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Interview mit Lottes neuem Chefcoach Andy Steinmann

Klassenerhalt ist sicher machbar

Lotte

Nach nur einem Testspiel gegen den SC Wiedenbrück geht es für Regionalligist SF Lotte am kommenden Samstag in Bonn wieder um Punkte. Neuer Cheftrainer ist jetzt Andy Steinmann. In einem Interview spricht er über die Chancen seiner Mannschaft.

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Andy Steinmann soll als neuer Cheftrainer die Sportfreunde Lotte zum Klassenerhalt in der Regionalliga führen. Foto: Manfred Mrugalla

Für die Sportfreunde Lotte beginnt mit dem Spiel am Samstag beim Bonner SC die Rückrunde in der Regionalliga und damit auch das Unternehmen Klassenerhalt. Als Drittletzter mit vier Punkten Rückstand auf einen rettenden Platz ist die Mannschaft stark abstiegsgefährdet. Jeder im Verein weiß, dass ein Sturz in die Oberliga weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Nun liegt es an Trainer Andy Steinmann, der die Mannschaft bis Saisonende betreuen wird, das Bestmögliche herauszuholen.Im Gespräch mit Sportredakteur Alfred Stegemann machte der neue Chefcoach deutlich, dass er an seine Mannschaft glaubt und den Klassenerhalt als absolut realistisch ansieht.

Herr Steinmann, wir befinden uns mitten in der Pandemie. Deshalb zunächst die Frage, wie geht es Ihnen und wie steht es um die Mannschaft?

Andy Steinmann: Mir geht es gut. Ich hatte noch keine Berührungspunkte mit Corona. In der Mannschaft gibt es auch keine Fälle, von einem falsch positiv Getesteten abgesehen. Also ist alles in Ordnung.

Sehen Sie es als Privileg an, als eine Mannschaft aus der vierten Liga trotz aller Einschränkungen einen fast normalen Fußball-Alltag erleben zu dürfen?

Steinmann: Es ist schon etwas Außergewöhnliches. Für die Jungs ist es top. Sie können sich zeigen und ihren Job ausüben. Wer zum Beispiel am Saisonende den Verein verlassen möchte, verfügt auf jeden Fall über Spielpraxis. Das ist ja zum Beispiel in der Oberliga anders.

Wie steht es um das Hygienekonzept?

Steinmann: Es gibt jede Woche regelmäßige Tests, vor einem Spiel sowieso. Jeder Gastspieler, der bei uns mittrainiert, muss auch vorher getestet worden sein. Wie andere auch müssen wir bei An- und Abreise Masken tragen, haben auch in der Kabine genügend Abstand zum Nebenmann, weil wir uns in zwei Räumen umziehen.

Nachdem Sie zum Chefcoach ernannt worden sind, wie ist der Trainerstab aufgestellt? Gibt es einen Co-Trainer?

Steinmann: Noch nicht. Aber da sind wir auf der Suche. Mit Torwarttrainer Finn Müller und Physio Sebastian Schwermann teilen wir uns die Aufgaben. Wir machen es als Team, jeder muss derzeit ein wenig mehr machen. Bis Monatsende sollten wir aber einen neuen Co-Trainer haben.

Auch im Zuge der Entlassung von Ex-Trainerin Imke Wübbenhorst wurden immer wieder Stimmen laut, dass das Verhältnis der Mannschaft zur Führungsriege des Clubs nicht das Beste sei. Wie ist aktuell die Zusammenarbeit mit den Entscheidern des Vereins?

Steinmann: Davon ist mir nichts bekannt. Natürlich gab es hier und da Unstimmigkeiten. Aber die gibt es immer, das war nichts Schwerwiegendes. Dass die Vereinsführung mit dem sportlichen Abschneiden nicht zufrieden ist, ist doch klar. Das sind wir als Mannschaft auch nicht. Aber wir stehen im ständigen Austausch.

Die Pause war sehr kurz. Nach einer nicht einmal zweiwöchigen Vorbereitung steigt am Samstag das erste Rückrundenspiel beim Bonner SC. Sehen Sie Ihre Mannschaft dafür gerüstet?

Steinmann: Ja, durchaus. Durch die kurze Pause hatten wir auch nicht viel aufzuarbeiten. Die Jungs haben zudem gut gearbeitet. Trotz der Niederlage im Test gegen Wiedenbrück haben sie gezeigt, dass sie gut drauf sind. Ja, wir sind gewappnet.

Die Hinrunde lief alles andere als wünschenswert. Imke Wübbenhorst sah das Hauptproblem in der Unerfahrenheit der Mannschaft. Sie auch?

Steinmann: Das war in der Hinrunde auf jeden Fall so. Mittlerweile haben alle aber einen Schritt nach vorne gemacht. Wir haben viele A-Jugendspieler dazu bekommen und Leute, die in ihren vorherigen Vereinen nicht viel gespielt haben. Da musste zunächst alles zueinander finden, die Mannschaft hat sich auch erst spät gefunden. Aber es wächst etwas zusammen. Die Unerfahrenheit der Hinrunde gibt es jetzt so nicht mehr. Mittlerweile haben wir auch einen guten Mix. Und alle sind erfahrener und gereifter.

