Badminton: Durchbruch

Die Reifeprüfung – Max Weißkirchens erster internationaler Titel jährt sich

Lüdinghausen

Im Juniorenalter eilte Max Weißkirchen (Union Lüdinghausen) von Erfolg zu Erfolg, auch und gerade auf europäischer Bühne. Anschließend geriet die Karriere des 24-Jährigen ins Stocken. Und dann? Kamen die „Austrian Open 2020“.

Von Florian Levenig

Vor ein paar Tagen fanden die „Austrian Open“ statt. Wer fehlte, war Max Weißkirchen. Eine leichte Zerrung, nichts Wildes, längst auskuriert. Auch gibt es bedeutendere Turniere als die offenen österreichischen Meisterschaften. Und trotzdem darf man annehmen, dass die Nummer eins des Badminton-Bundesligisten Union Lüdinghausen ihren Titel aus dem Vorjahr liebend gern verteidigt hätte. Die „Austrian Open 2020“: Sie waren eine entscheidende Weggabelung in der Karriere des Bonners.

Weißkirchen ist mit einer Menge Talent gesegnet. Die „intuitive Spielweise“ sei das große Plus des 24-Jährigen, erklärt Union- und Bundestrainer Christian Schnaase. In besonderen Momenten Schläge auszupacken, die keiner kommen sieht. Weißkirchen haben sie im Juniorenalter Erfolge am Fließband beschert. Erster in Kroatien, in Portugal, in Bulgarien, in der Slowakei, in Belgien. Dazu Gold im Mixed (mit der Lüdinghauserin Eva Janssens) und Silber im Einzel bei der U 19-EM in Polen.

Lange Durststrecke

Auf den ersten großen Senioren-Titel im Ausland aber musste der viermalige Deutsche Meister viele Jahre warten. „Meistens bin ich in der ersten oder zweiten Runde rausgeflogen. Oft genug habe ich nicht mal die Quali überstanden.“ Weißkirchen musste erst erkennen, dass seine Begabung allein nicht reicht, um auch die besten Erwachsenen in Europa in Bedrängnis zu bringen. Dass er, dem früher so viel zugeflogen war, jetzt hart für den Erfolg schuften musste.

„Aber Max hat sich der Situation gestellt“, lobt Schnaase. Weißkirchen sei ein professioneller Athlet geworden, reifer: „Er feilt an Schwächen, hat die Ernährung umgestellt und einen Mentalcoach an seiner Seite.“ Interessant. Man dachte ja immer, dass es diesem selten um einen Spruch verlegenen Typen nicht eben an Selbstbewusstsein fehlt. Und doch: „Die Arbeit mit dem Mentaltrainer hat extrem geholfen. Gerade die engen Dreisatzmatches hatte ich vorher allesamt abgegeben.“

Erlösender Moment

Jetzt ist der Lüdinghauser wieder da – gerade in der Crunchtime. Auch vor einem Jahr, in Wien, musste Weißkirchen zwei Mal über die volle Distanz, ehe er im Endspiel den Spanier Pablo Abián – zu der Zeit im internationalen Ranking knapp 100 Plätze höher notiert als der Deutsche – mit 22:20 und 21:15 bezwang. Ein „unbeschreibliches Glücksgefühl“ sei das gewesen, „mit Geld nicht zu bezahlen“.

Mit einem Schlag hatte sich der Nationalspieler in die Top-100 der Welt katapultiert (aktuell kratzt er an der 50er-Schwelle). Der Reifeprüfung in Wien folgten bärenstarke Auftritte in Odense („Denmark Open“) Saarbrücken („SaarLorLux Open“), Huelva („Spain Masters“) und Caldas da Rainha („Portuguese International Championships“). Selbst eine Corona-Erkrankung im Herbst 2020 vermochte den Unionisten nur kurzzeitig zu stoppen.

Dabei hat Weißkirchen laut Schnaase sein Potenzial noch gar nicht ausgeschöpft: „Wenn Max weiter an sich arbeitet, darüber aber die Lockerheit, die ihn auszeichnet, nicht verliert, dann kann es in der Weltrangliste für ihn noch deutlich nach oben gehen“. Einstweilen wird Weißkirchen seinen Kollegen am Bundesstützpunkt in Mülheim weiter auf die Nerven gehen: „Die stöhnen schon, wenn ich sie im Training zu einem Match herausfordere. Aber was soll ich machen?“, lacht Weißkirchen, „ich battle mich halt gern und überall.“

„Rocken das Ding“

Am Wochenende (12./13. Juni) nimmt Lüdinghausen am DM-Qualifikationsturnier in Saarbrücken teil. Der Erste und der Zweite sind beim Final Four sieben Tage später in Wipperfürth dabei. „Wir rocken das Ding“, verspricht Weißkirchen. 2018, mit Beuel, scheiterte er erst im Endspiel an Bischmisheim.

Startseite