Fußballsaison 2020/21 im Amateurbereich annulliert / Lotte profitiert: Nur ein Club steigt aus der Regionalliga ab

„Es ist vorbei“

Tecklenburger Land

Am Montag gab der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen offiziell bekannt, dass die Saison 2020/21 annulliert sei. Die Sportfreunde Lotte unterstehen als Regionalligist zwar nicht diesem Dachverband. Gleichwohl hat die Entscheidung Tragweite für den Club. Es gibt weniger Absteiger in der Regionalliga West.

Von Heiner Gerull

Präsident Gundolf Walaschewski (oben li.) und Manfred Schnieders (oben re.) verkündeten gestern, dass die Saison 2020/21 im Amateurfußball offiziell annulliert sei. Foto: mru/rg/hg-

Gundolf Walaschewski machte es kurz und bündig, und der Inhalt seines Statements überraschte nicht. „Um es gleich vorweg zu sagen – es ist vorbei. Die Saison wird jetzt zu Ende gehen ohne Auf- und Absteiger“, brachte der Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) die Entscheidung, die der Verbandsfußball-Ausschuss (VFA) einen Tag zuvor getroffen hatte, während einer Online-Pressekonferenz gestern Nachmittag auf den Punkt. Da dieser Beschluss auch von sämtlichen 29 Fußballkreisen des FLVW getragen wird, heißt das, dass es von der untersten Kreisliga bis hinauf zur Oberliga keinen Spielbetrieb in der Saison 2020/21 mehr geben wird.

Manfred Schnieders, Vizepräsident Amateurfußball im FLVW, räumte ein, dass die Dinge, die der Verband in den vergangenen Wochen oder Monaten zu verkünden hatte, „nicht immer vergnügungssteuerpflichtig waren“, wie er sagte. Einen Fingerzeig, in welche Richtung es gehen könnte, hatte der FLVW bereits auf einer Online-Pressekonferenz im März gegeben. Angesichts der neuen Corona-Schutzverordnung, die nun um eine Woche verlängert wurde, und den Änderungen des Infektionsschutzgesetzes mit etwaigen Ausgangssperren ab einer bestimmten Inzidenzzahl war die Annullierung die absehbare und einzig logische Konsequenz dieser Entwicklung.

Der Beschluss des VFA wirkt sich maßgeblich auf den Spielbetrieb in der Regionalliga West aus, die dem Westdeutschen Fußball-Verband untersteht. Da die Entscheidung „im Gleichschritt mit dem Mittelrhein und dem Niederrhein getroffen wurde“, wie Manfred Schnieders erläuterte, wird es aus den drei Oberligen der Regionalverbände Westfalen, Nieder- und Mittelrhein keine Aufsteiger in die Regionalliga geben.

Die Spielordnung sieht vor, dass die Oberliga Westfalen zwei und der Nieder- und Mittelrhein jeweils einen Aufsteiger in die Regionalliga West hätten entsenden können. Da die Saison seit gestern jedoch offiziell annulliert ist, wird es keine Aufsteiger aus den drei Oberligen geben, was für ambitionierte Clubs wie den FC Gütersloh (Oberliga Westfalen), den 1. FC Bocholt (Niederrhein) oder den 1. FC Düren (Mittelrhein) besonders bitter ist.

Dagegen profitieren die Sportfreunde Lotte von der Aussetzung des Spielbetriebs in den Amateurligen, weil sich dadurch die Zahl der Absteiger in der Regionalliga West von fünf auf einen reduziert. Sechs Spieltage vor Saisonschluss haben die Sportfreunde acht Punkte Vorsprung vor Schlusslicht RW Ahlen. In puncto Klassenerhalt sollte eigentlich nichts mehr anbrennen, zumal sich die Zahl der Absteiger auch dann nicht erhöht, sollte aus der 3. Liga ein Verein aus dem Westen – gefährdet ist der KFC Uerdingen – in die Regionalliga West absteigen. Sollte dieses Szenario eintreten, würde die Regionalliga aufgestockt. „Das nimmt Druck vom Kessel“, sagt Lottes Trainer Andy Steinmann. „Aber wir werden uns für die verbleibenden sechs Saisonspiele neue Ziele stecken. Wir wollen uns hinterher nicht vorwerfen lassen, dass wir den Klassenerhalt nur pandemiebedingt geschafft haben.“

Manfred Schnieders machte deutlich, welche Faktoren zur Entscheidung, die Saison im Amateurfußball zu annullieren, geführt haben. Aufgrund der Änderung des Infektionsschutzgesetzes sei davon auszugehen, dass vor dem 9. Mai kein Trainingsbetrieb möglich wäre. „Da wir den Vereinen eine vierwöchige Vorbereitungszeit zugestehen müssen, könnten wir frühestens am 13. Juni mit dem Spielbetrieb beginnen – ohne zu wissen, ob Spiele dann möglich sind“, sagte Schnieders. Bis zum 30. Juni, dem Termin, an dem die Saison spätestens enden sollte, könnten somit nur drei Spieltage absolviert werden.

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