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Leichtathletik: Seniorin

Nachkommastellen Nebensache – Für Ulla Becker zählt das „gute Gefühl“

Lüdinghausen

Ulla Becker, 78 Jahre jung, hat in ihrem Leben fünf Marathons, einige 21-Kilometer-Wettbewerbe und ungezählte Volksläufe bestritten. Zeiten wie Platzierungen interessieren die Frau vom Lauftreff Lüdinghausen dabei nur am Rande.

Florian Levenig

Für Ulla Becker, eingerahmt von den Lauftreff-Kollegen Sascha Köcher (l.) und Walter Pernhorst, bis heute eine Pflichtnummer: der Lüdinghauser Stadtfestlauf. Foto: Michael Beer

Natürlich kann Ulla Becker – wie jeder, der die 42-und-ein-bisschen Kilometer mal erfolgreich absolviert hat – die Zahl der Marathons (drei in Münster, zwei in Berlin) runterrattern. Auch ihre Bestzeit (4:10 Stunden) hat die Lüdinghauserin auf Anhieb parat. Aber, versichert die sehr fitte 78-Jährige glaubhaft, um persönliche Rekorde oder Finisher-Medaillen sei es ihr beim Laufen nie gegangen. Was sie stattdessen bis heute antreibt? „Das gute Gefühl, wenn man sonntags morgens ein Stündchen unterwegs war, anschließend geduscht und gefrühstückt hat. Dann ist der Tag gerettet.“

Ihre Leidenschaft begann „aus einer Partylaune heraus“, erinnert sich die Steverstädterin. Da war sie 50. Drei Jahre später lief sie beim Berlin-Marathon mit. „Streng nach Lehrbuch“ habe sie sich nie vorbereitet auf die Königin aller klassischen Distanzen, „eher so aus dem Bauch heraus“.

Neben dem „guten Gefühl“, mal wieder die körperlichen Grenzen ausgelotet zu haben, schätzt die Steverstädterin das Flair der großen Volksläufe. Als ihr 2013 in Münster die Enkel, damals fünf und sieben Jahre, auf der Strecke entgegenkamen, „das war schon toll“. Dass sie anschließend dem WDR Rede und Antwort stehen musste, habe ihr dagegen weniger behagt: „Ich stehe nicht so gern im Rampenlicht.“ Noch Wochen später hätten Menschen in ihrer Heimatstadt gerufen: „Da kommt die Marathon-Oma aus dem Fernsehen.“

Entspannte zehn Kilometer

Das mit dem Marathon habe sich inzwischen eh erledigt, „ich muss mir ja nichts mehr beweisen“. Denn: „Während der heißen Vorbereitungsphase besteht das Leben nur mehr aus Training, Essen und Schlafen. Da würde mir heute was fehlen.“ Die zehn Kilometer schafft sie dagegen weiter „relativ entspannt“. Auch unter Wettkampfbedingungen, wie zuletzt bei den Stadtfestläufen in Lüdinghausen oder der polnischen Partnerstadt Nysa, wo sie fast immer als älteste Teilnehmerin ausgezeichnet wird.

„Eigentlich“, lacht Becker, „sollte Schluss sein, sobald ich die Strecke nicht mehr unter einer Stunde schaffe“. Sie lasse sich dann aber doch immer wieder breitschlagen, zuletzt benötigte sie etwas über 60 Minuten. „Notfalls gehe ich halt runter auf die fünf Kilometer“, sagt die Lüdinghauserin, die hofft, dass das größte Lauf-Event in der Stadt Mitte September kein zweites Mal abgesagt wird.

Ansonsten lasse sie sich von Corona nicht unterkriegen. Auch während der Pandemie schnüre sie zweimal in der Woche („außer bei Schnee und Glatteis“) die Sportschuhe – entweder mit Freunden vom Lauftreff Lüdinghausen oder der eigenen Hobbygruppe „Treppe rückwärts“, der sie seit der Gründung vor fast drei Jahrzehnten angehört (und die so heißt, weil der Muskelkater am Tag nach einer Ausdauereinheit das Stufensteigen erheblich erschwert). „Leider sind wir ja derzeit nur zu zweit sowie mit Abstand unterwegs.“ Sich mit alten Freunden während des Laufens auszutauschen oder neue kennenzulernen: Das sei doch viel wichtiger als irgendwelche Nachkommastellen bei der Zeitnahme.

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