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Fußball: Allgemein

Plötzlich Schiedsrichterin: Vier Nachwuchsspielerinnen von Preußen Lengerich peilen Lizenz an

Lengerich

Bei Preußen Lengerich wollen vier Nachwuchsfußballerinnen in Zukunft als Schiedsrichterinnen arbeiten. Angst haben sie keine, aber Respekt. Michael Exner, Koordinator Frauen- und Juniorinnenfußball, weiß, dass das weibliche Geschlecht im Verein unterrepräsentiert ist.

Von Niklas Groß

Auf eine große Karriere (von links): Michael Exner (Koordinator Frauen- und Juniorinnenfußball), Sara Ramanan, Maresa Kahl, Pippa Hülsmeier und Schiedsrichter-Obmann Jan Büscher Foto: SC Preußen

Ein Abend im November. Auf der Versammlung der Fußballfrauen und -juniorinnen von Preußen Lengerich wird lebhaft diskutiert. Es geht um die Unterrepräsentation des Frauenfußballs im Allgemeinen und im Speziellen auch um eine ganz akute Thematik: Immer wieder müssen Spiele ohne Schiedsrichter bestritten werden. Die 16-jährige Maresa Kahl wirft dieses Problem auf, sie spielt für die B-Mädchen des SCP und hat schon das eine oder andere Mal die Erfahrung machen müssen, dass ein vom Gegner gestellter Aushilfs-Schiedsrichter dann doch latent parteiisch pfiff. Michael Exner, Koordinator Frauen- und Juniorinnenfußball, macht es kurz: „Da gibt es nur eine Möglichkeit“, sagt er in Richtung von Kahl. „Ihr macht einen Schiedsrichter-Schein.“ Mehr als nur ein Appell.

Zwei Wochen später ploppt bei Exner eine Ausschreibung des Kreises für den nächsten Schiedsrichter-Lehrgang auf. Er postet das Dokument in die Whatsapp-Gruppe. „Als Verein sind wir relativ gut aufgestellt, was die Schiedsrichter angeht. Aber Frauen sind hier absolut unterrepräsentiert“, sagt Exner. Kahl also spricht sich mit ihrer Freundin Sara Ramanan ab („Wenn du dabei bist, bin ich auch dabei“) – „und dann waren wir auf einmal vier“, erzählt sie. Denn auch Lillith Meyer von den B-Mädchen sowie Pippa Hülsmeier aus der C wollen mitmachen – „Plötzlich Schiedsrichterin“ ließe sich in Anlehnung an den Filmtitel „Plötzlich Prinzessin“ sagen.

Wobei Prinzessinnen so gar nicht gefragt sein dürften, wenn die vier Preußen-Mädels ihren Dienst an der Pfeife aufnehmen. Maresa Kahl glaubt, dass ihr dann der raue Wind des Amateurfußballs entgegenwehen wird. Vor allem, weil sie und ihre Mitstreiterinnen von Beginn an auch bei den Jungs eingesetzt werden. „Als Frau hat man es da eher schwerer. Ich habe schon früher, als ich bei den Jungs mitgespielt habe, nicht so gute Erfahrungen gemacht. Ich glaube, der eine oder andere wird es nicht so lustig finden, wenn ein Mädchen plötzlich seinen Sohn pfeift.“

Warum Kahl es trotzdem wagt? Um ihren Horizont zu erweitern, um eine andere Perspektive auf das Spiel zu gewinnen. „Das ist mal was ganz Neues. Ich spiele, seitdem ich klein bin. Jetzt muss ich zwei Teams statt einem im Blick haben.“ Wird schon (gut) gehen.

Jan Büscher ist Schiedsrichter-Obmann beim SC Preußen, er hat das Quartett für den nächsten Lehrgang angemeldet und wird auch bei den ersten Spielen dabei sein, Tipps geben. Der 18-Jährige pfeift Spiele bis zur Kreisliga A und begann in einem ähnlichen Alter wie die aktuellen Anwärterinnen mit der Schiedsrichterei. Er sagt, der Job an der Pfeife schule vor allem das Gefühl für den Umgang mit Menschen. Über allem stünde die Frage: Wie kann ich das Spiel leiten, ohne zu sehr einzugreifen. Überdies seien ein sicheres Auftreten gefragt und die Fähigkeit, über so manche Äußerung hinwegzuhören.

„Durchsetzungsvermögen“ nennt Kahl das und glaubt, dass sie Selbiges durchaus schon mitbringe – die Realschulabsolventin macht gerade eine schulische Ausbildung zur Kinderpflegerin, „da muss ich mich Tag für Tag bei den Kindern behaupten“, sagt Kahl und fügt an: „Auf dem Platz, als Schiedsrichterin, darfst du dich nicht von den Zuschauern beeinflussen lassen – dann kannst du es direkt knicken.“ Michael Exner ist optimistisch, dass das nicht passieren wird. „Ich kenne die Spielerinnen seit der E-Jugend. Das sind sehr charakterfeste, hochmotivierte Mädels.“

Ehe es wirklich losgehen kann, müssen sich Maresa Kahl, Sara Ramanan, Pippa Hülsmeier und Lillith Meyer allerdings noch ein wenig gedulden. Der Termin für ihren Lehrgang ist – coronabedingt – noch offen. Dabei stand das Quartett schon in den Startlöchern, war im Januar schon am Lehrgangsort Dreierwalde eingetroffen, als es in seinen Mails von der Absage des Lehrgangs-Termin las. „Aber wir haben eine Teilnehmerliste gefunden“, lacht Kahl. „Und da standen überwiegend Jungs drauf.“

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