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Handball: Spielpläne in den Amateurligen

Wenn kein Rhythmus aufkommt

Baumberge

Die Spielpläne bringen die heimischen Amateurhandballer an ihre Grenzen. Nicht, weil sie so voll sind, sondern weil sie die Akteure immer wieder zu Pausen zwingen. Das stellt die Trainer vor ungeahnte Herausforderungen.

Von Niklas Groß

Seltener Anblick: Der Spielplan zwingt die Handballer aus der Region, hier eine Szene aus dem Duell zwischen GW Nottuln und SW Havixbeck II, immer wieder dazu, den Betrieb zu unterbrechen. Foto: Klaus Schulte

„Herbstferien, Totensonntag, Karneval, Ostern ...“ – es klingt, als könnte Jörg Schüller ewig so weitermachen. Er meint jene Termine, die die Spielpläne in den Handball-Amateurligen zerrupfen. Schüller hat in dieser Saison genau ein Spiel bestritten. Mit Borghorst, seinem Ex-Club, ehe sich die Mannschaft auflöste.

Seit knapp drei Wochen trainiert er nun die Landesliga-Frauen von Grün-Weiß Nottuln – weil Schüller in der bislang einzigen Begegnung im November verhindert war, ohne Einsatz an der Seitenlinie. „Die ständigen Pausen sind nicht gerade motivierend für die Spielerinnen“, sagt der Übungsleiter, die Trainingsbeteiligung liege, zugegebenermaßen auch erkältungsbedingt, aktuell 20 Prozent niedriger als sonst. „Vielleicht fällt es den Mädels leichter, mit einer Erkältung zu Hause zu bleiben, wenn sie wissen, dass am Wochenende kein Spiel ist“, tippt Schüller. Was der Trainer besser gefunden hätte: von September an bis Weihnachten durchziehen mit einer Pause in den Herbstferien und dann im Februar wieder voll angreifen – statt Anfang Januar wieder in den Spielbetrieb einzusteigen und rasch wieder ein weiteres Break zu haben.

Des einen Segen, des andern Fluch

Was Schüller als Segen empfände, ist seinem Trainerkollegen Stefan Göcke, seines Zeichens Coach der Kreisliga-Handballer von GWN, ein Dorn im Auge, und man sieht, wie schwer es ist, sämtliche Interessen in einem Spielplan unterzubringen. Göcke und Team haben den ganzen Januar lang frei, steigen erst am 5. Februar ins neue Jahr ein. „Für Nachholspieltage war jetzt genug Zeit. Es ist wirklich unverständlich, dass wir im Januar nicht spielen“, so Göcke. Schon der Oktober wäre komplett blank gewesen, hätte GWN nicht einige Spiele vom September in eben diese Zeit gelegt. „Wir hatten schon eine endlos lange Vorbereitung“, sagt Göcke, dessen Team erst am 3. Oktober in die Saison eingestiegen war. „Wenn die Jungs jetzt sehen, das entwickelt sich wieder in die falsche Richtung ...“ Ratloser wäre Göcke nur, wenn die Saison coronabedingt ganz abgebrochen würde. „Keine Ahnung, was man den Spielern dann noch sagen sollte“, so Göcke, der selbst von gerade einmal fünf Saisonspielen drei krankheitsbedingt verpasst hat.

Puffer für Neuansetzungen

Puffer zu haben für Spielverschiebungen aufgrund von Corona sei genau das Begehr gewesen bei der Erstellung des Spielplans, sagt Daniel Hooge, 1. Vorsitzender des Handballkreises Münsterland. „Man muss immer abwägen: Habe ich in Zeiten einer Pandemie einen proppevollen Spielplan? Oder gehe ich einen vorsichtigen und entspannten Weg?“ Man habe sich für die zweite Option entschieden, so Hooge, und die Staffeln auch bewusst kleingehalten. „Klar, dass da die eine oder andere Lücke im Spielplan klafft.“

Hooge äußert großes Verständnis dafür, dass sich bei so manchem Vereinstrainer Frust breitmacht. Auf der anderen Seite sei das Vorgehen vor Saisonbeginn an die Vereine kommuniziert worden, ohne dass es Kritik daran gegeben habe. Und so bleibt den Teams und Trainern nur, sich an die neue Situation anzupassen. Stefan Göcke beispielsweise flechtet in den Übungsbetrieb möglichst viele interne Wettkämpfe ein, lässt ein Abschlussspiel bestreiten, sobald ihm zwei Torhüter zur Verfügung stehen. „Es ist schwierig, wenn im Sport der Wettkampfcharakter nicht gegeben ist“, bemerkt Göcke.

Auch Florian Schulte, Trainer von Schwarz-Weiß Havixbeck, nimmt es sportlich: „Wir werden nicht versuchen, Dinge zu ändern, die man nicht ändern kann. Außerdem stehen ja alle Vereine vor demselben Problem. Das ist doch auch mal eine Herausforderung.“

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