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Para-Badminton: Großes Medieninteresse vor Paralympics-Premiere

Bekannt aus Funk und Fernsehen

lüdinghausen

Valeska Knoblauch (Union Lüdinghausen) bereitet sich derzeit auf ihre Paralympics-Premiere vor. Die 30-Jährige gilt vor allem in der Einzel-Konkurrenz als chancenreich. Würden nur nicht Zeitungen und TV-Sender ständig an ihr zerren.

Von Florian Levenig

Bereitet sich am Bundesstützpunkt in Mülheim auf die Paralympics vor: Valeska Knoblauch. Foto: flo

Allzu gerne, räumt Valeska Knoblauch ein, sitze sie eigentlich nicht vor der Kamera. So gesehen hatte die Para-Badmintonspielerin des SC Union Lüdinghausen in den vergangenen Wochen ein Problem. Zeitgleich mit den WN war ein Team der ARD im Bundesleistungszentrum Mülheim zu Besuch, um über die Vorbereitung der 30-Jährigen auf die Spiele von Tokio zu berichten. Auch das ZDF kam vorbei, gerade ist ein Text über sie im renommierten Tagesspiegel erschienen. Auf der anderen Seite helfe jeder Zeitungsartikel, jede TV-Sendung dabei, ihre Sportart ein bisschen bekannter zu machen. „Und das“, versichert Knoblauch glaubhaft, „ist mir ein echtes Anliegen.“

Möglich, dass der Medienrummel in Kürze sogar noch zunimmt. Schließlich gilt die Deutsche, zumindest im Einzel, als Medaillenanwärterin. Im „Race to Tokyo“, dem Qualifikationsranking, wird sie an Position zwei geführt, in der aktuellen Weltrangliste ist sie die Nummer drei. Also was jetzt? Silber oder Bronze? Knoblauch lacht: „Die Farbe wäre mir im Grunde egal.“ Und ja, sie fliege nicht nach Japan, um nur dabei zu sein oder Land und Leute kennenzulernen.

Selten im Rampenlicht

Letzteres ist coronabedingt eh gerade nicht möglich, sei aber nicht so wild, „da wir bereits mehrfach bei Turnieren in Japan waren“. Interessant ist die Frage, ob, anders als bei Olympia, Zuschauer in die Halle dürfen. Vor leeren Rängen zu spielen, ist für Knoblauch – leider – Alltag. Das öffentliche Interesse an Para-Badminton sei, außer vor großen internationalen Meisterschaften, eher gering: „Dass Leute in größerer Zahl auf der Tribüne sitzen, kenne ich eigentlich nur von der WM 2019 in Basel.“ Menschen, die ihren Namen riefen, sie anfeuerten, klatschten: „Das war eine völlig neue Erfahrung.“ Eine positive gleichwohl, weshalb sie nichts gegen ein bisschen Unterstützung in Tokio einzuwenden hätte.

Im Doppel tritt die Frau, die seit einem Unfall, da war sie 14, querschnittsgelähmt ist, mit Elke Rongen an. Für ihre langjährige Partnerin sind die ersten Spiele – Badminton war nie zuvor paralympisch – zugleich die letzten. Zu den Favoritinnen zählt das Top-DBV-Duo in dieser Disziplin eher nicht. „Kommen wir aus der Gruppe raus, wäre schon das eine tolle Sache“, so Knoblauch.

Weltspitze eng beisammen

Wie Chef-Bundestrainer Christopher Skrzeba die Chancen seines Schützlings einschätzt? „Ich denke, Valeska ordnet die Dinge ganz gut ein. Im Doppel ist aus meiner Sicht maximal Platz vier drin. Im Einzel kann sie um die Podestplätze mitspielen, aber auch früh ausscheiden. Die Weltspitze ist relativ eng beisammen. Vieles wird von der Tagesform abhängen – und davon, wie sehr sie die Berichterstattung zusätzlich unter Druck setzt.“

Am 24. August (Dienstag), Tag eins der Paralympics, macht sich das Nationalteam auf den Weg nach Japan. Je nachdem, wie weit die Nullachterin in Tokio kommt, darf sie an der Schlussfeier am 5. September (Sonntag) teilnehmen. Im Falle eines erfolgreichen Abschneidens steht laut Union-Chef Michael Schnaase zudem ein Empfang in Lüdinghausen im Raum – „vielleicht ja im Rahmen eines Bundesligaspiels in unserer neuen Leistungssporthalle“. Man darf annehmen, dass die inzwischen ziemlich medienerfahrene Valeska Knoblauch auch diesen Auftritt souverän meistern würde.

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