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Fußball: Mehr KSG-Verfahren

Die Zündschnur wird kürzer – auch in Münster und Ahaus/Coesfeld

Lüdinghausen

Die Kreissportgerichte, das gilt für Münster wie für Ahaus/Coesfeld, haben deutlich mehr zu tun als vor der Pandemie. Ob es da einen direkten Zusammenhang gebe? Leider ja, meinen Berni Langener und Reiner Hartdorf.

Von Florian Levenig

Platzverweise nebst anschließender Rudelbildung und Bedrängen des Referees: Das gibt es nicht nur, wie auf diesem Archivbild, bei den Profis des SC Preußen Münster, sondern vermehrt auch in der Kreisliga. Foto: Jürgen Peperhowe

Und wieder ein C-Liga-Spiel mit äußerst unschönem Ende, diesmal in Ostwestfalen. Bei der Partie zwischen dem TSC Steinheim 2 und TuS Bad Driburg eskalierte das Geschehen kurz vor Ende der regulären Spielzeit, nachdem sich die Gastgeber um einen Elfer gebracht fühlten. „Wir wurden geschlagen, bis auf den Parkplatz verfolgt, aufs Blut beleidigt. Es gab Morddrohungen. Zudem wurde unser Bus beschädigt. Ich hatte Angst, pure Angst.“ So schildert der TuS-Trainer das Geschehen gegenüber einem regionalen Internetportal. Die zuständige Kammer war ebenfalls von der Schuld der TSC-Reserve überzeugt. Es hagelte empfindliche individuelle Strafen sowie der Ausschluss vom Spielbetrieb bis Ende 2022. Zwar wurde der in zweiter Instanz zur Bewährung ausgesetzt. Trotzdem fragt man sich: Was ist da los in Fußball-Westfalen? Und: Handelt es sich um krasse Verfehlungen Einzelner?

„Leider nein“, stellt Berni Langener, Vorsitzender des Kreissportgerichts Ahaus/Coesfeld, klar – und kann das anhand von Zahlen belegen: „Wir sind in der laufenden Spielzeit bereits bei Aktenzeichen 29 angelangt. In der gesamten Vorsaison waren es 35 Verfahren.“ Fast eine Verdoppelung also. Wobei Langener einschränkt, „dass darin auch jegliche Innenraumverstöße enthalten sind“. Die hatten bislang die Staffelleiter der Einfachheit halber mit einem 50-Euro-Bußgeld geahndet. „Wir wollten das aber ein bisschen rechtssicherer machen“, daher die Änderung.

Kein Extremfall wie in Ostwestfalen

Immerhin: Ein Fall wie der in Steinheim sei ihm bislang nicht untergekommen. Was auch mit der Präventionsarbeit im Kreis zu tun habe. „Gerade unser Vorsitzender Willy Westphal ist da sehr, sehr aktiv“, weiß Langener.

Trotzdem nähmen rassistische wie sexistische Beleidigungen gegenüber anderen Spielern oder den Schiris seit Beginn der Pandemie zu: „Das sehen wir ja auch in anderen Kreisen. Daher vermuten wir, dass es da einen Zusammenhang gibt. Dass die Zündschnur kürzer wird und die Leute aggressiver auftreten, seit der Lockdown vorbei ist – teilweise sogar in den Nachwuchsklassen.“

Schon 55 Verfahren

Reiner Hartdorf, KSG-Chef im Kreis Münster, sieht das ähnlich. Auch dort sei die Zahl der Spruchkammersitzungen zuletzt „signifikant gestiegen“. 55 Mal bereits mussten seine Kollegen und er seit dem Spätsommer verhandeln. Was auffalle: „Grobe Fouls, sonst ein Klassiker, tauchen in der aktuellen Statistik fast gar nicht auf.“ Stattdessen: Ausraster, Pöbeleien, Übergriffe.

Besonders hohe Wellen schlug der Fall Rroma Kultur Verein (WN berichteten). Der C-Ligist, dessen Spieler einen Referee verbal wie physisch attackiert hatten, steht – wie der TSC Steinheim 2 – unter verschärfter Beobachtung. Von einem dauerhaften Ausschluss hätten Hartdorf und Co. nur deshalb abgesehen, „weil mehrere Spieler glaubhaft versichert haben, dass es ihnen allein ums sonntägliche Kicken geht“. Trotzdem seien genau diese jetzt gefordert, auf Mitspieler, Fans und Funktionäre einzuwirken: „Bewährung heißt ja nicht, dass da jemand davonkommt.“ Sondern? „Beim nächsten noch so kleinen Vergehen ist Feierabend.“

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