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Tanzen

Elisabeth Tuigunov und David Jenner sind auf dem Weg zum Profi

Tecklenburger Land

Elisabeth Tuigunov und David Jenner aus Ibbenbüren gehören in der Jugendklasse zu den besten nationalen und internationalen Tanzpaaren. Künftig rücken sie zu den Senioren auf - und wollen auch dort für Furore sorgen. Die beiden haben aber auch viele andere Interessen.

Von André Fischer

Eleganz gepaart mit Effizienz: Elisabeth Tuigunov und David Jenner gehört die Zukunft auf dem Parkett. Foto: Jürgen Peperhowe

Donnerstag, 16. Dezember. Acht Tage bis zum Heiligen Abend. Im Tanzclub „Die Residenz“ riecht es nach selbst gebackenen Plätzchen. Eine Nordmanntanne ist mit goldenen Christbaumkugeln festlich geschmückt – es weihnachtet sehr. Elisabeth Tuigunov und David Jenner haben sich in ihre Arbeitskleidung geschmissen. Ganz in edlem Schwarz ziehen sie die Blicke auf sich. Die beiden Teenager aus Ibbenbüren gehören in ihrer Altersklasse zu den erfolgreichsten Tanzpaaren in Deutschland. Hier an der Hansestraße in Münster scherbeln sie ab.

Eine gute Entscheidung

Cousine und Cousin, die Mütter Tatjana und Olga Geschwister, in den Adern fließt kasachisches Blut. Tänzerblut. Das, was Elisabeth und David seit ihrem sechsten Lebensjahr mit ganz viel Gefühl und Begeisterung tun, ist ihnen in die Wiege gelegt. „Unsere Mamas waren glühende Volkstänzer“, sagt die 18-jährige frischgebackene Abiturientin. Die eines Tages in jungen Jahren eine nicht ganz so leichte Entscheidung treffen muss. Gerätturnen oder Tanzen? Die Gretchenfrage. „Ich habe samstags geturnt und sonntags getanzt. Das wäre auf Dauer nicht gut gegangen“, erinnert sie sich. David, ebenfalls 18 Jahre jung, lässt ihr keine Wahl. Er braucht sie doch.

„Gott achtet uns, wenn wir arbeiten. Aber Gott liebt uns, wenn wir tanzen“, heißt es in einem arabischen Sprichwort. Elisabeth und David füllen es seit vielen Jahren mit Leben. Sie starten durch, national wie international, bereisen die Welt – und werden ab 2022 dem B- und A-Kader angehören. Der nächste Schritt auf dem Weg ins professionelle, erwachsene Dasein.

Nächstes Kapitel: Bundeswehr

Bis die zwei möglicherweise viel Geld verdienen mit ihrem Sport, wird es dauern. Bis dahin möchten sie Karriere bei der Bundeswehr als Sportsoldatin und Sportsoldat machen. Die Bewerbungen laufen. Militärangehörige eines Landes werden bekanntlich wegen der Ausübung ihres Sports staatlich finanziert. „Traumhaft“, für David, der im Sommer 2021 wie Elisabeth seine schulische Laufbahn am Goethe-Gymnasium in Ibbenbüren beendet und nun offen ist für die Welt da draußen.

Traditionell haben Elisabeth Tuigunov und David Jenner auch das Heilige Fest zusammen begangen. Foto: Jürgen Peperhowe

Die ist für ihn weit mehr als nur das Parkett. David ist ein Film-Enthusiast, es gibt kaum oscarprämierte Streifen, die er nicht kennt. Sein absoluter Favorit: Pulp Fiction. Star-Regisseur Quentin Tarantino schuf mit dieser Gangsterkomödie die Mutter aller „Kultfilme“, in dem er philosophische Profikiller, abgebrühte Boxer, perverse Entführer und eine verführerische Gangsterbraut in eine wahnwitzige Geschichte packte. „Ich liebe diesen Humor“, sagt er. Ohne zu verheimlichen, dass er auch eine Vorliebe für Rap hat. Amerikanischen. Eminem, 50 Cent, Travis Scott – sie alle inspirieren den jungen Mann.

Auf den Spuren von Andy Warhol

Genau wie seine Cousine. Auch Elisabeth mag die Rapper-Szene. Und Scott. Zum Geburtstag hat sie David mal ein Bild gemalt, auf dem der Sänger und Musikproduzent, auch als „Cactus Jack“ bekannt, auf der Bühne zu sehen ist. Diese junge Frau kann nicht nur tanzen, sie malt und zeichnet verdammt gut. „Im Kunstunterricht sind meine Motive immer ausgestellt worden“, verrät sie. Mit Acryl- oder Gouache-Farben arbeitet sie am liebsten, liebt es mitunter abstrakt. Manchmal, wenn sie Zeit findet, setzt sie sich auf den Reisen an einen ruhigen Ort – malt einfach drauflos. Frei nach Andy Warhol, dem bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Pop Art. „Denke nicht an das Erschaffen von Kunst, sondern mach es einfach. Lass alle anderen entscheiden, ob es gut oder schlecht ist, ob sie es lieben oder hassen. Während sie sich darüber entscheiden, erschaffe noch mehr Kunst.“

Ein Training für Körper und Seele

Tanzen ist eine Form der Kunst. Mimik, Gestik und ganzkörperliche Bewegungen bilden zusammen mit Musik das anspruchsvolle Arbeitsmaterial – die Zuschauer sehen Eleganz und Ausdruckskraft in Vollendung. „Es trainiert Körper, Geist und Seele“, sagt David. Er führt Elisabeth beim Cha-Cha-Cha. Die beiden wirken eins, verschmelzen nahezu. Auf der Brust trägt der junge Mann eine orthodoxe Halskette, ein Schutzsymbol für Engel. „Das hat die Mutti mal dem Papa geschenkt“, gibt David preis. Sein persönlicher Glücksbringer. Der vor und nach Weihnachten viele Freunde trifft – es ist die Zeit der Engel, der Sterne.

Und auch die haben im übertragenen Sinne ihre Bedeutung im Tanzsport. Schon bald wollen Elisabeth und David als Sternenpaar in den Olymp der Tänzer aufsteigen. Dann vielleicht als das erfolgreichste deutsche Duo auf den Holzbrettern, die noch immer die Welt bedeuten.

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