Die Sportfreunde haben die wenigsten Tore geschossen, die meisten kassiert, viele entscheidende zudem erst spät in der zweiten Halbzeit. Wie wollen Sie diese Missstände beheben?

Steinmann: Dass wir spät viele Gegentore kassiert haben, lag nicht daran, dass die Mannschaft nicht fit war. Das war sie. Wir hatten sicherlich auch viel Pech, haben aber auch häufig durch unsere Unerfahrenheit ein klares Übergewicht leichtfertighergeschenkt. Wie gesagt, haben wir mittlerweile einen Schritt nach vorn gemacht. Viele Chancen haben wir uns ja erspielt. Jetzt arbeiten wir intensiv an den Abläufen, trainieren verschiedene Übungen, um uns die Siegermentalität einzuimpfen und das Selbstvertrauen,das dazu nötig ist. Jeder muss sich im Klaren sein, dass er vielleicht auch mal einen Schritt mehr als nötig machen muss. Dann kann man sich das Glück auch erarbeiten.

Mit Verteidiger Jesse Tugbenyo, der bis zum Saisonende vom SC Paderborn ausgeliehen ist, gibt es erst einen Neuzugang. Werden trotz klammer Kassen weitere folgen?

Steinmann: Wir sind auf der Suche. Zwei Probespieler waren zuletzt da. Aber es muss ja auch finanziell passen. Wer weiß, vielleicht findet sich ja jemand, der zu uns kommen möchte, um sich zu zeigen und vielleicht für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Der Kader umfasst derzeit 21 Spieler. Fehlt es da nicht auch in der Breite?

Steinmann: Mehr Qualität und Breite würde dem Team sicher gut tun. Im Mittelfeld könnten wir für alle Positionen noch jemanden gebrauchen. Aber wie gesagt, es muss auch wirtschaftlich passen.

Vom Wuppertaler SV ist zu hören, dass Tim Wendel den Verein noch im Januar verlassen kann. Wie steht es um die Rückkehr des einstigen Kapitäns der Sportfreunde?

Steinmann: Wir stehen in Kontakt, haben schon einige Gespräche geführt. Tim hat seine Bereitschaft zu einer Rückkehr gezeigt. Aber die Rahmenbedingungen müssen für beide Seiten passen. Er würde uns sicher guttun.

Sie haben angedeutet, in einem 4-3-3-System spielen zu wollen. Warum glauben Sie, passt diese Ausrichtung am besten zu Ihrer Mannschaft?

Steinmann: Wir brauchen im Zentrum mehr Kompaktheit und einen Spieler mit klaren Aufgaben vor der Viererkette. In anderen Systemen wäre mal der eine, mal der andere zuständig. Ich glaube, dass es besser ist, wenn wir einen Spieler mit dieser eindeutigen Aufgabe haben. Außerdem passt diese Ausrichtung meiner Meinung nach am besten zu der Mannschaft, weil wir die entsprechenden Spieler haben, die auch in die Halbräume vorstoßen und die dann nutzen können.

Haben Sie für das Spiel am Samstag in Bonn bereits eine Startelf im Kopf?

Steinmann: Im Großen und Ganzen ja.

Welcher Spieler, glauben Sie, wird in der Rückrunde noch einen richtig großen Sprung machen?

Steinmann: Da will ich mich nicht auf einen festlegen. Ich hoffe, dass es mehrere oder vielleicht sogar alle sind. Ich sehe bei jedem Steigerungspotenzial. Alle haben sich weiterentwickelt, jeder weiß aber auch, dass noch mehr möglich ist.Und ich bin mir sicher, dass alle bereit sind, noch eine Schippe draufzulegen.

Der Bonner SC hat in der Winterpause kräftig aufgerüstet und in einem Testspiel Fortuna Köln geschlagen. Für die Sportfreunde gab es in der Hinrunde auswärts fast nichts zu holen. Was macht Sie zuversichtlich, dass es schon am Samstag in der Fremde besser läuft?

Steinmann: Wir müssen es in die Köpfe der Jungs reinkriegen, dass es egal ist, ob man daheim oder auswärts spielt. Wir müssen einfach unseren Stil spielen. Wir sind ja keine Mannschaft, die zuhause Hauruck spielt und in der Fremde mauert.

Hand aufs Herz, wie hoch schätzen Sie die Chancen auf den Klassenerhalt für die Sportfreunde ein?

Steinmann: Ich sehe sehr gute Chancen. Sonst wäre ich das Ganze nicht eingegangen. Es wird eine schwierige Aufgabe und einige Komponenten müssen zusammenkommen. Aber es ist auf jeden Fall machbar.

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