Routinier markiert erstes Zweitligator mit 34 Jahren

Heider: „Das tut unfassbar gut“

Osnabrück

Der VfL Osnabrück hat endlich wieder gepunktet. Dafür gesorgt hat Spieler Marc Heider. Sein Tor zum 1:1 in Nürnberg war für den VfL-Routinier eine echte Premiere. Durch das Remis wurde der weitere Sinkflug der lila-Weißen abgebremst.

Benjamin Kraus

Marc Heider bejubelt seinen Treffer zum 1:1-Ausgleich in Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa

Eigentlich hat er den Ball gar nicht richtig getroffen. Das musste er aber auch gar nicht mehr nach dem perfekten Zuspiel von Sebastian Kerk. Viel wichtiger war, dass Marc Heider in Stürmer-Manier durchgelaufen war – vor das Tor, dorthin, wo es brennt, wo man was reißen kann, wo es eben reicht, irgendwie den Schlappen hinzuhalten, damit der Ball ins Tor trudelt – egal, wie. So gelang dem in Ibbenbüren wohnenden Angreifer in der 73. Minute das 1:1 in Nürnberg und beschertedem VfL Osnabrück damit einen eminent wichtigen Punkt

„Ich freue mich so übertrieben darüber. Wenn man so lange auf ein Tor warten muss, tut das dann so unfassbar gut“, sagte der 34-Jährige zu seinem allerersten Tor in der 2. Bundesliga – im besten Fall der Auftakt zum dritten sportlichenFrühling im Herbst seiner Karriere.

Beim VfL ausgebildet, bei Holstein Kiel im Profifußball etabliert, dann zurück zur alten Liebe Osnabrück – Heider verkörpert Bodenständigkeit auf wie neben dem Platz. Technische Kabinettstückchen sind weniger seins, dafür Geradlinigkeitund bedingungsloser Einsatz, mit dem er nicht zuletzt als Teil der Drittliga-Meisterelf bestach. So werden ihm alle VfL-Anhänger gönnen, dass er es endlich auch eine Liga höher auf die Anzeigetafel geschafft hat – was nicht nur nebenbei endlich die Pleitenseriebeendet.

Es war die Vollendung eines Spielzugs, bei dem endlich einmal alles zusammenpasste beim VfL an diesem Tag: Ausgehend von einem Einwurf am gegnerischen Strafraum von Bashkim Ajdini, sicherte Ludovit Reis erst den Ball, bevor er andribbelte,antäuschte – und dann gerade noch im richtigen Moment vor dem Zuschnappen der Abseitsfalle den Ball in den Lauf des eingestarteten Sebastian Kerk legte, der Heider mustergültig bediente.

„Felle hat uns sehr gut eingestellt“, sagte der Torschütze über seinen neuen Trainer Markus Feldhoff, der nicht als Mann übertrieben vieler Worte bekannt ist, aber vielleicht genau deshalb dem, was er sagt, eine gewisse Klarheit mit geben kann. „Er hat uns mit auf dem Weg gegeben, dass jeder einzelne Spieler von uns eine hohe Qualität hat – und dass wir es nur wieder zusammen auf den Platz bringen müssen“, sagte Heider. Osnabrück stehe für Teamgeist – dafür, dass jeder für den anderen marschiere. „Wir müssen weiter wie heute kämpfen, beißen und kratzen, um die Punkte zu holen, die wir brauchen“, sagte der Routinier mit Blick auf die letzten zehn Partien.

Markus Feldhoff

Klar, das auch Markus Feldhoff zufrieden war. Nach zuvor neun Niederlagen gelang mit dem neuen Coach, der in der vergangenen Woche den beurlaubten Marco Grote abgelöst hatte, endlich wieder ein Punktgewinn. „Es war ein kleiner Schritt voran“, sagte Feldhoff nüchtern und knapp. Übermäßige Euphorie zu verbreiten ist auch nicht angesagt angesichts der Tatsache, dass sich die Lage im Tabellenkeller nicht verändert hat: Die Konkurrenten Braunschweig und Sandhausen haben auch remis gespielt, der VfLkonnte den Fünf-Punkte-Rückstand auf Nürnberg nicht verkürzen. Aber der freie Fall ist erst mal gestoppt – und das nicht mit einem glücklichen, sondern verdienten Punktgewinn.

„Ich bin mit vielen Dingen in diesem Spiel sehr zufrieden. Wir haben sehr gut verteidigt, vor allem in der ersten Halbzeit“, sagte Feldhoff. Mit hohem Laufeinsatz und Bissigkeit in den Zweikämpfen hatte der VfL die Franken beeindruckt – trotz der Pleitenserie im Rücken: „Von Verunsicherung oder Ängstlichkeit war bei uns nichts zu sehen“, meinte Feldhoff.

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