Amateurfußball: Kein genereller Saisonabbruch – einzelne Staffeln könnten gewertet werden

Seitenhiebe gegen die Politik

Kreis Tecklenburg...

Einen generellen Saisonabbruch wird es im Amateurfußball in Westfalen in 2020/21 nicht geben. Einzelne Staffeln könnten durchaus gewertet werden, sollte die allgemeine Situation eine Fortsetzung des Spielbetriebs im Mai erlauben. Das ist das Ergebnis einer Online-Pressekonferenz, auf der FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski auch Seitenhiebe gegen die Politik austeilte.

Von Heiner Gerull

Ob die Saison in den Amateur-Fußballligen fortgesetzt werden kann, hängt grundsätzlich von der Entwicklung der Inzidenzzahlen in der Corona-Pandemie ab. Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit, eine Serie sportlich zu werten, in kleinen Staffeln höher als in großen. Darüber informierte der FLVW mit Präsident Gundolf Walaschewski gestern in einer Online-Pressekonferenz. Foto: Jörg Wahlbrink/hg

Eigentlich sollte es um Fußball gehen – genau genommen darum, ob und inwieweit die Saison 2020/21 bei den Amateurfußballern noch zu retten ist. Doch als Gundolf Walaschweki am Montag die Online-Pressekonferenz eröffnete, in der der Fußball- und Leichtathletik Verband Westfalen (FLVW) über die aktuelle Situation informierte, nutzte der FLVW-Präsident die Gelegenheit, um einen deftigen Seitenhieb gegen die Politik auszuteilen.

Die regionalen Regelungen in Zusammenhang mit der Corona-Schutzverordnung lasse „das ganze Westfalenland zu einem Flickenteppich werden“, sagte Walaschewski. Auf dieser „Jo-Jo-Methode“, so der Präsident, lasse sich keine seriöse Planung aufbauen. Er selbst befürworte einen harten Lockdown. Da es den aber nicht gebe, „müssen wir mit dem Ergebnis leben, dass wir noch kein Ergebnis haben“, fügte er hinzu und beendete seine Begrüßung mit den markigen Worten: „Mir platzt langsam aber sicher der Kragen.“

Mit seiner knackigen Einführung zeigte Walaschewski die schwierigen Rahmenbedingungen auf, unter denen das Präsidium seine strategischen Entscheidungen treffen und umsetzen muss. Wichtigstes Ergebnis: Einen generellen Saisonabbruch wird es nicht geben. Einzelne Staffeln könnten durchaus sportlich gewertet werden, sollte es möglich sein, 50 Prozent der Saisonspiele bis zum Stichtag 30. Juni zu absolvieren.

Manfred Schnieders ging auf diesen Punkt detailliert ein. „Wie wir das persönlich finden, ist die eine Seite; wir müssen es aus spieltechnischer Sicht bewerten“, erläuterte der Vizepräsident des FLVW und verwies auf die gültige Spielordnung, die eine Annullierung nur dann vorsieht, sofern 50 Prozent der Spiele innerhalb einer Staffel nicht ausgetragen werden können. „Eine Annullierung hätte zur Folge, dass es, weder Aufsteiger noch Absteiger gibt“, so der FLVW-Vize.

Schnieders betonte in diesem Zusammenhang, dass es keinen generellen Saisonabbruch geben könne, sondern „dass jede Staffel einzeln betrachtet werden muss. Wenn es in einer Staffel die Möglichkeit gibt, sie sportlich bewerten zu können, dann kann das auch erfolgen.“ Was bedeutet das für die heimischen Vereine? Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Wahrscheinlichkeit, die Saison beenden zu können, in kleineren Staffeln größer ist als in Ligen mit hoher Mannschaftszahl.

In den mit jeweils 14 Mannschaften bestückten Kreisligen B des Fußballkreises Tecklenburg haben die meisten Vereine acht Saisonspiele ausgetragen. Fünf müssten hinzukommen, um die Hinrunde abzuschließen. Die Saison könnte sportlich gewertet werden, weil dann die 50-Prozent-Regel greifen würde. Der BSV Brochterbeck und Westfalia Westerkappeln dürften großes Interesse haben, auf diese Quote zu kommen, liegen sie doch zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung mit besten Aufstiegschancen in ihren jeweiligen Staffeln an der Tabellenspitze.

Anders sieht es in der Kreisliga A aus. Da die Staffel mit 20 Teams bestückt ist, wird es eng, sollte irgendwann im Mai wieder gespielt werden können. Die Mannschaften haben erst sieben oder acht Saisonspiele absolviert, manche gar nur sechs. Elf bis 13 stehen somit aus, um die Hinserie noch zu beenden. Da Schnieders betonte, dass keine Wochentagsspiele eingeflochten werden sollen und er auch eine Saisonverlängerung über den 30. Juni hin­aus kategorisch ausschließt, wird es zeitlich knapp.

In der Regionalliga West hingegen würden die abstiegsbedrohten Clubs von einem Saisonabbruch in den höchsten Amateurklassen profitieren. Denn sollten die Hinrunden in Oberligen Westfalen (21 Vereine), Niederrhein (23) und in der Mittelrheinliga (17), deren Meister sportlich für die Regionalliga qualifiziert wären, nicht abgeschlossen werden können, gäbe es in der 4. Liga weniger Absteiger. Die Sportfreunde Lotte werden die Entwicklung in diesen Ligen mit großem Interesse verfolgen.

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