschaft Foto: Stefan Hoof

„Die Zeit brauche ich auch, um alles noch einmal Revue passieren zu lassen, um wirklich alles zu hinterfragen oder zu analysieren. Direkt auf die Couch, nein, das geht nicht. Von daher macht mir die Fahrerei nicht viel aus“, sagt er.

In dieser Woche hat sich der Trainer des Fußball-Oberligisten SpVgg Vreden während der jeweils gut 120 Kilometer hin und wieder zurück Gedanken über das Trainingslager in Haren/Ems am vergangenen Wochenende gemacht. Taktische Elemente standen unter anderem auf dem Stundenplan. Ob die Inhalte schon umgesetzt werden, wird sich auch am Samstag zeigen, wenn der Oberligist zum Pokalspiel bei Vorwärts Epe aufläuft. Anpfiff am Wolbertshof ist um 17 Uhr.

Im Interview spricht der 40-Jährige auch über seine Idee vom Fußball, sich selbst und seine Vorstellungen von der kommenden Saison.

Seit über zwei Monaten wird trainiert, zweieinhalb Wochen sind es noch bis zum Saisonstart. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Engin Yavuzaslan: Wir sind früh dran gewesen. Mitte Mai haben wir schon in kleinsten Gruppen im erlaubten Rahmen trainiert, um nach so einer langen Pause wieder in die Basics reinzukommen. Die Jungs entwickeln sich, arbeiten ordentlich, sind akribisch, sind sehr erfolgsorientiert. Die hinterfragen sich selbst, was die ganze Sache aus meiner Sache so interessant macht. Wir sind auf einem guten Weg.

Akribisch – damit lässt sich auch Ihr Arbeitsstil beschreiben.

Yavuzaslan: Das stimmt. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch. Bevor ich Spieler kritisiere, hinterfrage ich mich erst mal selbst. War es zu komplex, war es zu intensiv, war es von meiner Seite aus zu strategisch gedacht, habe ich meine Spieler überfordert. Ja, ich bin sehr akribisch. Ich fordere von mir das Maximum, aber gleichzeitig auch von den Spielern. Ich bin ein Trainertyp, der nichts geschenkt haben will, der von der ersten Minute an Leidenschaft mitbringt, um ehrliche Arbeit an den Tag zu legen. Ich sage immer, das wird im Leben auch belohnt. Man mogelt sich ein-, zweimal durch. Aber wenn man eine ganze Saison betrachtet, wird nur harte und ehrliche Arbeit belohnt. Ich bin ein Taktiker, der es liebt, ein Spiel zu zerpflücken. Ich mag es, mehrere Varianten zu haben und auszuspielen, ich mag es, meinen Spielern Lösungsoptionen mit auf den Weg zu geben. Fußball, das ist wie ein Pokerspiel. Was ich gar nicht mag, ist natürlich mir dabei in die Karten schauen zu lassen.

Wie kommen die Spieler mit dem „Pokerface“ klar?

Yavuzaslan (lacht): Die Jungs setzen das super um. Zu Beginn meiner Tätigkeit hier mussten sie mich natürlich erst mal kennenlernen. Ich habe sie schon mental sehr gefordert. Aber ich liebe es, in jeder Situation fußballerische Lösungen zu finden, besonders in Drucksituationen. Meine Spieler sollen immer einen klaren Plan haben. Das setzen sie gerade sehr gut um und sind dabei, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten.

Nun haben sich Jannik Enning und Niklas Hilgemann verabschiedet, andere sind neu im Team. Passt die Mischung?

Yavuzaslan: Jannik war natürlich gerade im Defensivverbund ein unheimlich wichtiger Spieler für uns, der die Truppe stabilisiert hat. Und Niklas Hilgemann mit seiner Erfahrung war eine stützende Säule. Trotzdem haben wir das mit den jungen Spielern, die unsere DNA im Blut haben und jetzt zurückgekehrt sind, gut kompensiert. Ich meine Hendrik Brügging und Malte Hoffmann, dazu die drei Youngster Henrick Resing, Nils Cordes und Arjan Kraushaar aus unserer eigenen Jugend. Und natürlich Kilian Heisterkamp, einer aus der U19 des VfL Bochum, der auch hier aus der Nähe, aus Velen, kommt und perfekt in unser Konzept passt. Die machen es alle gut. Das ist auch das Ziel des Vereins, mit jungen, hungrigen und talentierten Spielern aus Vreden und Umgebung zu spielen. Ich finde diesen Gedanken super. Ich glaube, knapp 80 Prozent sind Vredener Jungs.

Wie groß ist der Kader?

Yavuzaslan:24 Feldspieler und drei Schnapper.

Das Aufgebot wird noch verkleinert?

