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Leichtathletik: Krebserkrankung

Blume-Tochter Feelias Trippelschritte zurück ins Leben

Lüdinghausen

Für Ex-Sprinter Marc Blume und seine schwerkranke Tochter Feelia war 2021 ein furchtbares Jahr. Zumindest in der ersten Hälfte. Inzwischen schöpft der gebürtige Lüdinghauser wieder Zuversicht.

Von Florian Levenig

So viel Alltag wie möglich: Feelia Blume beim Spielen daheim. Foto: Blume

„Danke für nichts.“ „Und tschüss.“ „Auf Nimmerwiedersehen.“ Man liest sie in diesen letzten Tagen des Jahres ja immer wieder in den sozialen Medien, die Abgesänge auf 2021. Weil wieder der Italiener um die Ecke vorübergehend dicht gemacht oder der Lieblingsbundesligist ein weiteres Mal vor leeren Rängen gekickt hat. Was einerseits verständlich ist, wofür auf der anderen Seite Marc Blume nur ein müdes Lächeln übrighätte – stünde ihm der Sinn danach. Denn für den einstigen Top-Sprinter war 2021 ein weiteres, wirkliches Horrorjahr. Zumindest die erste Hälfte, in der es nicht um Kurzarbeit und Kontaktbeschränkungen ging, sondern um das Leben seiner kleinen Tochter Feelia.

Blutkrebs. Blume erinnert sich noch genau an den Tag im Sommer 2020, als die niederschmetternde Diagnose kam – und mit ihr „der Mann mit dem Hammer“. Der gebürtige Lüdinghauser, der einst die 100 Meter in etwas über zehn Sekunden runtertrommelte, wählt ein Bild aus dem Marathon. Wenn bei Kilometer 30, 35 das Ärgste überwunden scheint und einem dann doch, von einem Moment auf den anderen, der Stecker gezogen wird. Wenn nichts mehr geht.

Team Blume: Marc und Tochter Feelia. Foto: Foto: Blume

Nur, dass im Falle des vielfachen Deutschen Meisters und Hallen-Europameisters Aufgeben nie eine Option war. Im März 2021 erfuhr ganz Deutschland vom Leiden der kleinen Feelia. Die großen Zeitungen und TV-Sender berichteten. Dieses eigentlich sehr private Schicksal öffentlich zu machen, sei ein bewusster Schritt gewesen, erklärt Blume. Um so rasch wie möglich die überlebensnotwendige Knochenmarkspende für die Tochter zu finden.

Erlösender Anruf

Und tatsächlich kam zwei Monate später der erlösende Anruf aus der Klinik in Münster. Ein passender Spender für die inzwischen Sechsjährige sei gefunden. Mit einem Mal war die Zuversicht zurück, dass sich die Dinge doch noch zum Guten wenden – wenngleich die Krankheit längst noch nicht besiegt war, sie es bis heute nicht ist. Chemotherapie, der mehrwöchige Krankenhausaufenthalt: Wie Feelia diese anhaltende Tortur wegsteckt? „Sie ist halt ein kleines Kraftpaket.“

Marc Blume feierte im Dress des TV Wattenscheid seine größten nationalen Erfolge. Foto: Foto: Imago

Wie der Papa, damals auf der Tartanbahn. Auch wenn ihre Genesung kein Kurzsprint ist. Rückfälle gibt es immer wieder. So wie kurz vor Weihnachten, als es Komplikationen mit einer Sonde gab. Der nächste Klinikbesuch. Blume hat gelernt, auf Sicht zu fahren. Im Wortsinn. In „normalen“ Wochen nehmen er und die tapfere Patientin die 75 Kilometer, die seinen Wohnort im ostwestfälischen Steinhagen vom Krankenhaus trennen, „ein, zwei Mal“ auf sich, in anderen „bis zu vier Mal“. Wann immer das Pflaster, mit dem Sonden und Katheter fixiert sind, gewechselt wird, „steht ihr die Panik auf der Stirn geschrieben“.

Aber es gebe eben immer wieder positive Momente. Das Haar wächst. Pinkfarbenes habe sich Feelia gewünscht. „Jetzt ist es doch wieder nur blond“, scherzt Blume. Da blitzt er kurz auf, dieser trockene Humor, mit dem die „schnellsten Zwillinge Deutschlands“, Marc Blume und Bruder Holger, einst Trainer wie Athleten zur Weißglut bringen konnten. Auch eine Möglichkeit, um sich selbst in der dunkelsten Phase des Lebens nicht unterkriegen zu lassen.

Finanzielle Sorgen

Zum Bangen um das jüngste Familienmitglied gesellten sich finanzielle Nöte. Das Sportgeschäft, in dem der seit Dienstag 48-Jährige arbeitete, meldete coronabedingt Insolvenz an. Laut Blume „bitter“, schließlich sind die medizinischen Kosten immens. Aber auch da wieder: das Gute im Schlechten. Menschen aus dem Dorf, „die coronabedingt selbst kaum was haben“, spendeten für die Kleine. Die Erstligafußballer aus dem benachbarten Bielefeld stifteten ein Trikot mit den Unterschriften sämtlicher Spieler. Im Januar wird ein Laufschuh, signiert von vielen Prominenten, versteigert.

DKMS

Wobei Geld ja nicht alles sei. „Andere Familien“, sinniert der Ex-Sprintstar, „haben ein viel größeres Päckchen zu tragen.“ Menschen, die vergeblich auf eine Stammzellenspende warten. Oder die, noch schlimmer, endlich eine bekommen, welche der Körper aber abstößt. Feelia hat die kritischen ersten 100 Tage nach der Transplantation überstanden. An drei Tagen in der Woche sitzt die Erstklässlerin vor ihrem Laptop, Homeschooling. Für die meisten Schüler im Land längst Alltag, für Feelia Blume einer von vielen kleinen Schritten zurück ins Leben. Und so endet 2021 für die Blumes, die es so viel schlimmer getroffen hat als all die pandemiemüden Menschen, tatsächlich mit einer Art Happy End.

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