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Handball: Bezirksliga Münster

Trio sorgt für Luxus im Tor von SW Havixbeck

Havixbeck

Torwartprobleme? Das ist ein Fremdwort beim Spitzenreiter SW Havixbeck. Gleich drei Keeper hat Trainer Drewer zur Auswahl. Das Trio sorgt für gesunden Konkurrenzkampf, harmoniert aber ansonsten prächtig.

Marco Steinbrenner

Pure Routine bringt Altmeister Thomas Jürgens (l.) zwischen die Pfosten. Foto: Marco Steinbrenner

Lauter Beifall ist aus der Baumberge-Sporthalle zu hören. Die Bezirksliga-Handballer von SW Havixbeck beenden den ersten Teil des Aufwärmprogramms und klatschen sich gegenseitig ab. Noch 20 Minuten und das Heimspiel gegen den TSV Ladbergen II kann beginnen.

Nun richtet sich das Augenmerk von Trainer Martin Drewer auf die Torhüter. Thomas Jürgens, Arndt Cassens und Jesse Wittenberg wehren reaktionsschnell Bälle ab. Der Havixbecker Übungsleiter steht am Rand und schaut ganz genau zu, in welcher Form sich die Drei befinden. Viel Zeit bleibt dem erfahrenen Coach nicht mehr, um sich auf den Schlussmann festzulegen, der beim Anpfiff zwischen den Pfosten stehen wird. „Meist entscheidet das Bauchgefühl“, verrät Drewer.

Cassens, der aus Billerbeck stammt und als einziger SWH-Akteur im aktuellen Kader das Handball-ABC nicht bei den Schwarz-Weißen erlernte, fängt an und rechtfertigt seinen Einsatz mit überragenden Paraden. Mitte der zweiten Halbzeit darf Wittenberg sein Können unter Beweis stellen und weiß ebenfalls zu gefallen. An diesem Sonntagabend verfolgt der leicht angeschlagene Jürgens das Treiben auf der Platte von der Bank aus. Am Ende gewinnt SW Havixbeck mit 33:21 und stellt einmal mehr unter Beweis, die beste Defensive der Liga zu haben.

Torwart-Routinier Thomas Jürgens

„Die Torhüter sind 50 Prozent der Abwehr und machen dementsprechend auch die Hälfte der Deckungsleistung aus“, sagt Drewer. Dass der SWH-Coach gleich drei Keeper permanent zur Verfügung hat, bezeichnet er als „Wohltat“. Jürgens spricht gar von einer „absoluten Luxus-Situation“.

Doch wie ist die Hackordnung zwischen den Pfosten? Jürgens mit seinen 46 Jahren sollte eigentlich in dieser Saison als Torwarttrainer von Cassens (22) und Wittenberg (19) arbeiten. Doch aufgrund seiner Zeit bei der Bundeswehr konnte Eigengewächs Jesse Wittenberg, der lediglich in der A-Jugend für zwei Jahre beim Landesligisten ASV Senden spielte, bis Mitte Februar nur maximal einmal pro Woche in Havixbeck trainieren. Schnell hatte Jürgens seinen Status als „Stand-by-Torhüter“ verloren. Das hat sich auch fünf Spieltage vor dem Saisonende nicht geändert.

„Wir ergänzen uns sehr gut“, erzählt Cassens, der die dritte Saison in Havixbeck bestreitet und Drewer zufolge in der vergangenen Spielzeit einen „großen Schritt nach vorne“ gemacht hat. „Arndt ist ruhiger geworden und fliegt nicht mehr so durch das Tor“, sagt Drewer und freut sich, „dass er sich vom erfahrenen Thomas Jürgens sehr viel abgeschaut hat“.

