Serie: „Unsere Fanclubs“

Ritterliche Anhängerschaft

Horstmar

Durch dick und dünn gehen die Mitglieder des Bayern-Fanclubs „Bavaria Horstmar“ mit ihrer Mannschaft: Ob an einem Dienstagabend in Sinsheim oder in fernen Tokio – sie stärken den Profis aus München den Rücken.

Von Marc Brenzelund

Ostern 2019 steuerte „Bavaria Horstmar“ München an. Eine größere Fahrt in die Allianz Arena mit Rahmenprogramm gehört eigentlich in jedem Jahr dazu. Foto: Bavaria Horstmar

Liebe kennt keine Grenzen. Und die Liebe zu seinem Fußballverein schon mal gar nicht. Anders ist es nicht zu erklären, dass Horstmarer Bayern-Fans ihrem Team einst sogar bis nach Tokio folgten.

„Bavaria Horstmar“ – so heißt der am 4. Mai 2012 gegründete Fanclub aus der Burgmannstadt. Entstanden ist er aus einem lockeren Kreis von sechs, sieben FCB-Anhängern, die sich regelmäßig zusammen die Spiele ansahen. „Aktuell sind wir 120 Mitglieder stark“, berichtet Benedikt Sunke, der den Bavaren seit ihrer Gründung als Vorsitzender vorsteht. „Die meisten kommen aus Horstmar, einige auch aus Münster und Greven. Aber nur zwei aus dem Stadtteil Leer. Keine Ahnung, woran das liegt“, rätselt der 42-Jährige.

Es liefe ganz gut, so Sunke. Und das obwohl die vergangenen 15 Monate aufgrund der Corona-Krise schon nervig gewesen seien. „Es wäre halt toll gewesen, hätten wir die sechs Titelgewinne zusammen feiern können“, vermisst er den Kontakt zu den anderen Mitgliedern.

Einen hohen Wiedererkennungswert besitzt das Vereinslogo der Horstmarer. Dabei handelt es sich um eine Karikatur von Heinrich Schwarze-Blanke, die einen Ritter mit Schwert und Schild zeigt. Darüber schwebt das Logo des FC Bayern. „Darauf werden wir oft angesprochen“, erklärt Sunke mit einer Portion Stolz in der Stimme.

Einmal im Jahr steuern die Horstmarer mit einem Tross von 45 bis 50 Mitgliedern die bayrische Landeshauptstadt an, um sich in der Allianz Arena ein Heimspiel ihrer Roten anzusehen. Zuletzt war das 2019 über Ostern möglich. Darüber hinaus wird der deutsche Rekordmeister in kleinerem Kreis bei weiteren Auftritten supportet. „Die Nachfrage nach Karten ist riesig, deshalb müssen wir immer erst gucken, was wir bekommen. Dann kann es auch schon mal ganz schnell losgehen“, sagt Benedikt Sunke. Spontan fällt ihm da ein Spiel in Sinsheim ein. „Dienstagabends. Wir haben verloren, und dann war auch überall die Gastronomie zu.“

Bis an das andere Ende der Welt reisten drei der Hartgesottensten: Karl Becks, Detlef Roters und Daniel Mensing flogen sogar nach Tokio, um ihren Idolen auch in Ostasien die Treue zu halten.

Als einen der emotionalsten Momente beschreibt Sunke das Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger im August 2018, als Bayern München vor 75 000 Zuschauern Chicago Fire mit 4:0 besiegte. „Das war schon etwas ganz Besonderes“, erinnert sich der Bavaria-Vorsitzende gerne zurück.

Die Altersstruktur im Horstmarer Fanclub ist sehr breit. „Von sechs Jahren bis oben hin offen“, weiß Sunke. „Schön ist, dass wir auch proportional viele Frauen im Club haben. Und die machen richtig mit.“

Im Gegensatz zu anderen Fanclubs greifen die Bavaren bei Turnieren nicht ins aktive Geschehen ein. Und das hat seinen Grund. „Die, die es können, spielen aktiv bei der Germania. Wäre doch blöd, wenn die sich bei so einem Spaßturnier was kaputt hauen lassen würden“, betont Sunke, der parallel zu seinem Posten beim Fanclub auch noch Geschäftsführer der Fußballabteilung des TuS Germania Horstmar ist.

Einen Plan hat der Vorsitzende auch schon, wenn die Schutzmaßnahmen wieder ein gemeinsames Feiern und Fußballgucken erlauben. „Ist Corona endlich vorbei, dann feiern wir vom Fanclub ein riesiges Fest. Mit Leberkäse-Semmeln und Hellem vom Fass – also mit allem, was so zu einem bayrischen Abend gehört“, kann es Sunke kaum abwarten.

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