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Radsport: Münsterland-Giro

Diese Gruppe oder keine – Niehues fährt lange voraus

Lüdinghausen/Münster

Sebastian Niehues (Team Bike Aid), 23 Jahre, erreichte das Ziel mit ein paar Minuten Rückstand auf Sieger Olav Kooij (Jumbo-Visma) als 108.. Trotzdem zählte der Lüdinghauser ohne Wenn und Aber zu den Gewinnern des Tages.

Top-Tag: Sebastian Niehues (r.) auf der Flucht. Foto: Niehues

Der kleine Bus von Team Bike Aid schien sich beinahe ein wenig schüchtern hinter dem durchaus protzigen Gefährt von Branchengigant Quick-Step Alpha Vinyl – um die 50 Erfolge in dieser Saison, darunter der Vuelta-Gesamtsieg und der WM-Titel für Remco Evenepoel – wegzuducken. Während es im Lager der belgischen Allesgewinner indes nach dem Münsterland-Giro am Tag der Deutschen Einheit seltsam still blieb (Platz sechs für Europameister Fabio Jakobsen war nicht ganz das, was sich das „Wolfpack“ vorgenommen hatte), war die Stimmung beim KT-Rennstall nebenan ziemlich ausgelassen. Und das hatte ganz wesentlich mit einem jungen Mann aus Lüdinghausen zu tun.

Hochzufrieden: Sebastian Niehues im Ziel. Foto: flo

Sebastian Niehues, 23 Jahre, war zwar mit ein paar Minuten Rückstand auf Sieger Olav Kooij (Jumbo-Visma) als 108. ins Ziel gekommen, zählte aber ohne Wenn und Aber zu den Gewinnern des Tages. Rund 175 Kilometer hatte eine erst fünf-, dann vierköpfige Fluchtgruppe um den Bike-Aid-Fahrer und dessen Teamkollegen Jesse de Rooij dem Profirennen den Stempel aufgedrückt.

Früh auf der Flucht

Niehues, wir erinnern uns (WN, 1. Oktober), hatte genau das – beim entscheidenden Antritt dabei sein – im Sinn gehabt, aber vorsorglich nicht unerwähnt gelassen, dass Plan und Ausführung nicht dasselbe sind – „weil ja mit Ausnahme der World-Tour-Mannschaften und ihren Supersprintern praktisch jeder das Ziel haben muss, wegzukommen“. Also um die 100 Starter.

Fünf schafften es schließlich (U 23-Meister Jannis Peter fiel später zurück), bei Rennkilometer fünf bereits – und doch keine Sekunde zu früh, wie der Steverstädter ausführt: „Es blieb nur ein klitzekleines Zeitfenster, da die Top-Teams bereits Druck machten.“ Diese Gruppe oder keine. Niehues stiefelte also mit allem, was er hatte, den übrigen Ausreißern hinterher.

Ab da war klar, wie das Rennen läuft. Jumbo, Bora und Co. würden das Geschehen im Peloton kontrollieren, die zeitig Ausgebüxten Berg- und Sprintwertung untereinander ausmachen. Niehues ging zuerst auf den Sieg in der Kletterwertung, wollte dann umswitchen, „aber bei den Zwischensprints hat bereits die Kraft gefehlt“. Egal, Platz drei in beiden Sonderwertungen. Stark. Und jeweils 200 Euro an Prämien für die Mannschaftskasse.

Lob vom sportlichen Leiter

Unbezahlbar dagegen die Gratiswerbung an der Spitze des Feldes. Stundenlang übertrugen Eurosport und WDR live, immer im Bild: der Schlaks aus dem südlichen Münsterland. Dem Sponsor dürfte das gefallen haben, dem sportlichen Leiter ebenfalls. Er könne „richtig, richtig stolz sein“, lobte Peter Mol Niehues. Beste Voraussetzungen für den Lüdinghauser, wenn in Kürze die Verträge für das kommende Jahr ausgehandelt werden.

Dass das Feld die Gruppe zehn Kilometer vor Münster kassierte, sei zwar schade gewesen, so der Lokalmatador, „aber vorhersehbar. Die World-Tour-Mannschaften wollten ihre Sieganwärter schon vor der ersten Zielpassage in Position fahren.“ Wie groß die Schmerzen waren, als es nach der langen Flucht noch drei Mal übers Kopfsteinpflaster am Prinzipalmarkt ging? „Ach, das ging. Die Zuschauer haben einen ja förmlich ins Ziel getragen. 50 000 Menschen jubelten den Berufsradfahrern laut Polizeiangaben allein in der Domstadt zu.

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