Meinhardt Rentrup – von den Bermuda-Inseln zum SC Preußen

Stets bereit für ein neues Kapitel

Lengerich/Ladbergen

Von den Bermudas zum SC Preußen nach Lengerich – Meinhardt Rentrup hat eine bewegte und bewegenden Lebensgeschichte vorzuweisen, obwohl er erst 20 Jahre alt ist.

Heiner Gerull

Traumhafte Kulisse an der Horseshoe Bay auf den Bermudas Foto: privat

Tiefblauer Himmel, türkisfarbenes Meer, endlose Traumstrände und ein hoher Lebensstandard – die Bermuda-Inseln sind ein Paradies für Strandfreunde, Segler und Schnorchler. Es gibt eigentlich keinen Grund, diesem bezaubernden Fleckchen Erde den Rücken zu kehren. Meinhardt Rentrup hat es trotzdem getan und im August ein weiteres Kapitel seines bewegten Lebens in Lengerich aufgeschlagen. Ein Ankerpunkt in seinem neuen Umfeld ist der SC Preußen. Seit Saisonbeginn verstärkt er den heimischen A-Ligisten. „Ich fühle mich hier so, als hätte ich den Jackpot geknackt“, sagt der 20-Jährige.

Dass es Meinhardt Rentrup ausgerechnet in die schöne Stadt am Teutoburger Wald verschlug, hat einerseits etwas mit seinen Eltern zu tun, die ihre Wurzeln in Lengerich und Ladbergen haben, andererseits aber auch mit der Seuche, die seit dem Frühjahr weltweit grassiert. „Wäre die Corona-Pandemie nicht ausgebrochen, wäre ich jetzt nicht hier.“

Mentrup hat sich die Entscheidung, für ein Jahr seine Zelte in Lengerich aufzuschlagen, nicht leicht gemacht. Im Alter von 18 Jahren hatte er am Haverford College in Pennsylvania, einem Staat im Nordosten der USA, ein Studium in den Fächern Politik und Volkswirtschaft aufgenommen. Da die Corona-Krise den Ausbildungsbetrieb auch an seinem Institut lahmgelegt hatte, entschloss er sich, nach Deutschland zu gehen.

Rentrup wurde kosmopolitisch und zweisprachig erzogen. In der Familie wurde deutsch, in seinem schulischen Umfeld englisch gesprochen. Schon früh hat er die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, etwas Neues zu beginnen und seinen Horizont außerhalb seiner gewohnten Umgebung zu erweitern. „Die weiterführende Schulbildung und Sportmöglichkeiten sind auf den Bermudas sehr begrenzt. Deshalb habe ich meine Heimat schon mit 14 Jahren verlassen und bin zu einer internationalen High School nach New Jersey in die USA gegangen“, erinnert sich Rentrup.

Das war bereits der zweite große Einschnitt in seinem Leben. Der erste erfolgte, als er noch „im zarten Windelalter von zehn Monaten“, war, wie er sagt. Seinen Vater Konrad und Mutter Marion hatte es im Jahr 2001 auf die Bermuda-Inseln verzogen. In erster Linie war es die attraktive berufliche Perspektive bei einer Versicherungsgesellschaft, die Familie Rentrup zu dieser Übersiedlung aus dem vertrauten heimischen Umfeld in Lengerich und Ladbergen auf die Inselgruppe im nördlichen Atlantik veranlasst hatte. In der Obhut seiner Familie mitsamt seiner beiden älteren Brüder Leonhard und Kilian wuchs er in geradezu paradiesischen Verhältnissen auf. Doch trotz der großen Entfernung von mehr als 6000 Kilometern ist der Kontakt zur alten Heimat ins Tecklenburger Land nie abgerissen. „In den Sommerferien sind wir meistens nach Deutschland geflogen, wohnten bei meinen Großeltern. Besonders gut hat es mir im Teutoburger Wald gefallen. Es ist eine herrliche Gegend“, schätzt der 20-Jährige die pittoreske Landschaft des Tecklenburger Landes.

Als er nach Beendigung der High School zum College nach Pennsylvania wechselte, waren seine fußballerische Qualitäten schon so weit ausgeprägt, dass er in die College-Auswahl berufen wurde. Wäre die Corona-Pandemie nicht dazwischen gekommen, wäre er sicherlich dort geblieben. Doch Covid-19 veränderten seine Lebenspläne.

„In Lengerich habe ich mich sofort pudelwohl gefühlt“, sagt Rentrup, dessen erster Ansprechpartner Trainer Sascha Höwing war. Was Rentrup auch anfasst, scheint ihm leicht von der Hand zu gehen. Eine Wohnung hat er inzwischen gefunden, auch einen Praktikumsplatz bei der Stadtsparkasse in Lengerich. Zudem betätigt er sich beim Training der C2- und C3-Junioren des SC Preußen als helfende Hand. Familiäre Unterstützung erhält er von seinen Cousins und Cousinen in Ladbergen und natürlich von seiner Großmutter Veronica, die Meinhardt Rentrup regelmäßig im Seniorenzentrum Gempt besucht.

Eigentlich fehlt ihm fast nichts mehr, um richtig glücklich zu sein. „Vielleicht ein Sieg mit dem SC Preußen am Sonntag gegen Ladbergen“, fügt der „Sechser“ schmunzelnd an. Seinem Trainer Pascal Heemann wäre das nur recht. „Meinhardt“, sagt er, „ist ein toller Typ, der perfekt in unsere Mannschaft passt.“

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