TE-Fußballer fiebern bei der Europameisterschaft vornehmlich in den eigenen vier Wänden mit

Kein normales Turnier

Tecklenburger Land

Eigentlich sollte die Fußball-Europameisterschaft 2020 über die Bühne gegangen sein, doch aus den bekannten Gründen wurde das Turnier um ein Jahr auf 2021 verlegt. Nicht nur im Tecklenburger Land dürfte die Art und Weise, wie die Fans das Spektakel verfolgen, anders sein als zuvor.

Von Luca Pals

Begeisterung in Foto: imago

Heute Abend ist es so weit. 21 Uhr, Olympiastadion in Rom, der Ball rollt – und die Europameisterschaft beginnt. Ein – gleich auf mehreren Ebenen – nicht normales Turnier nimmt seinen Anfang, für die deutsche Mannschaft geht’s am Dienstag los. Und dann direkt gegen Frankreich, den amtierenden Weltmeister. Wie sehen die Chancen für Jogis Jungs aus? Wie werden die Spiele verfolgt? Und was bedeutet EM in Pandemie-Zeiten? Wir haben uns bei Experten der lokalen Fußballvereine umgehört.

Für Joachim Lunow von Schwarz-Weiß Lienen war schon einmal mehr Lametta: „Das Interesse an der Nationalmannschaft war mal größer. Ich bin mit Spielern wie Gerd Müller aufgewachsen, später kamen Typen wie Lothar Matthäus dazu. Mit denen konnte ich mich immer sehr gut identifizieren. Das fehlt leider aktuell.“ Gleichzeitig sei der „Kommerz zu groß geworden“, so der Abteilungsleiter aus Lienen.

Auch für Andreas Alker vom VfL Ladbergen ist das Turnier in diesem Jahr mit den vorherigen nicht zu vergleichen: „Die Vorfreude ist noch nicht da. Ich bin da aber optimistisch und lasse mich gerne mit dem ersten oder zweiten Spiel anstecken.“ Ansonsten schaut er die Spiele mit Freunden und Familie beim gemeinsamen Public Viewing, in diesem Jahr wird das Mitfiebern wohl nur in den eigenen vier Wänden stattfinden.

Ähnlich sieht es bei Elke Roggenland, Jugendleiterin von Preußen Lengerich aus: „Wir waren immer bei Freunden oder beim gemeinsamen Gucken in der Gempt-Halle. Auch das macht so ein Turnier für mich aus. Mit ein paar Freunden darf man sich aber natürlich auch jetzt treffen.“ Die Vorfreude auf das Turnier sei bei ihr in den letzten Tagen auch durch den Erfolg der U21-Nationalmannschaft gesteigert worden: „Das hat einfach Spaß gemacht zu sehen, wie diese jungen Spieler frisch und mutig aufgetreten sind.“ So manches Mal wünscht man es sich von der ersten Mannschaft auch…

Für Elke Roggenland, die ansonsten der Borussia aus Mönchengladbach die Daumen drückt, geht an den Deutschen dennoch nichts vorbei: „Wir werden Europameister. Na klar, wer denn sonst?“

Klaus Bienemann vom TuS Graf Kobbo Tecklenburg hat da noch ein paar andere auf der Pfanne: „Ich schaue sehr gerne guten Fußball, dann auch aus der Brille eines Trainers. Besonders der Spielstil von Spanien und den Niederlanden ist schön, am Ende werden es aber wohl die Franzosen.“ Gleiches tippt übrigens auch Alker aus Ladbergen, einen klaren Favoriten will Lunow aus Lienen noch nicht ausmachen: „Da gibt’s so einige Mannschaften, die einfach schönen Fußball spielen.“ Er zählt auf: „England, Italien, Spanien, Frankreich aber auch Belgien.“ Bei den Deutschen – so scheint es – sind die meisten noch zurückhaltend. Lunow: „Wir müssen erst einmal die Vorrunde überstehen.“

Im Vorfeld des Turniers wurde auch viel über Sinn und Unsinn der Spiele debattiert, Alker hätte auch eine Absage verstanden, Lunow ist zwiegespalten: „Als Fan will man die Spiele sehen, andererseits ist der Fußball an dieser Stelle wieder in einer sehr privilegierten Rolle.“ Dieser sollten sie sich bewusst sein. Er wird die Spiele mit „Freunden im kleinen Kreis“ verfolgen, Bienemann aus Tecklenburg hat einige Optionen: „Ich schaue Spiele auch gerne mal alleine, ansonsten vielleicht ein paar mit meinem Sohn, meiner Familie oder mit Freunden.“ Vielleicht aber würde auch – bei gleichzeitig sinkenden Inzidenzen – ein Rudelschauen der Mannschaft auf dem Vereinsgelände möglich sein: „Die Option lassen wir uns erst einmal offen“, so der Trainer der Mannschaft aus dem Burgstädtchen. Zum Ende lässt dieser sich dann doch noch zu einer Prognose hinreißen: „Wenn wir in der Abwehr sicher stehen und die Mannschaft den Erfolg auch für Joachim Löw, der sein letztes Turnier angeht, erreichen will, kann ich mir auch viel von unserem Team vorstellen.“ Die Zukunft wird es zeigen, in einigen Wochen werden wir schlauer sein – nur eins ist klar: Heute geht es los. Anders als sonst.

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