Yavuzaslan: Nein. Natürlich bekommt mal jemand über die zweite Mannschaft in der Bezirksliga Spielpraxis. Aber mein Kader bleibt so. Das erfordert die Oberliga. Das ist von der Belastung her, von der Intensität her etwas anderes. Das müssen wir auf diesem Niveau so machen und an die Aufgaben mit so einem großen Kader herangehen. Man darf auch nicht vergessen, dass wir viele junge Spieler haben, die in einer Saison auch mal in ein Loch fallen und Pausen brauchen. Das ist in diesem Alter ein normaler Entwicklungsprozess.

Hat sich jemand in der Vorbereitung schon in den Vordergrund gespielt?

Yavuzaslan: Ich hebe lieber das Gesamte hervor. Aber wenn man Spieler sieht wie Bernd Verwohlt aus der zweiten Mannschaft oder Nico Ostenkötter, den niemand auf dem Zettel hatte. Oder Leon Kondring, Felix Mensing, ja, da kann ich ad hoc einige nennen.

Das waren die Überraschungen in der abgebrochenen Saison. Wer sticht jetzt hervor?

Yavuzaslan: Da drängen sich ganz viele auf. Nämlich alle. Da könnte ich jetzt speziell niemanden hervorheben. Wenn ich heute meine erste Elf für die neue Saison benennen sollte, müsste ich mir 24 Stunden Gedanken machen. Alle wollen, alle zeigen sich. Da kann sich keiner zurücklehnen, niemand hat einen Platz sicher.

Felix Mensing hatte sich gleich zu Beginn der Vorbereitung verletzt, war aber zur Partie gegen Preußen Münster wieder voll belastbar. Wer fällt aus?

Yavuzaslan: Der Ausfall von Lars Ivanusic wegen eines Knorpelschadens im Knie trifft uns hart. Als Innenverteidiger war er eine Bank letzte Saison. Und Stefan Hartmann fällt mit einem Schlüsselbeinbruch aus. Ich hoffe, dass ich auf beide noch dieses Jahr zurückgreifen kann. Mit Bas Reekers kehrt aber einer zurück, den ich fast noch nicht kennengelernt habe, weil er mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Als Trainer hatte ich noch nichts von ihm, für mich ist er deshalb ein Neuzugang. Auch Joshua Pazek, ich sage mal die gute Seele des Vereins, kehrt nach seinem Kreuzbandriss langsam zurück. Ein wichtiger Faktor in der Mannschaft.

Auf der Torhüterposition ist die SpVgg mit Ricardo Ottink, Marvin Langer und Tom Breuers sehr gut aufgestellt. Wer wird die Nummer eins?

Yavuzaslan: Die Entscheidung trifft Steffen Warneke, dem ich voll und ganz vertraue. Wir arbeiten schon seit vier Jahren zusammen, sehr erfolgreich, würde ich sagen. Er ist wie ich ein genauso positiv Bekloppter wie übrigens auch Yuzuru Okuyama, der eine Legende im Verein ist. Wenn wir die Qualität unserer Torhüter auf jeder Position hätten, würden wir unter den ersten Drei mitspielen.

Und wo hapert es?

Yavuzaslan: Noch nirgendwo. Aber wo könnte es hapern, die Frage wäre interessant. Dann würde ich sagen, wir haben nicht die Erfahrung und Cleverness, die Mannschaften wie Gütersloh, vielleicht Wattenscheid oder Kaan-Marienborn einbringen. Die können Spiele mit 70 Prozent ihres Leistungsvermögens für sich entscheiden. Wir müssen für einen Sieg immer 120, 130 Prozent geben. Heißt, wir werden immer ans Maximum gehen müssen.

Nun gibt es einen anderen Spielplan als in der abgebrochenen Saison.

Yavuzaslan: Ich hätte nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken wollen, die darüber entscheiden mussten. Eine mega interessante Konstellation in dieser Liga mit 21 Mannschaften. Es gab mehrere Varianten. Mit der beschlossenen Lösung kann ich sehr gut leben. Das wird ein Hauen und Stechen geben, niemand hat etwas zu verschenken. Aber wir sind gewappnet und freuen uns darauf.

Das Ziel ist die Meisterrunde?

Yavuzaslan: Was denn sonst? Da bin ich offensiv: Ich möchte in die Aufstiegsrunde rein, also Platz eins bis zehn. Da setze ich mir selber die Pistole auf die Brust und stehe zu diesem Ziel. Das ist ziel- und erfolgsorientiertes Denken.

Die Liga wird Ihre Mannschaft auch nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Yavuzaslan: Jeder kennt uns und auch unsere Ergebnisse vom letzten Jahr. Da haben wir schon ein paar Ausrufezeichen gesetzt. Wir haben attraktiven Fußball gespielt, leider nur nicht immer so effektiv, wie ich mir das gewünscht hätte.

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