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Badminton: Paralympics

Bock auf die Spiele, aber . . . – Valeska Knoblauch in Tokio dabei

Lüdinghausen

Valeska Knoblauch (Union Lüdinghausen) hat am Wochenende das Ticket für die Tokio-Spiele gelöst und damit ein Stück Geschichte geschrieben – zum ersten Mal ist die Sportart der 30-jährigen paralympisch. Bei aller Freude darüber bleibt ein gewisses Unbehagen.

Florian Levenig

Tritt bei den Sommerspielen im Einzel und im Doppel an: Valeska Knoblauch. Foto: Phelan/Badminton Europe

Wer meint, die Qualifikationskriterien im Badminton vor Olympischen Spielen seien höhere Mathematik, der liegt durchaus richtig. Es geht aber noch komplizierter, nämlich beim Rollstuhl-Badminton. Eine der vielen Besonderheiten: Wer die Quali-Hürde im Doppel nicht nimmt, darf in der Regel auch nicht im Einzel antreten. Was zu der absurden Situation hätte führen können, dass Valeska Knoblauch (Union Lüdinghausen), die Nummer zwei der Welt, bei den Paralympics zuschaut. Seit dem Wochenende aber sind alle Unklarheiten beseitigt, Knoblauch darf in Tokio starten – in beiden Wettbewerben.

Komplizierter Modus

Die Unionistin findet diesen gewöhnungsbedürftigen Modus – kein Einzel ohne Doppel – „ehrlich gesagt bescheuert“. Zwar hätte sie unter gewissen Umständen auch in ihrer Paradedisziplin allein antreten können, „aber so genau geht das aus den Regularien nicht hervor“. Um auf Nummer sicher zu gehen, mussten Doppelpartnerin Elke Rongen (BSG Aachen) und sie also beim ersten und einzigen Qualifikationsturnier nach 15-monatiger Wettkampfpause im spanischen Cartagena das Halbfinale erreichen.

Doch in der Runde der letzten acht unterlagen Knoblauch/Rongen knapp mit 1:2 der russischen Paarung Tatiana Gureeva/Irina Kuzmenko – die ihrerseits den Deutschen im Falle des Endspieleinzugs das Tokio-Ticket weggeschnappt hätte.

Keine Zitterpartie

Großes Zittern also bei der Unionistin? „Nee, mir war klar, dass die Russinnen im Vorschlussrundenduell mit den Thailänderinnen chancenlos sein würden.“ Und tatsächlich: Sujirat Pookkham/Amnouy Wetwithan fertigten Gureeva/Kuzmenko im Eiltempo ab (21:3, 21:8).

Knoblauch schreibt also ein Stück Sportgeschichte, Badminton ist 2021 zum ersten Mal paralympisch. Wie groß die Vorfreude ist? „Ich hab’ Bock auf die Spiele“, betont die amtierende Europameisterin, die, gerade im Einzel, in Tokio aufs Treppchen will. Es bleibe aber ein gewisses Unbehagen. Wie entwickele sich das Infektionsgeschehen in Japan, das just von einer zweiten Corona-Welle erfasst wurde? „Sind wir überhaupt willkommen?“ Während Politiker und Funktionäre unbeirrt an der Ausrichtung festhalten, gehen die Menschen in Fernost mehr und mehr auf Distanz.

Reduktion auf das Sportliche

Knoblauch sieht noch etwas anderes kritisch: „Die Paralympics leben von den Begegnungen mit anderen Sportlern im olympischen Dorf. Davon, dass man auf der Tribüne mitfiebert, gemeinsam feiert.“ All das werde im Sommer pandemiebedingt kaum möglich sein, „wir erleben eine Reduktion auf das rein Sportliche“.

Andererseits wären fünf Jahre harter Vorbereitung für die Katz’, sollten die Spiele doch noch abgesagt werden. Insofern trainiert die beste Deutsche fleißig weiter. Hofft, dass sich die Lage vor Ort bis zum Beginn der Paralympics am 24. August etwas entspannt. Zu den ersten Gratulanten nach der erfolgreichen Quali habe Union-Chef Michael Schnaase gezählt, freut sich Knoblauch – die im Gegenzug „alle Daumen drückt“, dass Lüdinghausen das Finalturnier um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Juni in Wipperfürth erreicht.

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