VfL Osnabrück punktet bei Feldhoff-Premiere endlich wieder

1:1– Heider trifft erstmals in Liga 2

Osnabrück

Die Niederlagenserie des VfL Osnabrück ist beendet: Nach neun Pleiten in Serie holten die Lila-Weißen beim 1:1 im Abstiegsduell beim 1. FC Nürnberg zumindest einmal wieder einen Punkt. Der Zähler war verdient, weil Osnabrück in einer neuen Ordnung stabil stand – mehr ließ der VfL liegen, weil er nach vorn zu unpräzise agierte.

Benjamin Kraus

Marc Heider (rechts) Foto: Daniel Karmann/dpa

Der neue VfL-Trainer Markus Feldhoff überraschte mit Kevin Wolze und Ken Reichel zugleich in der Startaufstellung – und einem defensiv dicht gestaffelten 3-3-2-2-System, das Nürnberg zumindest in der ersten Halbzeit vor viele große Fragezeichen stellte. Reichel bildete neben Lukas Gugganig und Timo Beermann eine Dreierkette und nahm Nürnbergs gefürchtete Sturmspitze Manuel Schäffler komplett den Raum. Davor sicherte Ulrich Taffertshofer das Zentrum sowie Wolze und Bashkim Ajdini die Außen – nach vorn suchte Osnabrück den Weg über Ulrich Bapoh und Ludovit Reis im Zentrum sowie Sebastian Kerk und Christian Santos in der Spitze.

Letzterer hatte direkt zu Beginn überraschend und unverhofft die Chance zur VfL-Führung: Nach einer verunglückten Abwehraktion des Club-Innenverteidigers Lukas Mühl hoch in die Luft fiel der Ball sechs Meter zentral vor dem Tor wieder herunter. Santos, merkwürdigerweise nicht wirklich eng markiert von Mühl, versuchte aus der Drehung die Direktabnahme, traf aber den Ball nicht richtig. Die gute Startphase des VfL hätte auch gekröntwerden können, als sich Wolze und Reis auf links schön durchkombinierten, der Niederländer aber dann den eigentlich einfachen Steckpass auf den eingelaufenen Kerk nicht gut timte – sonst wäre dieser frei vor Club-Keeper Christian Mathenia durch gewesen.

Der Ex-Nürnberger Kerk war es auch, der kurz vor der Pause aus 26 Metern abzog und den Ball knapp rechts am Tor vorbei setzte. Der agile Reis hatte zuvor gut den Ball an der Seiteerobert. Überhaupt präsentierte sich der VfL aufmerksam, präsent in den Zweikämpfen und durchaus mutig im vertikalen Spiel nach vorn. Das alte Problem: Einer guten Aktion folgte direkt eine schlechte, wie unmittelbar vor dem Pausenpfiff, als sich Reis auf links gut aus der Bedrängnis gelöst hatte, Kerk aber dann auf links die Flanke hinter das Tor schlug.

Und der Club? Schob sich in der eigenen Viererkette den Ball hin und her, entwickelte aber kaum Druck nach vorn. Der Verlegenheitsschuss von Mats Möller Daehli aus 20 Metern (knapp links vorbei) nach einem Abspielfehler von Gugganig war der einzige nennenswerte Abschluss vor der Pause. Osnabrück präsentierte sich gut gestaffelt, lauf- und zweikampfstark und lauerte auf Fehler. Nürnberg spürte das, agierte deshalb lange übervorsichtig und uninspiriert.

Osnabrück hingegen agierte im Spiel nach vorn weiter zu ungenau. Am besten zu sehen in Minute 58, als sich der VfL über rechts gut am Strafraum festgesetzt hatte, Reis nach guter Ballbehauptung eigentlich den Ball im Doppelpass wieder hätte bekommen müssen. Der VfL aber entschloss sich über Ajdini und Kerk die Seite zu wechseln, wo Wolze mit einem unpräzisen Pass in die Mitte die Chance verschenkte.

Im Gegenzug fiel das 1:0 für Nürnberg: Ganz einfach über Ecke, Kopfball, Tor. Schäffler hatte sich mit einem Schubser gegen Reichel und ein, zwei Schritten in Richtung Ball Platzverschafft und nickte den Ball vor dem ersten Pfosten ins kurze Eck ein. Kühn konnte das Torwarteck nicht sichern, zeigte danach noch eine Unsicherheit, als er bei einem Konter erst nicht und dann doch herauskam, sodass Dennis Borkowski den Ball eroberte und aus 33 Metern auf das Tordach setzte.

Es war aber beileibe nicht so, dass sich die ganze VfL-Mannschaft verunsichert zeigte – das hatte VfL-Trainer Markus Feldhoff auch eingefordert, als er direkt nach dem Gegentor die Geste „Brust raus“ andeutete und seinen Spielern entsprechende Worte zurief. Und der VfL kam: Zuerst traf Santos bei einer Riesenchance erneut den Ball nicht, als er, von Kerk eingesetzt, zum Seitfallzieher-Versuch ansetzte. Dann aber schaffte Osnabrück den Ausgleich – und der eingewechselte Marc Heider endlich sein erstes Zweitligator.

Der für Wolze gekommene Stürmer musste zentral vor dem Tor nur noch vollenden, nachdem sich der VfL über die rechte Seite mit Reis und Vorlagengeber Kerk durchgespielt hatte. DieS ituation war aus einem Ajdini-Einwurf entstanden, Nürnbergs Handwerker hatte ihn recht unbedrängt am eigenen Strafraum verursacht.

Ein Zeichen dafür, wie nervös vor allem die Gastgeber nach wie vor agierten – und Indikator für die fahrige folgende Schlussphase, in der beide Teams die Chance auf den Sieg bekommen sollten. Für den VfL vergab Santos infolge einer Ecke per Schlenzer vom linken Strafraumeck, der dann aber doch weit am langen Eck vorbei segelte. Für Nürnberg schoss zuerst der eingewechselte Fabian Schleusener links vorbei, nachdem die VfL-Innenverteidigung erstmals überhaupt in dieser Partie per Doppelpass überspielt werden konnte. Osnabrück geriet in den letzten fünf Minuten wieder vermehrt unter Druck, weil sich unsaubere Ballkontakte und unpräzise Abspiele häuften. Am Ende aber stand der erste – verdiente – Punktgewinn nach neun Niederlagen.

An der Tabellensituation veränderte sich nichts, weil Braunschweig in Karlsruhe ebenfalls Remis spielte. Osnabrück ist Sechzehnter, einen Zähler vor Sandhausen und zwei hinter der Eintracht.

1. FC Nürnberg:Mathenia – Valentini, Mühl, Sörenen, Handwerker – Geis, Nürnberger (62. Behrens) – Latteier (74. Dovedan), Möller Daehlie – Schäffler (74. Schleusener), Borkowski (87. Shuranov).

VfL Osnabrück: Kühn – Gugganig, Beermann, Reichel (90.+3 Möller) – Ajdini, Taffertshofer, Wolze (69. Heider) – Bapoh (62. Henning), Reis – Santos, Kerk.

Tore: 1:0 Schäffler (61.), 1:1 Heider (73.) – Gelbe Karten: Borkowski / Gugganig, Wolze,, 63. Taffertshofer – Schiedsrichter: Waschitzki (Essen).

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