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Interview

Leichtathletik-Trainerin Gude: „Die Fußballer müssen leiden“

Horstmar

Fenja Gude ist seit acht Jahren Leichtathletik-Trainerin bei Germania Horstmar – und fast ebenso lange drillt sie die Fußballer der Region. Ein Interview über jammernde Kicker und unbeliebte Yoga-Elemente.

Von Jonas Austermann

Fenja Gude trainierte von 2015 an erst die Fußballer in Horstmar und zuletzt nun in Altenberge. Foto: privat/Gude

Fenja Gude weiß, wie man Fußballer so richtig quält. Die 29-Jährige ist nicht nur Leichtathletik-Trainerin im Jugend- und Erwachsenenbereich des TuS Germania Horstmar, sondern war bis Sommer auch regelmäßig Gast bei den Landesliga-Kickern des TuS Altenberge. Als Teil des Teams von Coach André Rodine war Gude erst vier Jahre für das Athletiktraining der Horstmarer Fußballer verantwortlich und anschließend für das in Altenberge. Im Gespräch mit Redaktionsmitglied Jonas Austermann spricht die Grundschullehrerin über jammernde Fußballer und den Effekt ihrer Arbeit.

Frau Gude, wie und wann sind Sie zur Leichtathletik gekommen?

Gude: Ich habe beim Kinderturnen immer geheult, deswegen hat meine Mutter mich zur Leichtathletik geschickt – und da wollte ich gar nicht mehr weggehen. Angefangen hat das so im Alter von fünf oder sechs Jahren. Und seitdem ich 14 bin, trainiere ich. Erst als Betreuerin der Kindergruppen, nach meinem 18. Geburtstag dann selbstständig.

Seit 2015 haben Sie als Athletiktrainerin regelmäßig mit Fußballern gearbeitet. Wie genau?

Gude: Vor dem Vorbereitungsstart hatte André Rodine seine Spieler schon ein paar Läufe machen lassen, damit sie eine Grundlagen-Ausdauer bekommen. Ich habe mit den Jungs zum Reinkommen viel an der Beweglichkeit gearbeitet, danach kam Schnelligkeits- und Kraft-Ausdauer. Gegen Ende der Vorbereitung ging es dann vermehrt um Schnellkraft.

Wie sah das genau aus?

Gude: Ich setze nicht auf statisches, sondern auf dynamisches Dehnen. Die Fußballer mussten Hürdengymnastik oder Yoga-Elemente machen – das finden sie immer besonders schrecklich. Es ging dabei natürlich nicht darum, in sich zu kehren, sondern um eine Mischung von Stabilisations- und Beweglichkeitsübungen.

Wie groß waren die Unterschiede zwischen Ihren Leichtathleten und den Fußballern?

Gude: Für die Fußballer war es anfangs eine große Umstellung, weil viele ewig langes Einlaufen gewohnt waren. Ich habe zu Beginn aber Stabi- oder Koordinationsübungen eingebaut. Das war für die meisten komisch, einige hatten sogar Angst, sich dabei zu verletzen. Für die meisten Fußballer sind die Übungen deutlich anstrengender als für meine Leichtathleten, die die Übungen schon lange kennen. Man muss bei Fußballern definitiv tiefer stapeln.

Wie kam Ihre Arbeit bei den Kickern an?

Gude: Die Jungs wussten, dass die Übungen gut für sie sind. Weil sie vieles aber nicht so gut konnten, haben sie oft gestöhnt. Im Nachhinein kam aber die Rückmeldung: „Wir haben zwar viel gemeckert, aber wir fanden es immer cool, wenn du da warst.“ Ich finde es auch gut, wenn die Jungs sich zwischendurch meckern. Sie müssen ja schließlich leiden, wenn sie etwas erreichen wollen.

Als Teil des Teams von Fußball-Coach André Rodine wird Fenja Gude künftig wieder mit Fußballern arbeiten - noch ist aber offen wo. Foto: privat/Gude

Inwiefern war der Erfolg Ihres Trainings zu sehen?

Gude: Ich fand es krass zu beobachten, dass die Zahl der Verletzungen zurückgegangen ist. Gerade die kleineren Blessuren sind deutlich weniger vorgekommen. Man merkte auch schnell, dass die Jungs später schlapp geworden sind und die letzten Prozent rauskitzeln konnten.

Es gibt Leichtathletik-Trainer die sich auf die Arbeit mit Fußballern spezialisieren. Ist das auch eine Option für Sie?

Gude: Wenn ich mich darauf spezialisieren würde, könnte ich damit sicher gutes Geld verdienen, aber ich verstehe mich mit André so gut, dass ich ihn zu seinem nächsten Verein begleiten werde – vielleicht schon im Winter, mal sehen. Ich habe auch mal Angebote von den Emsdettener Handballern oder von den Jugendfußballern von Westfalia Kinderhaus bekommen, aber daraus ist nichts geworden. Mein sportlicher Fokus gilt weiter der Leichtathletik – und meinen festen Job als Grundschullehrerin in Ochtrup würde ich ohnehin nicht aufgeben.

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