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Fußball: 3. Liga

SF Lottes Trainer Oscar Corrochano: „Wollen agieren und flexibel sein“

Lotte

Erst am Freitag vergangener Woche verpflichtet, blieb ihm nur eine Woche Zeit, die Mannschaft auf den Saisonstart vorzubereiten. Zudem gibt es die Hypothek, in die Fußstapfen von Sympathieträger Ismail Atalan treten zu müssen. Aber der neue Trainer der Sportfreunde Lotte, Oscar Corrochano, traut sich diese schwierige Aufgabe zu.

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Lottes neuer Trainer Oscar Corrochano tritt ein schweres Erbe an. Foto: Mrugalla

Er tritt ein schweres Erbe an. Sympathieträger und Erfolgscoach Ismail Atalan, der zehn Tage vor Saisonstart die Sportfreunde Lotte Richtung VfL Bochum verlassen hat, hinterlässt eine große Lücke. Die soll sein Nachfolger Oscar Corrochano füllen. Erst am Freitag vergangener Woche verpflichtet, blieb ihm nur eine Woche Zeit, die Mannschaft auf den Saisonstart vorzubereiten. Er geht die Aufgabe selbstbewusst an und fühlt sich in seinem neuen Umfeld bereits wohl. Im Gespräch mit Sportredakteur Alfred Stegemann äußerte sich der neue Lotter Trainer zu seinen Plänen, seiner Spielphilosophie und dazu, was der Mannschaft in dieser Saison zuzutrauen ist.

Herr Corrochano, Sie sind seit Freitag neuer Trainer der Sportfreunde Lotte. Sind Sie schon richtig angekommen?

Oscar Corrochano: Viel Zeit war ja nicht. Aber solche Abläufe sind mir nicht fremd. Deshalb konnte ich mich in die neue Situation schnell hineinversetzen. Das gesamte Funktionsteam und die Geschäftsstelle haben es mir aber auch leicht gemacht.

in der Saison 2017/18 (obere Reihe von links): Videoanalyst Pascal Koopmann, Cheftrainer Oscar Corrochano, Joshua Putze, Tobias Haitz, Al Ghaddioui, Matthias Rahn, Maximilian Rossmann, Jonas Acquistapace, Tim Wendel, Torwarttrainer Bastian Görrissen, Athletiktrainer Chris Löffler Mittlere. Reihe von links: Physiotherapeutin Melanie Hubert, Nico Neidhart, Maximilian Oesterhelweg, Luka Tankulic, Dennis Brock, Bernd Rosinger, Michael Hohnstedt, Alexander Langlitz, Moritz Heyer, Betreuer Can Özalp Untere Reihe von links: Kevin Pires-Rodrigues, Jaroslaw Lindner, Andre Dej, Yannick Zummack, Benedikt Fernandez, David Buchholz, Tim Gorschlüter, Kevin Freiberger und Marco Hober. Foto: Mrugalla

Es ging nach dem Weggang von Ismail Atalan in der Tat alles sehr schnell. Zwischen dem ersten Anruf und Vertragsunterzeichnung vergingen nur zwei Tage. Was hat Sie bewogen, die Sportfreunde zu übernehmen?

Corrochano: Kontakt gab es schon einmal. Das Gespräch in der vergangenen Woche mit Herrn Wilke war sehr positiv. Über Lotte war ich immer im Bilde. Nun das Projekt mit- und weiterzuführen, ist eine spannende Sache, genau wie die 3. Liga an sich. Die Hürde, im zweiten Jahr nach dem Aufstieg die Klasse zu halten, reizt immer.

Welchen Eindruck haben Sie bisher von Verein und Umfeld gewonnen?

Corrochano: Man merkt sofort, dass hier die Wege kurz sind. Alle sind sehr kommunikativ, der Austausch klappt. Jeder packt in seinem Aufgabenbereich und darüber hinaus kräftig mit an.

Ismail Atalan war ein Sympathieträger und hatte großen Erfolg in Lotte. Wie groß sind Ihrer Meinung nach die Schuhe, in die Sie schlüpfen müssen?

Corrochano: Die jüngsten sportlichen Erfolge sind natürlich mit seinem Namen verbunden. Er hat fraglos gute Arbeit geleistet. Nun geht es darum, den nächsten Schritt zu gehen. Man kann vieles übernehmen, man muss aber auch nach vorne schauen und an der einen oder anderen Stellschraube drehen. Man muss sich immer wieder neu fokussieren und Abläufe sowie gewisse Werte verinnerlichen.

