1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Lengerich
  6. >
  7. Ein Kalauer und fliegende Flaschen

  8. >

SF Lotte: Rangeleien nach Abpfiff in Siegen

Ein Kalauer und fliegende Flaschen

Lotte

Komik ist Geschmackssache, das ist bekannt. Deshalb kann auch wohl nicht jeder über einen alten Witz aus dem Rheinland lachen. „Was ist schlimmer als verlieren? - Siegen“. Der Kalauer entlockt den Meisten wohl maximal ein Schmunzeln, aber am Sonntagnachmittag hätte er für die Sportfreunde Lotte bitterer Ernst werden können.

Christoph Pieper

Nach dem Abpfiff wurde es in Siegen hitzig. Es kam zu einigen Rangeleien zwischen Siegener und Lotteraner Spielern. Kleines Bild: Dennis Schmidt (rechts) und Benjamin Wingerter liegen sich nach Lottes 1:0-Sieg in den Armen. Foto: Mrugalla

Der Regionalligist war bei den Sportfreunden Siegen in dem Wissen angetreten, dass der letzte Konkurrent um die Meisterschaft Fortuna Köln am Vortag bis auf einen Punkt herangerückt war. Um im Titelkampf also weiterhin die bessere Ausgangsposition zu wahren, brauchte Lotte die drei Punkte aus dem Siegerland, um dann am Pfingstsonntag im Heimspiel gegen Rot-Weiß Essen den Titel perfekt machen zu können.

Soweit der Plan, doch was die 1176 Zuschauer im Leimbachstadion zu sehen bekamen, sah zunächst nicht meisterlich aus. „Heute treffen zwei Welten aufeinander“, versprach Stadionsprecher Daniel Schäfer vor dem Spiel. Auf der einen Seite der Tabellenführer in Bestformation, dessen Spieler zum Teil sogar Zweitligaerfahrung mitbrachten. Auf der anderen Seite der Aufsteiger, der verletzungsbedingt „alles aufstellen muss, was laufen kann.“

Was sich dann aber auf dem Rasen abspielte, lag gewiss nicht zwei Welten auseinander. Der Gastgeber stand kompakt und verschob sehr geschickt zum Ball. Die engen Räume zwangen die technisch versierten Lotteraner um Tim Gorschlüter und Benjamin Wingerter im Spielaufbau zunächst oft zu langen Bällen, die in der ersten Halbzeit aber nicht einmal einen gefährlichen Weg vor das Siegener Tor fanden. Beide Sportfreunde-Teams neutralisierten sich. Und dann wird in der 40. Minute plötzlich Waldemar Schattner freistehend vor dem Lotteraner Tor bedient. „Wären wir da in Führung gegangen, wäre das Spiel ganz anders ausgegangen“, war sich Siegens Trainer Michael Boris nach der Partie sicher. Lotte aber übersteht diese Situation, bekommt in der zweiten Halbzeit mit Kevin Freiberger und Aleksandar Kotuljac „mehr Qualität“ (Boris) in sein Offensivspiel und erzielt nach einem der wenigen gut heraus gespielten Angriffe den Siegtreffer.

Der Titelfavorit ist also wieder auf Kurs, von zwei Spielen muss nur noch eins gewonnen werden. Das könnte alles ein Grund zum Feiern sein, doch nach dem Abpfiff entlud sich bei einigen Akteuren beider Mannschaften die Anspannung nicht im sportlich fairen „shake hands“. Erst Rudelbildung auf dem Rasen, dann Ärger im Spielertunnel. Ein Wort jagt das andere, es fliegen Flaschen, es kommt zu Rangeleien, bei der Spieler und Funktionäre samt einer Absperrung im Tunnel zu Boden gehen.

„Im Saisonendspurt sind die Leute immer etwas angespannt“, sagte der verletzte Henning Grieneisen und richtete den Blick gleich wieder nach vorne. „Jetzt kommt Essen. Wir sind zu Hause eine Macht und werden in der nächsten Woche von der ersten Minute an alles tun, um Meister zu werden.“

Dann ginge es in die Aufstiegsrunde und dort wartet kein geringerer als der millionenschwere RB Leipzig. „Da musste ich erst mal schmunzeln“, sagte Sportfreunde Trainer Maik Walpurgis zu dem Hammerlos. „Wäre Bayern München in dem Lostopf gewesen, wäre das wohl ein vergleichbarer Gegner gewesen. Denn RB Leipzig nimmt viele Millionen in die Hand, um nicht nur in die dritte, sondern bis in die erste Bundesliga aufzusteigen.“

Walpurgis ist sich sicher, dass seine Mannschaft am kommenden Sonntag die nötige Motivation mitbringt um im Heimspiel Meister zu werden. „Und dann werden wir Leipzig in der Relegation einen richtigen Fight anbieten.“ Der Ostmeister hatte am Sonntag schon einen Späher nach Siegen geschickt, obwohl die Relegationsspiele noch gar nicht feststanden.

Vorausgesetzt, bei der Auslosung in Leipzig ging alles mit rechten Dingen zu, wird der enorme Aufwand von RasenBallsport deutlich, die scheinbar deutschlandweit jeden möglichen Regionalligameister beobachten lassen. Das stößt auch vielen Leipzigern übel auf. In sozialen Netzwerken sagten schon kurz nach der Auslosung viele Fans von Lokomotive und Sachsen Leipzig den Lotteranern ihre Unterstützung zu. Bis es dazu kommt, brauchen die Sportfreunde aber noch drei Punkte. Bestenfalls haben sie diese schon am Sonntag, wenn sie gegen Essen … siegen.

Startseite