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Volleyball: Hilfsaktion

Ex-Coach Dachauer „tief berührt“

Lüdinghausen

Vasyl Dachauer war bis 2008 Jugendtrainer des SC Union Lüdinghausen. Ganz schön lange her. Vergessen haben sie den Ukrainer trotzdem nicht. Das beweist eine bemerkenswerte Spendenaktion seines Ex-Vereins.

Von Florian Levenig

Hat bis heute viele Freunde in Lüdinghausen: Vasyl Dachauer (r.), hier bei seinem Abschied 2008. Foto: chrb

Das letzte persönliche Treffen liegt auch schon wieder ein Weilchen zurück: „Das muss zu Beginn der Pandemie gewesen sein“, erinnert sich Niklas Domanik. Der Nachwuchstrainer des SC Union Lüdinghausen war auf Familienbesuch in Polen. An der Grenze zur Ukraine traf er dann Vasyl Dachauer, seinen alten Kumpel aus gemeinsamen 08-Tagen. „Nicht ganz einfach, wenn coronabedingt gerade die Schlagbäume in Europa runtergehen.“ So sei es ein kurzes, aber herzliches Wiedersehen gewesen: „Jeder, der Vasyl damals in Lüdinghausen kennenlernen durfte, weiß doch, dass er ein patenter Kerl ist.“

Vasyl Dachauer mit Töchterchen Anna-Marie Foto: red

Dachauer hatte bei Union einst mehrere Jugendmannschaften angeleitet, ehe seine Aufenthaltserlaubnis erlosch und es 2008 zurück in die Heimat ging. Der Kontakt sei aber nie abgerissen, erklärt Domanik. Eine Whats- App-Nachricht hier, ein Anruf dort. Und natürlich hat der Lüdinghauser auch am 24. Februar, dem Tag des Überfalls der Russen auf die Ukraine, zum Mobiltelefon gegriffen. Die gute Nachricht: Dachauer war zu dem Zeitpunkt bereits außer Landes. „Vasyl hatte einen Job als Lagerist im tschechischen Ostrava gefunden. Auch seine Frau und die zehnjährige Tochter waren bei ihm und damit in Sicherheit.“

Sorge um die betagten Eltern

Allerdings sei der 48-Jährige in Sorge um dessen hochbetagte Eltern, die weiter in der Ukraine ausharren: „Beide sind über 80 und leben in einem kleinen Dorf in der Westukraine. Der Krieg hat diese Gegend zum Glück noch nicht erreicht. Trotzdem treibt ihn das natürlich um.“ Besuchen könne er die Angehörigen derzeit nicht: „Vasyl würde, sobald er die Grenze überquert, sofort eingezogen. Er hätte zwar kein Problem damit, sein Vaterland zu verteidigen. Aber dann blieben Frau und Kind allein in einem fremden Land und ohne feste Bleibe zurück.“

Domaniks nächste Frage: „Wie können wir euch, Vasyl, unterstützen? Was braucht ihr am dringendsten?“ Die Antwort habe er beinahe erwartet: „Er sagte, ihm fehle nichts, anderen gehe es doch noch viel schlechter – typisch Vasyl.“ Er habe den alten Freund fast nötigen müssen, Hilfe anzunehmen.

2000 Euro gesammelt

Anschließend kurbelte Dachauers Ex-Verein eine bemerkenswerte Spendenaktion an. Binnen weniger Tage seien rund 2000 Euro zusammengekommen, berichtet 08-Finanzvorstand Friedhelm Prolingheuer. Aktive wie passive Mitglieder, der Förderverein, Ehemalige: Alle hätten in die Tasche gegriffen. Was einerseits eine Menge über den Zusammenhalt innerhalb der Union-Familie aussage, andererseits „aber auch zeigt, wie sehr Vasyls Wirken in Lüdinghausen nachhallt. Dass so viele Menschen ihn trotz der langen Zeit nicht vergessen haben.“

Und Dachauer? Sei „tief berührt“ gewesen, weiß Domanik aus direkten Gesprächen. Einen Teil des Geldes habe er bereits den Eltern zukommen lassen. Außerdem sei der Ex-Coach – bei aller Verzweiflung über die Barbarei in der Ukraine – schon wieder voller Tatendrang: „Vasyl unterstützt Landsleute, die es ebenfalls aus den Kriegsgebieten geschafft haben.“ Dirk Havermeier, der 08-Abteilungsvorsitzende, überlegt derweil, „ob es nicht nichtvielleicht eine Möglichkeit gibt, Vasyl und seine Familie nach Lüdinghausen zu holen.“

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