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Fußball: Kreisliga A

Luis Bracamonte hat bei SW Havixbeck das Zeug zum Publikumsliebling

Havixbeck

Er ist schnell, torgefährlich und dazu bescheiden. Das gefällt nicht nur seinem Trainer. Luis Bracamonte heißt der neue Stürmer des A-Ligisten SW Havixbeck, der den Habichten praktisch direkt aus Venezuela kommend zulief.

Von Johannes Oetz

Hat richtig Lust auf Deutschland und Fußball bei SW Havixbeck: Luis Bracamonte. Der Neuzugang flog den Habichten direkt aus Venezuela zu. Foto: Johannes Oetz

Neuzugänge von außerhalb hat die erste Fußballmannschaft von SW Havixbeck nicht so oft, denn in der Regel setzt der heimische A-Ligist auf eigene Talente. Wenn in der Vergangenheit aber mal ein neues Gesicht im Flothfeld-Sportzentrum auftauchte, dann kam es aus Münster – oder auch mal aus Nottuln. Jetzt aber haben die Habichte bei der Verpflichtung eines neuen Kickers nicht gekleckert, sondern einfach mal richtig geklotzt. Luis Bracamonte heißt der Neuzugang, der bis vor wenigen Wochen noch im 8000 Kilometer entfernten Caracas in Venezuela lebte.

„Ich bin nach Deutschland gekommen, um die Sprache besser zu lernen und die Kultur kennenzulernen“, erzählt Luis Bracamonte, der mit vollständigem Namen Luis Alejando Bracamonte Weir heißt. „In Venezuela trägt man den Namen der Mutter und des Vaters. Mein Papa heißt Daniel Bracamonte, meine Mama Evelyn Weir. Aber hier in Deutschland dürfen mich alle Luis Bracamonte nennen. Das ist wohl einfacher“, sagt der 22-Jährige und muss lachen.

Und wie kommt es, dass ein junger Mann aus Südamerika ausgerechnet in Havixbeck landet? „Ich verbringe hier ein Au-pair-Jahr in einer deutschen Familie mit zwei Kindern, die ich über eine Internetplattform gefunden habe. Ich unterstütze die Familie im Haushalt. Einkaufen, kochen, aufräumen – alles, was halt so anfällt in einer Familie mit zwei kleinen Jungs.“ Besonders liebt es Luis Bracamonte, mit dem Fünfjährigen zu spielen. „Wir verbringen viel Zeit in der Hüpfburg und im Sandkasten. Wir hören uns auch zusammen Hörbuchgeschichten an. Das hilft mir nebenbei, mein Deutsch zu verbessern.“

Dabei spricht der sympathische Venezuelaner schon sehr gut Deutsch. „Ich hatte ein zweijähriges Deutsch-Stipendium am Goethe Institut in Caracas. Jetzt freue ich mich, dass ich die Sprache im Alltag anwenden kann.“

Doch warum wollte er unbedingt nach Deutschland? „Eine Tante von mir hat eine Zeit lang in Deutschland gelebt. Sie hat mir immer vorgeschwärmt, dass Deutschland das beste Land der Welt sei. Ich möchte Land und Leute jetzt kennenlernen. Bis vor ein paar Wochen wusste ich über Deutschland nicht viel – nur, dass es hier Fußball und Bier gibt.“

Womit der Kicker beim runden Leder gelandet wäre. Wie also kam er zu SW Havixbeck? „Ein Freund meiner Gastfamilie hat gehört, dass ich in Venezuela Fußball gespielt habe, und direkt Mario Zohlen, den Trainer der ersten Havixbecker Mannschaft, angerufen. Kurz darauf war ich zum Probetraining dort.“

Dabei hinterließ er einen prima Eindruck, wie Mario Zohlen berichtet: „Luis ist zunächst einmal ein sehr netter, bescheidener und zuverlässiger Junge. Und dann kann er natürlich auch richtig gut kicken.“ Der 22-Jährige sei ein sehr schneller und technisch versierter Stürmer, der auch aggressiv gegen den Ball arbeite. „Er lernt außerdem sehr schnell und ist immer demütig. Das gefällt mir.“ Und nicht nur ihm: Auch das Havixbecker Publikum hat den 1,74 Meter großen und 66 Kilogramm leichten Neuzugang schon ins Herz geschlossen. Wenn Luis Bracamonte in den ersten Partien angespielt wurde, feuerte ihn der schwarz-weiße Anhang leidenschaftlich an. „Luiiiiiiis“ schallte es dann von den Rängen. Der Stürmer, dem in den ersten drei Spielen für die Habichte schon zwei Tore gelangen, kann sein Glück gar nicht fassen: „Ich bin super vom Verein aufgenommen worden. Meine Mannschaftskollegen behandeln mich wie einen Freund. Ich fühle mich jetzt schon als Teil der Mannschaft. Ich bin super glücklich.“

Und ja, natürlich vermisst er auch manchmal seine Familie in Venezuela – aber nicht das Leben dort. „In Venezuela ist es sehr gefährlich. Viele Menschen sind bewaffnet, die Kriminalitätsrate ist hoch. Ich konnte mich dort eigentlich nie frei bewegen, da ich kein Auto habe. Wer abends mit dem Fahrrad fährt oder mit dem Zug unterwegs sein muss, der riskiert, überfallen zu werden.“

Zug ist übrigens ein schönes Thema. Am vergangenen Wochenende besuchte Luis Bracamonte Düsseldorf, um sich die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens anzuschauen. Am Sonntag machte sich der Fußballer morgens auf die Rückreise nach Havixbeck, denn am Nachmittag stand ja das Heimspiel gegen den 1. FC Gievenbeck 2 auf dem Programm. „Und dann fährt mir der Zug vor der Nase weg und der nächste Zug hatte 25 Minuten Verspätung“, erzählt der Neu-Habicht. Nach Spielbeginn erreichte er erst das Flothfeld-Sportzentrum und entschuldigte sich vielmals bei seinem Coach. Zohlen machte kein Drama daraus und wechselte ihn lieber in der 65. Spielminute für Paul Temme ein. Der Neuzugang war dafür sehr dankbar und zahlte das Vertrauen mit dem Tor zum zwischenzeitlichen 5:3 in der 87. Minute zurück.

Und wieder schallte ein Ruf durchs Stadion: „Luiiiiis!“ Es fühlt sich so an, als hätten sich da zwei gefunden . . .

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