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Fußball: Kreisliga A 2 Ahaus/Coesfeld

Mehr Brasilien wagen – Nazarenus coacht Fortuna Seppenrade

Seppenrade

Fortuna Seppenrade hat einen Cheftrainer für die kommende Spielzeit gefunden. Artur Nazarenus heißt der Mann, ist 34 Jahre jung und Novize im Senioren-Bereich. Umso beeindruckender liest sich die fußballerische Vita des Selmers.

Von Florian Levenig

Ein Team: Thomas Oesteroth (l.) und der künftige Fortuna-Cheftrainer Artur Nazarenus. Foto: flo

Artur Nazarenus muss sich ein bisschen bremsen. „Selbstverständlich“ werde er Thomas Oesteroth nicht dazwischenfunken in den kommenden Monaten: „Thomas soll und muss seine eigenen Erfahrungen als Chefcoach machen, das ist eine schöne Geschichte für ihn, gerade weil er dem Verein seit so vielen Jahren verbunden ist.“ Seinen Senf gebe er nur dazu, wenn der Interimstrainer ihn explizit darum bitte. Denn noch ist Nazarenus ja nicht in Amt und Würden, offiziell übernimmt der 34-Jährige den Trainerposten beim Fußball-A-Ligisten Fortuna Seppenrade am 1. Juli.

Aktuell kickt der Mann „nur so zum Spaß“ in der Kreisliga C, bei Westfalia Wethmar. Ausgelastet ist er damit nicht, zumal „meine müden Knochen selten mehr als 20 Minuten schaffen“. Deshalb hatte er eben auch Zeit, sich das Spiel der Schwarz-Gelben am Sonntag gegen Schlusslicht Gescher 2 (4:2) anzuschauen. Und sollte Oesteroth ihn um eine Einschätzung bitten – aber wirklich nur dann –, würde er ihm sagen, was ihm am Auftritt der Elf aus dem Rosendorf missfallen hat: „Dass Seppenrade beim Stand von 3:0 zu passiv geworden ist.“

Konkrete Spielidee

Nazarenus hat eine sehr konkrete Spielidee: „Agieren“ solle die Mannschaft, die er künftig coachen wird, „nicht schauen, was der Gegner macht“, „hoch pressen“, „attraktiven Offensivfußball“ darbieten. Solche Sachen. Obschon es seine erste Trainerstation im Seniorenbereich sein wird, ist der Selmer lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass man für das, was er mit der Fortuna vorhat, das entsprechende Personal braucht: „Mit elf norwegischen Holzfällern kannst du schlecht brasilianisch spielen.“

Die gute Nachricht: Mit Leuten wie Ex-Profi Tammo Harder, dem agilen Youngster Sven Majewski oder Mittelfeldlenker Bastian Blechinger verfüge Seppenrade sehr wohl über Ballzauberer südamerikanischer Prägung. Er selbst, räumt Nazarenus ein, sei als Spieler eher einer „für die einfachen denn für die verrückten Dinge“ gewesen. Defensiver Sechser, verlässlicher Außenverteidiger – das aber in jungen Jahren hocherfolgreich: Mit dem VfB Lübeck wurde er Norddeutscher Jugendmeister. Bei den Profis an der Lohmühle, damals Zweitligist unter dem jungen Coach Dieter Hecking, trainierte er mit, ehe ihn die erste von mehreren Knieverletzungen zurückwarf.

„Kind des Nordens“

Bei der U21 des SV Werder Bremen unternahm das „Kind des Nordens“, aufgewachsen in Hamburg, später einen zweiten Anlauf Richtung Bezahlfußball. „Klar“ habe er damals diesen Traum gehabt, „vielleicht hätte es sogar fürs Bundesligaunterhaus gereicht“. Aber irgendwann sei ihm bewusst geworden, dass sein Körper nicht so wolle wie er. Trotzdem hat es noch für ein paar Jahre auf höchstem Amateur-Level gereicht – in der Schleswig-Holstein- (SV Eichede) und der Bremen-Liga (TuS Schwachhausen), in etwa vergleichbar mit der hiesigen Oberliga.

Der Liebe wegen in den Altkreis

„Eine beeindruckende Vita“, finden der Fortuna-Vorsitzende Helmut Nottenkämper und Fußball-Chef Max Kemmann. Auch sonst habe Nazarenus, der in Lüdinghausen als Vertriebler in der Autobranche arbeitet, in den Gesprächen mit den Entscheidern einen exzellenten Eindruck gemacht. Ins Münsterland sei er vor ein paar Jahren „der Liebe wegen“ gekommen, seit Kurzem ist er Vater einer „wundervollen Tochter“. Demnächst hat er also im Rosendorf eine Art Zweitfamilie. Die Anlage mit den beiden Kunstrasenfeldern sei „herausragend“, in der Mannschaft stecke „jede Menge Potenzial“ – und mit Oesteroth, der 2022/23 wieder den Co-Trainer-Posten übernimmt, wisse er jemanden an seiner Seite, „der in puncto Fußball ganz ähnlich tickt und den Verein so gut kennt wie kaum ein anderer“. Was ihm den Einstieg ungemein erleichtere. Auch sehe er den künftigen Assistenten keinesfalls als bloßen Zuarbeiter: „Ich verstehe uns ganz klar als Tandem.“ Ähnliches gilt für den Rest dieser Spielzeit, in der Sven Heimann Oesteroth an der Seitenlinie unterstützt.

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