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Leichtathletik

Matthias Kleinert: Die Ein-Mann-Schlacht von Leipzig

Lüdinghausen

Beim Halbmarathon in Leipzig sah Matthias Kleinert nach dem Start und vor dem Ziel das Völkerschlachtdenkmal, das an den Sieg über Napoleon erinnert. Auch der Lüdinghauser focht eine Schlacht aus – nicht gegen Napoleon, sondern gegen den inneren Schweinehund.

Lohn für all die Plackerei: die Teilnehmerplakette, hier fotografiert vor dem Wahrzeichen der Leipziger Messe. Foto: Matthias Kleinert

Der Lüdinghauser Leichtathlet Matthias Kleinert – Spezialität Halbmarathon – hat jetzt den Lauf in Leipzig unter seine Füße genommen. Beim Eintreffen in der Messestadt hatte der erfahrene Sportler „den Eindruck, dass ich gut in Form war. Dass es am Ende nicht nur laufend über die Gefechtsfelder der Völkerschlacht ging, sondern der gesamte Halbmarathon für mich ebenfalls zur Schlacht werden würde, war da noch nicht zu erahnen“.

Laut Veranstalter sollte überall Maskenpflicht herrschen, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden könnte. „Aus Hamburg, im letzten Jahr, kannte ich das auch noch und ja, es funktioniert eigentlich sehr gut, erst nach dem Start die Maske abzunehmen. Leider hielten sich hier kaum Leute an die Maskenpflicht. Und daran erinnert wurde leider auch nicht. Manche Dinge muss man eben einfach nicht verstehen.“

Ziemlich gut auf den Countdown abgestimmt, gab eine Kanone den Startschuss und das rund 2000 Läufer starke Teilnehmerfeld setzte sich – mit direktem Blick auf das Völkerschlachtdenkmal – in Gang. Die Pacemaker waren im Unterschied zu dem historischen Wahrzeichen nicht zu sehen.

Nach zwei Kilometern erreichte der Tross die Chemnitzer Straße, von der aus die Plattenbauten der Lene-

Voigt-Straße zu sehen waren, die Kleinert auch von innen kennt: Hier wohnten einst Verwandte.

Kilometer acht – endlich eine Wasserstation. „Ich merkte bereits, dass ich am Limit lief“, so der Lüdinghauser. „Die ersten Kilometer war ich scheinbar zu schnell gestartet. In der Nachschau betrachtet mit einer Pace deutlich unter 4:40 Minuten/Kilometer. Das rächte sich nun. Wo waren die Pacemaker?“

Weniger Kilometer weiter kamen die Läufer in das Wachauer Wäldchen. „Eine herrliche Landschaft bot sich uns, aber ich war gefühlt am Ende. Ich hatte das Gefühl, es gehe stetig bergan. Laufen wie in Teig. Andere überholten mich. Schrittpausen. Dann wieder eine Wasserstation. Dann konnte ich sehen, wie es wieder nach rechts auf die Felder ging – zum Wendepunkt. Dieser lag aber noch gefühlt eine Ewigkeit entfernt, und ich wollte doch einfach nur zurück und dem Ganzen ein Ende bereiten.“

Auf eben diesen Feldern hatte sich 1813 die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wohl größte Schlacht der Weltgeschichte abgespielt, die Napoleon zum Rückzug gezwungen hatte. „Ich erreichte jetzt aber erst einmal meinen eigenen Wendepunkt. Einmal scharf gedreht, und es ging endlich zurück. Die ewige Kurverei sollte ein Ende haben.“

Kleinerts Pace war mittlerweile „jenseits von gut und böse“ – deutlich über 5:30 min/km, vielfach auch deutlich über sechs Minuten. „Der Lauf war im wahrsten Sinne des Wortes für mich gelaufen. Nun noch wieder am Völkerschlachtdenkmal vorbei und in Höhe der Messe Leipzig durch das große „M“. Noch einmal versuchen durchzuziehen, schließlich ein Lächeln für das Zielfoto. Es war geschafft.“

Mit 1:57:39 Stunden erreichte Matthias Kleinert unter den 1.457 Finishern Gesamtplatz 842. In der AK-Wertung reichte es noch für Platz 89 (130). in der Genderwertung für Platz 685 (1012).

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