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Fußball: Frauen-Bezirksliga

„Das Tore-Schießen vergessen“ – der BSV Brochterbeck bangt

Tecklenburger Land

Die Fußball-Frauen des BSV Brochterbeck haben viele Jahre höherklassig gespielt und gehörten zu den stärksten Mannschaften im Kreis und in der Region. Inzwischen spielt das Team in der Bezirksliga – und muss abermals um die Ligazugehörigkeit bangen.

Von Niklas Groß

In der Tabelle hinten, der Blick nach vorn: Olaf Berger, Trainer des BSV Brochterbeck, ist vor den nächsten Monaten alles andere als bange. Foto: Heiner Gerull

Lange Zeit war der BSV Brochterbeck ein Aushängeschild des hiesigen Frauen-Fußballs. Doch ein Jahr nach dem Abstieg aus der Landesliga schwebt der Club schon wieder in Gefahr. Im Interview bezieht Trainer Olaf Berger Position.

Herr Berger, Ihr Team startet am 20. Februar gegen die fünftplatzierte SG Horstmar/Leer in die Rückserie, dann geht es gegen Matellia Metelen, Platz sechs, dann ist spielfrei. Wie wollen Sie verhindern, dass die Mannschaft Mitte März immer noch da steht, wo sie jetzt steht?

Berger: Indem wir uns anders aufstellen und darauf hintrainieren. Schon beim letzten Hinrunden-Spiel in Esch (1:5; d. Red.) haben wir unser Spielsystem geändert: Sehr hoch pressen, schnell nach vorne spielen. Wir haben 1:0 geführt und wir hätten 4:1 führen müssen. Aber wie so oft haben wir das Tore-Schießen vergessen.

Der Eindruck aus dem Esch-Spiel war also ein durchaus positiver. Ist vielleicht sogar ein Fünkchen Euphorie da, weil man als Mannschaft jetzt ein neues Mittel an der Hand hat?

Berger: Euphorie weiß ich nicht. Ich will mal so sagen: Ich als Trainer habe mich umgestellt. Ich habe die Mannschaft vorher spielen lassen, was sie kannte und womit sie auch lange erfolgreich war. Jetzt lasse ich spielen, was ich mir an modernem Fußball vorstelle. Trotzdem müssen wir in der Winterpause natürlich an der Torgefährlichkeit arbeiten. Wir haben pro Spiel zwischen vier und sechs Hundertprozentige. Gegen Gronau beispielsweise hätten wir 5:0 gewinnen müssen statt 0:0 zu spielen.

Ihr Team ist das einzige der Liga, das einstellig getroffen hat – gerade neun Tore stehen auf der Haben-Seite. Wie geht das: die Torgefährlichkeit verbessern?

Berger: Einmal ist es natürlich eine Frage der Technik – wir hatten ja nicht immer Pech. Und dann müssen wir uns im Training Automatismen erarbeiten. Wann beispielsweise lege ich den Ball an der Torhüterin vorbei? Stephanie Ahlers steht bei 27 Toren für Esch – bei uns hätte sie 50. Wir haben nicht diese eiskalte Torjägerin, aber wir werden das in der Gemeinschaft auffangen.

Ihre Mannschaft hat in 14 Spielen gerade zwei Siege errungen. Wie sehr schlagen die fehlenden Erfolgserlebnisse aufs Gemüt?

Berger: 80 Prozent unserer Niederlagen sind durch individuelle Fehler zustande gekommen, wir waren nur in einem Spiel wirklich unterlegen, gegen Wellbergen. Aber klar, wenn du unten drinstehst, löst du dich irgendwann auf, dann kommt häufig eins zum andern. Wir müssen jetzt die Köpfe freikriegen, die individuellen Fehler abstellen und unsere Chancenauswertung verbessern, und dann müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir da unten nicht rauskommen.

Verspricht die Vorbereitung Erfolgserlebnisse?

Berger: Mal sehen. Wir spielen gegen Spelle, die Ibbenbürener Spielvereinigung, Gremmendorfs Zweite und unsere zweite Herren, auch, um eine entsprechende Härte in unser Spiel zu bringen. Ein weiteres Ziel ist, das Läuferische über 90 Minuten auf den Platz zu kriegen – einen schnelleren Fußball, als in der Bezirksliga üblich, spielen wir schon.

Dennoch: Es droht der zweite Abstieg binnen zwei Jahren. Wo hakt es derzeit bei den Damen des BSV Brochterbeck?

Berger: Hier haben vorher Trainer gearbeitet, die einen sehr guten Job gemacht haben, die aber eine andere Vorstellung von Fußball hatten. Man hat sich so ein wenig auf dem ausgeruht, mit was man lange sehr erfolgreich war. In Brochterbeck wird beispielsweise seit 2014 im 4-4-2 gespielt. Aber die Spielerinnen dafür sind nicht mehr da. Hinzu kommt, dass wir zu Saisonbeginn viel Qualität verloren haben, Spielerinnen, die Landes- oder gar Westfalenliga-Niveau hatten.

Ihr Team muss für den Klassenerhalt sechs Punkte aufholen. Ist es vielleicht von Vorteil, dass der Abstiegskampf aus den Vorjahren bekannt ist?

Berger: Schon 2019/20 war der Klassenerhalt recht knapp, das stimmt. Ein Vorteil ist das nicht unbedingt: Irgendwann setzt sich das mit dem Abstiegskampf in den Köpfen fest. Aber solange wir kein Gegentor kriegen, spielen wir einen super Fußball. Passiert das doch, gehen sofort die Köpfe runter.

Wird sich Ihr Kader in der Winterpause verändern?

Berger: Annika Halstenberg wechselt nach Esch. Aber wir werden mit unserem Kader auskommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass der absolut Bezirksliga-Niveau hat. Wäre ich nicht überzeugt, würde ich es nicht tun.

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