Seit über drei Jahrzehnten an der Platte

Gerrit Haar – ein Mann für alle Fälle

Ladbergen/Lengerich

Ein „Wandervogel“ war er nie, und wenn man über 30 Jahre dem Tischtennissport verbunden ist, dann sind drei Vereine, die in Gerrit Haars sportlicher Vita auftauchen, wahrlich nicht viel. Gleichwohl hat der 40-Jährige in seiner langen Laufbahn schon einiges erlebt.

Heiner Gerull

Gerrit Haars große Leidenschaft galt dem Tischtennis – das nun schon über drei Jahrzehnte. Foto: Ludger Keller

Er ist eine Institution in der lokalen Tischtennis-Szene: Gerrit Haar. Derzeit ist er zwar „nur“ als Spieler für den TTC Ladbergen unterwegs, doch darüber hinaus war er in seiner langen Laufbahn auch schon in verschiedenen anderen Funktionen tätig. „Ein Leben ohne Tischtennis“, sagt Haar, „kann ich mir nicht vorstellen.“

Beim TTC Ladbergen werden sie deshalb sicher noch viele Jahre auf ihn bauen können. Was damit zu tun hat, dass man Tischtennis auch in einem relativ gesetzten Alter leistungsorientiert spielen kann, was der schnellen Rückschlagsportart ein Alleinstellungsmerkmal verleiht. Deshalb denkt Haar einmal nicht im Ansatz daran, den Schläger aus der Hand zu legen. „Geht es um Tischtennis, dann schlägt mein Herz für den TTC Ladbergen.“ Deutlicher kann man einen Treueschwur eigentlich nicht formulieren.

Seine Verbundenheit mit dem TTC hängt maßgeblich mit seinem sportlichen Werdegang zusammen. Im Alter von neun Jahren hatte der gebürtige Ladberger in seinem Heimatort an der Tischtennis-Minimeisterschaft teilgenommen. Haar, der zuvor nur im Keller seines Elternhauses in Duellen mit seinem Vater an der Platte gestanden hatte, gewann das Turnier. Dadurch wurde der TTC Ladbergen auf das junge Juwel aufmerksam. Es war zugleich Haars Startschuss seiner Tischtennis-Laufbahn.

Weil er damals weiterkommen wollte, wechselte er im Alter von 15 Jahren zum TTC Lengerich. Seine sportlichen Grenzen hatte er damit aber noch nicht ausgereizt, weshalb er einige Jahre später zum TTV Mettingen ging. Sportlich war das für den mittlerweile 40-Jährigen die größte Herausforderung, denn die Mettinger spielten in der Verbandsliga. Und sie bescherte Haar eines seiner nachhaltigsten Erlebnisse. „Beim internationalen Sparkassenturnier wollte Dimitrij Ovtcharov unbedingt, dass ein Spieler vom gastgebenden TTV Mettingen an seiner Seite das Doppel bestreitet“, erinnert sich Haar. „Die Wahl fiel auf mich, ich durfte mit ihm spielen.“

Damals konnte Haar nur ahnen, wohin Ovtcharovs Reise einmal gehen wird. Heute weiß der Ladberger, dass er mit einem späteren Olympia-Bronzemedaillengewinner, Deutschen Meister und Europameister an der Platte gestanden hatte.

Tischtennis ist zweifelsohne Haars größte sportliche Leidenschaft. Aber sein Herz schlägt auch für den Fußball, speziell für Werder Bremen und Preußen Münster – was zugegebenermaßen eine durchaus spezielle Kombination ist. Als Werder in den „goldenen Jahren“ zwischen 2004 und 2010 in der Champions League und im Uefa-Pokalwettbewerb (Vorläufer der Europa League) spielte, konnte es passieren, dass der 40-Jährige einem in Mailand oder Udine über den Weg lief. Haar ist kein Weg zu weit, wenn es darum geht, die Vereine seines Herzens zu begleiten. Und weil er sich darüber hinaus für nichts zu schade ist, sondern vielmehr tatkräftig anpackt, wenn Not am Mann ist, steht er auch schon mal bei den Heimspielen des SC Preußen Lengerich hinter dem Tresen und brät Würstchen. Haar ist eben ein Mann für alle Fälle.

Auch während seiner Mettinger Zeit riss der Kontakt zum TTC Ladbergen nie ab. Dort trainierte er die Jugend und erledigte seinerzeit auch Aufgaben im Vorstand. Das war der Grund, weshalb er zu seinem Heimatverein zurückkehrte. Das ist nun schon über zehn Jahre her. „Sportlich war das zwar ein Abstieg, weil Ladbergen damals in der Kreisklasse spielte“, erklärt Haar. „Aber ich wollte wieder mit den Jungs zusammenspielen, die ich in der Jugend trainiert habe.“

An der Seite von Thomas Kuhn, Hendrik Kuck, Matthias Klaassen und Co ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten. Der TTC stieg drei Mal auf, zurzeit spielen die Ladberger in der Bezirksklasse, wo sie heute Abend ab 19.30 Uhr auf den TSV Handorf II treffen.

Vier Spieltage sind es noch bis zum Saisonende. Doch die nächste Punktspielrunde wirft ihre Schatten schon vor­aus. Einer wird gewiss dabei sein: Gerrit Haar.

Startseite