Wie würden Sie sich als Trainer beschreiben?

Corrochano: Ich kann laut werden, bin aber eher der ruhige Typ und sicher auch kommunikativ. Und ich habe meine Prinzipien, die ich durchziehe wie Pünktlichkeit, richtiger Umgang miteinander, Respekt und Disziplin. Das sind Basics, an die sich jeder halten sollte. Und die Spieler sollten lernen, kontrovers diskutieren zu können.

Sie sind erst 40 Jahre alt und haben schon einige Stationen hinter sich. Warum sind es so viele?

Corrochano: Ich wollte immer weiterkommen und lieber arbeiten als irgendwo rumsitzen. Ich habe sicher nicht jeden Job angenommen. Wenn er mich aber reizte, dann schon. Vereinswechsel sind ja nun nicht unüblich. Bei mir war es aber auch so, dass ich zum Beispiel bei Eintracht Frankfurt unter Armin Veh oder bei der U21-Nationalmannschaft unter Rainer Adrion als Co-Trainer gearbeitet habe. Nach deren Weggang haben die Nachfolger dann ihre eigenen Co-Trainer mitgebracht.

Bei Ihrem letzten Job bei Eintracht Trier kam es zur vorzeitigen Trennung und dem späteren Abstieg der Mannschaft in die Oberliga. Was war da los?

Corrochano: Es gab unüberbrückbare Differenzen in Sachen Disziplin. Deshalb kam der Vorschlag zur Trennung von mir. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Ihre Familie wohnt noch in Heidelberg, Sie derzeit im Hotel. Denken Sie daran, die Familie ins Tecklenburger Land nachzuholen?

Corrochano: Die Option ist ganz sicher da. Es ging aber alles sehr schnell. Derzeit ist unglaublich viel zu tun, deshalb ist es kurzfristig wohl nicht möglich. Über die sozialen Medien pflege ich aber engen Kontakt zur Familie.

Welchen Eindruck haben Sie von der Lotter Mannschaft bisher gewinnen können?

Corrochano: Der gemeinschaftliche Zusammenhalt und die positive Stimmung in der Mannschaft sind sehr gut. Das sind Werte, die für jede Mannschaft wichtig sind. Es passt hier, das sind gute Voraussetzungen. Da macht das Arbeiten Spaß.

Wie ist Ihre Philosophie, welchen Fußball möchten Sie spielen lassen?

Corrochano: Wichtig ist, dass wir agieren, dass wir früh anlaufen, das Spiel verlagern und flexibel im Handeln sind. Die Spieler sollen schnell auf verschiedene Situationen und Varianten des Gegners reagieren können, selbst aber auch flexibel und nicht zu positionsstatisch sein. Dazu gehört, dass die Mannschaft verschiedene Systeme beherrscht, um auch während des Spiels schnell etwas ändern zu können.

Um das umzusetzen, an welchen Stellschrauben müssen Sie noch drehen?

Corrochano: Wir müssen sicher noch an bestimmten Abläufen arbeiten und Strategien entwickeln, wie wir uns nach Ballverlusten verhalten. Gleiches gilt für die Staffelung beim Anlaufen des Gegners.

Wo liegen die Stärken der Mannschaft?

Corrochano: Im Pressing. Das hat die Mannschaft ja auch im Vorjahr ausgezeichnet. Zudem auch in der Intensität der Spielanlage sowie im technischen Bereich. Auch was Ballzirkulation angeht, ist das ganz ordentlich.

Sie haben geäußert, dass Sie sich in den vier ersten Ligen ganz gut auskennen. Wie analysieren Sie die 3. Liga?

Corochano: Die drei Aufsteiger Jena, Unterhaching und Meppen sind etablierte Clubs, die etwas erreichen wollen. Die Absteiger Karlsruhe und Würzburg werden eine ganz andere Rolle spielen als die Absteiger FSV Frankfurt und Paderborn im vergangenen Jahr. Die Liga ist deutlich stärker, vor allem in der Breite unberechenbarer.

Was ist für die Sportfreunde in dieser Saison drin?

Corrochano: Wir wollen den Klassenerhalt sichern und unsere Leistung stabilisieren. Das zweite Jahr nach dem Aufstieg ist immer das schwierigste. Das wissen wir. Deshalb gilt das Ziel Klassenerhalt, das gut und erreichbar ist.

Ihr Tipp für das Auftaktspiel am Samstag gegen Hansa Rostock.

Corrochano: Egal, welche Mannschaft kommt, wir wollen immer gewinnen.

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