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Fußball: Kommentar

Heiko den Vogel zeigen

Heiko Vogel ist derzeit in etwa so beliebt wie der Bundesgesundheitsminister. Während man Jens Spahn indes kaum alles anlasten kann, was beim Impfen schiefläuft, stehe der Gladbacher U 23-Coach völlig zu Recht am Pranger, findet unser Autor.

Florian Levenig

In der Kritik: Heiko Vogel (l.). Foto: Jürgen Peperhowe

Heiko Vogel kann sich nicht benehmen. Das ist aktenkundig. Der Trainer der U 23 des VfL Borussia Mönchengladbach hatte, wie unsere Zeitung berichtete, in der Regionalligapartie der Jungfohlen gegen Straelen Ende Januar die Schiedsrichterassistentin aufs Widerwärtigste beleidigt. Verbunden mit dem Hinweis, Frauen hätten im Fußball eh nichts zu suchen. Was eine ziemlich gestrige Behauptung ist. Ein halbes Jahrhundert zuvor hatte selbst der DFB, ein Männerbund vor dem Herrn, entschieden, dass Frauen im Fußball unbedingt etwas zu suchen haben.

So richtig kochte das Thema hoch, als das Urteil des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) publik wurde: zwei Spiele Sperre, ein Bußgeld in Höhe von 1500 Euro (eine recht milde Strafe für ein so übles Vergehen, aber das nur nebenbei) und, jetzt kommt’s: Vogel muss sechs Übungseinheiten bei einer Damen- oder Mädchenmannschaft leiten. Ein Knaller.

Nun mag die zuständige Kammer Gutes im Sinn gehabt haben. Den Coach zu den Frauen schicken, damit der zu seiner möglichen Verblüffung feststellt, dass es die von den Sportverbänden so medienwirksam eingeforderten Werte wie Respekt und Fairness auf dem grünen Rasen tatsächlich gibt. Aber als Bestrafung? Ernsthaft? Man muss wirklich keine Gleichberechtigungsaktivistin sein, um den Richterspruch diskriminierend zu finden. Und hat nicht jemand, bei dem in der eigenen Erziehung etwas gewaltig schiefgelaufen ist, das Recht verwirkt, insbesondere Nachwuchskicker wie die vom Niederrhein anzuleiten? Junge Männer, denen man nicht nur etwas über ballferne Zehner oder asymmetrische Linksverteidiger beibringen sollte, sondern die auch und vor allem einen Kompass fürs Leben brauchen? Ein längeres Berufsverbot als das just verhängte über 14 Tage: Das wäre eine Strafe gewesen, die den Namen verdient. Jenen Frauen, die das zweifelhafte Vergnügen haben, demnächst sechs Nachmittage mit dem 45-Jährigen zu verbringen, bleibt da nur: dem Mann den Vogel zu zeigen.

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