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Volleyball: Frauen-Oberliga

In Lüdinghausen angekommen

Lüdinghausen

Yuliana Denys und Dasha Yehorova sind im Münsterland angekommen. Die beiden jungen Frauen spielen für den Volleyball-Oberligisten Union Lüdinghausen. Dabei sind die Hintergründe ihres Umzugs nach Deutschland ausgesprochen traurig: Denys und Yehorova kommen aus der Ukraine.

Von Christian Besse

Yuliana Denys und Dasha Yehorova spielen für Regionalliga-Absteiger Union Lüdinghausen. Von links: Co-Trainer Oliver Freitag, Denys, Trainer Suha Yaglioglu, Yehorova und Dirk Havermeier aus dem Abteilungsvorstand von Union. Foto: Christian Besse

Täglich nehmen Yuliana Denys und Dasha Yehorova mit ihren Angehörigen und Freunden Kontakt auf, über Telegram oder Roaming – manchmal „drei- bis viermal täglich“, so Yehorova. Es ist nicht Heimweh, was die beiden jungen Frauen, die seit dem Sommer in Lüdinghausen leben, so oft zum Handy greifen lässt. Es ist die Sorge. Denys und Yehorova kommen aus der ­Ukraine und wollen wissen, ob bei ihren Angehörigen alles in Ordnung ist. Denn das ist nicht selbstverständlich: Obwohl die Russen sich aus vielen Städten, die sie seit Kriegsbeginn erobert hatten, inzwischen wieder zurückziehen mussten, sind die von ihnen abgefeuerten Raketen immer noch eine Bedrohung. Besonders groß waren die Sorgen am 10. Oktober, als Putin Städte in der ganzen ­Ukraine unter Beschuss nehmen ließ. „Das war ein schrecklicher Tag für uns“, sagt Yehorova, die aus dem noch immer von den Russen besetzten Mariupol stammt.

Dasha Yehorova

Anders als viele ihrer Landsleute, die seit Kriegsbeginn am 24. Februar ihr Hab und Gut packten, um sich vor den russischen Panzern in Sicherheit zu bringen, sind die 18-Jährige und die ein Jahr ältere Yuliana Denys auf Einladung in Deutschland – und zwar der Volleyball-Abteilung von Union Lüdinghausen. Der Verein hatte die Idee, in der Ukraine nach nun sportlich heimatlosen Talenten zu suchen. Vasyl Dachauer, ehemaliger Union-Trainer und selbst Ukrainer, der in Lüdinghausen lebt, ließ also seine Kontakte spielen.

Yehorova lebte damals schon in Lwiw (früher Lemberg), nachdem sie mit ihren Eltern aus dem umkämpften Mariupol geflohen war. Beim Beachvolleyball lernte sie Denys und Anastasia Lypska kennen, die beide aus Lwiw stammen. Als das Trio von dem Angebot aus Deutschland hörte, meldete es sich bei Dachauer. Nach einer 22-stündigen Zugfahrt kamen die drei Spielerinnen schließlich in Dortmund an und wurden dort von Union-Jugendtrainerin Christine Drees abgeholt.

Für Lypska war der Aufenthalt in Lüdinghausen nach einigen Wochen wieder zu Ende – das Heimweh war zu stark, sie ist inzwischen wieder in der Ukraine. Denys und Yehorova sind geblieben, in der Stadt und bei Union. Die Erwartungen, die der Verein in sie gesetzt hat, haben sie längst erfüllt. Beim Regionalliga-Absteiger Union steht Denys als Diagonalspielerin und Yehorova im Außenangriff auf dem Parkett. Letztere hilft hin und wieder auch in der zweiten Mannschaft (Verbandsliga) aus und spielt zusätzlich noch in der U 20 von Union.

Union-Trainer Suha Yaglioglu

„Sie haben sich gut inte­griert, sind aber noch dabei zu lernen“, sagt Suha Yaglioglu, Trainer der ersten Mannschaft. „Vor allem Da­sha ist ja sehr jung. Es ist für beide nicht so leicht, wenn man die Sprache nicht kennt.“ Davon abgesehen jedoch: „Sie sind eine gute Unterstützung für uns“, sagt der Coach des Oberligisten. Oliver Freitag, Trainer der zweiten Mannschaft, der bei den Spielen der Ersten mit auf der Bank sitzt: „Beide verfügen über eine enorme Energie. Yuliana bringt eine hohe Athletik und eine große Sprungkraft mit, Dasha mehr das Kämpferische.“

Auch menschlich sind die Ukrainerinnen Teil des Teams. Die Spielerinnen treffen sich hin und wieder nach dem Training, zum Beispiel zum gemeinsamen Bowling. Waren Denys und Yehorova zunächst in der Flüchtlingsunterkunft der Evangelischen Kirche untergebracht, haben sie inzwischen mithilfe von Union eine gemeinsame Wohnung gefunden. An das im Vergleich zu Lwiw und Mariupol sehr beschauliche Lüdinghausen mit seinen 25 000 Einwohnern mussten sich beide erst noch gewöhnen – und an den Menschenschlag im Münsterland. „Lüdinghausen ist wunderschön, aber die Menschen in der Ukraine sind emotionaler“, sagt Yuliana Denys. Und Dasha Yehorova ist noch eines aufgefallen: „Wenn ich nach dem Training mit dem Fahrrad nach Hause fahre, sehe ich so viele Kaninchen. Das gibt es bei uns zu Hause nicht.“

Wann die beiden wieder in ihr Heimatland zurückkehren, steht noch in den Sternen. Zunächst einmal wollen sie bis zum Saisonende bleiben – und ihrer Mannschaft beim Projekt Wiederaufstieg in die Regionalliga helfen.

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