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Handball: Bundesliga

„Krasse Hallen“ – Münsteraner von Boenigk ist heiß aufs Oberhaus

Münster

Der ASV Hamm-Westfalen hat im Sommer den Sprung in die Handball-Bundesliga geschafft – mittendrin der Münsteraner Jan von Boenigk. Über einen bekannten Vorgänger in der Familie und die Party nach dem Aufstieg.

Von André Fischer

Kraftvoll beim Abwurf: Jan von Boenigk gehörte zu den Stammkräften beim Bundesliga-Aufsteiger aus Hamm. Foto: Imago/Eibner

Linkshänder sind eine Minderheit. Die sta­tistischen Angaben sind schwankend, sprechen von zehn bis 15 Prozent der Weltbevölkerung. Das täg­liche Leben hält manche ­Herausforderung bereit für sie – der Auslöser an den meisten Kameras befindet sich an der rechten Seite, genau wie die Halterung der Klopapierrolle in öffentlichen Toiletten. Zu verschmerzen für Jan von Boenigk. Der 26-jährige Münsteraner ist gerade mit dem ASV Hamm-Westfalen in die Bundesliga aufgestiegen und besetzt zusammen mit Jó Gerrit Genz den rechten Rückraum, als Linkshänder. Diese Jungs sind begehrt im Handball.

Kiel, Berlin, das sind die Arenen, auf die erst sich riesig freut. „Es gibt eine hohe Dichte an krassen Hallen“, sagt er. Flensburg, Hamburg, Magdeburg – das Oberhaus reizt ihn. Ohne zu verhehlen: „Wir werden vom ersten Spieltag an gegen den Abstieg kämpfen.“

Das weiß auch sein Vater Diethard, den Horst Bredemeier höchst persönlich Anfang der 80er Jahre zum TBV Lemgo holte, in die erste ­große Bundesliga-Epoche der Ostwestfalen. „Ein von Boenigk kommt selten allein“, lacht „Didel“. Jan tritt jetzt in die großen Fußstapfen des Papas, wohl wissend: „Die haben doch damals nur zweimal trainiert in der ­Woche, das waren ganz andere Zeiten. Abgucken kann ich mir da nichts.“

Weg führt über Sparta Münster und Senden

Jans Karriere ist bei dem Erbgut vorgezeichnet. Genau wie die von Bruder Fynn (22), der zuletzt in der 3. Liga beim TuS Spenge am Ball war. Als Linkshänder wohlgemerkt. „Das war für uns beide nie ein Hindernis, viel mehr ein Gewinn“, weiß der Ältere der beiden.

In Münster wurden sie groß, bei Sparta machten sie die ersten Schritte. Beim ASV Senden wurden sie zu „reifen“ Jugendspielern, die ihre Wege gehen. Jan landete 2018 in Hamm – und blieb. Auch wohnungstechnisch, weil es mit der Mieter günstiger ist. Ich bin gerne in Münster und oft im Elternhaus, liebe aber auch diese Unabhängigkeit“, gesteht er.

Nun 1. Liga. Das gab es schon mal in der kreisfreien Stadt. 2010/2011 mit der HSG Ahlen-Hamm. Der Zusammenschluss zweier rivalisierender Teams war ein kühnes Projekt – und letztlich zum Schultern verurteilt. „Damals hatte ich noch keine Affinität zum ASV“, gibt Jan von Boenigk zu. Inzwischen ist er ein wertvolles Puzzleteil im Team von Trainer Michael Lerscht.

Eines, das im Angriff und in der Abwehr effektiv ist. Und eines, das feiern kann. Nach dem 34:27 im letzten Heimspiel gegen den TV Großwallstadt brachen alle Dämme. Spieler, Trainer, Verantwortliche und Fans ­lagen sich in der Westpress-Arena in den Armen. Vater Diethard verdrückte auf der Tribüne mit Partnerin Ute Ludwigs ein paar Tränen. Bewegende Momente. Viele Freunde waren da und Teil einer großen Party. „Ich habe die Videos alle auf meinem Handy und bin stolz, das so miterlebt zu haben.“

Folgt Fynn von Boenigk seinem Bruder?

Jetzt geht es raus in die Welt der Bundesliga. Jan von Boenigk ist dabei. „An den Rollentausch werden wir uns gewöhnen müssen“, sagt er. Hamm wird sein Mandat als treibende Kraft verlieren. „Wir dürfen nur eines nicht vergessen: Wir sind alles gute Handballer.“

Am 18. Juli geht es zurück auf die Trainingsplatte. Nach viel Erholung und ganz viel Mallorca mit der Mannschaft und der Familie. Zwischendrin können die von Boenigks darüber diskutieren, wo Fynn künftig neben seiner Ausbildung ein paar Euro verdient. Der junge Mann strebt in die 2. Liga. Ein von Boenigk kommt selten allein.

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