Gleiches gelte auch für Wittenberg, der sich mit dem Titel „Jüngster Torhüter der Bezirksliga“ schmücken darf und seine erste Männer-Saison bestreitet. „Ich brauche noch Zeit, um mich zurecht zu finden“, sagt er selbstkritisch und erkennt neidlos an, „dass Thomas und Arndt bislang sehr viele Bälle abwehrt haben“. Das Eigengewächs macht gar kein Geheimnis daraus, „natürlich häufiger spielen zu wollen. Das ist ganz normal.“ Für Drewer befindet sich Wittenberg noch in einer Lernphase. „Er muss jedes Spiel und jedes Training dazu nutzen, Erfahrungen zu sammeln.“

In den Spitzenpartien der Rückrunde gegen die Warendorfer SU und beim BSV Roxel fing Jürgens an. „Diese Topspiele liebt Thomas“, weiß sein Coach. „Außerdem ist er stärker, wenn er zu Beginn einer Halbzeit im Tor steht.“

Wenn der Routinier, der bereits auf Verbandsliga-Erfahrung in Havixbeck zurückblicken kann, im Einsatz ist, feuern Cassens und Wittenberg ihren Teamkollegen lautstark von der Bank aus an. „Es lässt sich viel von Thomas lernen“, sagen beide unisono. „Aber auch wir machen unseren Job ganz gut“, fügt Cassens hinzu und verrät, „noch nie hinter einer so guten Abwehr gestanden zu haben“.

Im Kampf um die Meisterschaft und den Aufstieg in die Landesliga blickt das Torhüter-Trio den noch verbleibenden Partien zuversichtlich entgegen. „Wir haben gute Karten. Aber es ist noch nichts entschieden“, stellt Jesse Wittenberg klar. Vier der noch verbleibenden fünf Spiele muss SW Havixbeck unabhängig von den Resultaten der Konkurrenz gewinnen – dann wäre der Sprung eine Klasse höher geschafft.

„Wir dürfen uns einen Patzer erlauben“, weiß Arndt Cassens. „Es gilt noch ein schweres Restprogramm zu absolvieren.“ Altmeister Thomas Jürgens: „Wir sind die beste Mannschaft der Liga, weil wir die ausgeglichenste Bank und beste Deckung haben.“ Im vorletzten Saisonspiel, daheim am 6. Mai (Samstag) gegen den TV Kattenvenne, würde der zweifache Familienvater gerne alles in trockenen Tüchern wissen. Und dann? „Die Motivation für die Landesliga wäre da. Das würde ich gerne noch mitnehmen.“

Martin Drewer müsste sich im Falle eines Aufstiegs wegen der Torhüter-Position keine Sorgen machen. „Den Dreien traue ich die Landesliga zu.“ Doch bevor es soweit ist, hat sich der SWH-Coach erst einmal damit zu beschäftigen, wer am morgigen Samstag bei Sparta Münster zwischen den Pfosten beginnen wird. Wieder wird das Bauchgefühl entscheiden. Wie auch schon in den 21 Begegnungen vorher.

Egal wie oft der Tabellenzweite BSV Roxel in dieser Saison noch gewinnt: Wenn die Schwarz-Weißen vier ihrer noch verbleibenden fünf Spiele für sich entscheiden, ist dem Team von Trainer Martin Drewer der Aufstieg in die Landesliga nicht mehr zu nehmen. Der Liga-Primus (37:5 Punkte) strebt die nächsten zwei Zähler beim schon jetzt als Absteiger feststehenden Tabellenzwölften aus Münster an. Die Gastgeber holten sieben ihrer zehn Punkte zu Hause. Zuletzt gab es ein 33:33-Unentschieden bei den HF Reckenfeld/Greven 05. Davor kassierte das Sparta-Team sechs Niederlagen. Die Drewer-Sieben gab in den vergangenen sechs Begegnungen nur einen Zähler ab. Das Hinspiel gewann Havixbeck mit 29:24.Hinter den Einsätzen der angeschlagenen Max Beumer (Knieprobleme) und Thilo Saalfeld (Platzwunde am Finger) stehen Fragezeichen.

„In Münster haben sich in dieser Spielzeit schon viele Mannschaften schwer getan“, sagt Havixbecks Trainer Martin Drewer. „Wir wollen mit einer guten Abwehrleistung ins Spiel kommen und so Sparta möglichst schnell den Zahn ziehen. Das Hinspiel hat gezeigt, dass unser Gegner versucht, häufig über die beiden Außenpositionen zum Erfolg zu kommen. Daran haben wir in dieser Woche mit unseren Torhütern verstärkt gearbeitet. Eigentlich darf Sparta für uns kein Stolperstein sein.“

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