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Volleyball: Frauen-Verbandsliga

„Franz“ Jaeger trainiert nun den ASV Senden

Senden

Nach nur wenigen Wochen hat der ASV Senden schon wieder einen neuen Trainer. Matthias Jaeger, den alle Welt nur „Franz“ ruft, ist ein alter Bekannter in der Szene – nicht zuletzt beim Nachbarverein Union Lüdinghausen.

Von Christian Besse

Der Nachfolger von Iraj Shir Ali war zuletzt beim USC Münster tätig: „Franz“ Jaeger coacht nun die Verbandsliga-Volleyballerinnen des ASV. Foto: Christian Besse

„Ja, der Franz, der kann’s . . .“ besang Schlagerbarde Peter Alexander einst die Trainerkünste von Franz Beckenbauer, seinerzeit Teamchef der deutschen Nationalfußballer. Ein prophetisches Lied: Vier Jahre später wurde „der Franz“ mit seiner Mannschaft Weltmeister in Italien.

Weltmeister werden die Volleyballerinnen des ASV Senden wohl nicht, in dieser Saison auf keinen Fall. Nach drei 0:3-Niederlagen kämpfen die Blau-Weißen um den Klassenerhalt in der Verbandsliga. Nach der Entlassung des erst zu dieser Saison engagierten Iraj Shir Ali hat der ASV, wie schon berichtet, schnell einen Nachfolger gefunden: den ehemaligen DDR-Nationalspieler Matthias Jaeger, den aber alle Welt nur „Franz“ ruft. Warum das? Dazu später . . .

Seine neue Mannschaft hat er bereits das erste Mal gecoacht, beim 0:3 gegen den TSC Gievenbeck. Gesehen hatte er sie schon zwei Wochen zuvor, bei der ebenso klaren Niederlage bei Union Lüdinghausen 2. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass er bald selbst auf der ASV-Trainerbank Platz nehmen würde.

Mit Union verbindet Jaeger einiges, ebenso wie mit dem ASV. Die Lüdinghauser Herren (die gab es damals noch), coachte er von 1998 bis 2002. Mit dieser Mannschaft, in der unter anderem Jürgen Lummer und Frank Regenbogen spielten, stieg er von der Landes- über die Verbandsliga in die Oberliga auf. „Das waren vier sehr schöne Jahre“, erinnert sich „Franz“ Jaeger.

Fünf Mal Meister in der DDR

Die Frauen von Union trainiert heute Suha Yaglioglu, als langjähriger Coach der ASV-Frauen einer von Jaegers Vorgängern. „Suha kenne ich sehr gut.“ Bei Turnieren laufen sich die Beiden oft über den Weg, dann wird gefachsimpelt. Vielen Sendenern wird auch der Name Bert Schleichardt noch ein Begriff sein, der in den 2000er-Jahren mit den ASV-Herren (auch die gab es damals noch) um Regionalliga-Punkte kämpfte. Auch Schleichardt ist ehemaliger DDR-Nationalspieler und ein alter Freund von Jaeger. Inzwischen, bedauert dieser, habe sich man ein wenig aus den Augen verloren.

Mit dem SC Dynamo Berlin wurde der in Saalfeld (Thüringen) geborene Jaeger fünf Mal DDR-Meister. „Wir waren ein Aushängeschild“, erinnert sich der 56-Jährige. Nach der Wende wechselte der 2,02 Meter große Diagonalspieler zum SC Charlottenburg, mit dem er bis 1992 in der 1. Bundesliga aufschlug.

Dann zog er mit seiner Frau Silke, selbst langjährige DDR-Nationalspielerin, nach München, weil diese ein Engagement beim Bundesligisten Bayern Lohhof angenommen hatte. „Franz“ Jaeger wurde Co-Trainer. 1995 ging es nach Westfalen, wo er – als Nachfolger von Suha Yaglioglu – den Oberligisten Hamm coachte. Drei Jahre später heuerte bei den Herren in Lüdinghausen an. Silke Jaeger sollte 2006 die Union-Frauen übernehmen, mit denen sie 2009 Meister in der Verbandsliga wurde.

Aus Matthias wird „Franz“ – Olsenbande lässt grüßen

Zuletzt war „Franz“ Jaeger beim USC Münster aktiv, wo er die Ü 31-Damen coachte. Bis zum Januar dieses Jahres, als die Pandemie den Spielbetrieb flachlegte. Seitdem war der 56-Jährige, der hauptberuflich als Servicetechniker arbeitet, Volleyball-Frührenter. Bis ihn Ende der vergangenen Woche der Anruf einer alten Freundin erreichte – Steffi Venghaus von der ASV-Volleyballabteilung. In Senden werde dringend ein neuer Trainer benötigt . . .

Bleibt noch die Frage, warum Jaeger, Geburtsname Matthias, immer nur „Franz“ gerufen wird. „Als ich 1980 ins Internat kam, gab es eine Infotafel mit den Namen aller Schüler“, erinnert sich der neue ASV-Coach. „Und irgendein Spaßvogel hat meinen Namen dort in ,Franz Jäger Berlin‘ umgeschrieben.“ Hintergrund: Die Olsenbande, deren Krimikomödien in der DDR ähnlich populär waren wie Didi Hallervorden oder Otto Walkers im Westen, versuchte ihr Panzerknackerglück ständig an Tresoren der Marke „Franz Jäger Berlin“.

Die anonyme Umbenennung blieb an dem neuen Mitschüler hängen – für immer: „Seitdem nennt mich kein Mensch mehr Matthias.“

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