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Schwimmen: Ex-Triathletin durchquert Bodensee

Nur kurz vom rechten Weg abgekommen

Lüdinghausen

Anne Wilner war jahrelang fester Bestandteil des Triathlon-Teams von Union Lüdinghausen. Inzwischen hat sie sich aufs Schwimmen verlegt. Jetzt hat die 55-jährige ihre bisher längste Strecke zurückgelegt: 12,7 Kilometer quer durch das größte Binnengewässer Deutschlands.

-chrb-

Erschöpft, aber glücklich: Anne Wilner hat nach 12,7 Kilometern Schwimmen wieder festen Boden unter den Füßen. Foto: privat

Anne Wilner war jahrelang fester Bestandteil des Triathlon-Teams von Union Lüdinghausen. Inzwischen hat sie sich aufs Schwimmen verlegt, die längeren Distanzen sind jedoch nach wie vor ihr Ding. Jetzt hat die 55-jährige Steverstädterin ihre bisher längste Strecke zurückgelegt: 12,7 Kilometer quer durch das größte Binnengewässer Deutschlands.

Als sie vor vier Jahren mit ihrem Mann eine Radrundfahrt um den Bodensee unternahm, kam ihr die Idee, das Gewässer einmal zu durchschwimmen – zumindest quer, denn längs beträgt die Distanz zwischen beiden Ufern immerhin 64 Kilometer. Quer ist die Herausforderung nicht ganz so groß, für reine Hobbyschwimmer aber immer noch zu anspruchsvoll: Elf Kilometer trennen die Orte Friedrichshafen (Deutschland) und Romanshorn (Schweiz). Eine Strecke, die Anne Wilner bisher noch nicht zurückgelegt hatte – aber machbar, so ihr Gedanke.

Tatsächlich bietet die „Bodenseequerung“, ein Wettbewerb für Marathonschwimmer, einmal jährlich diese Strecke an – in Begleitung von DLRG-Booten, die die Teilnehmer im Auge behalten, denn diese Distanz ganz auf eigene Faust bewältigen zu wollen, wäre dann doch zu gefährlich.

„Ich hatte schon vor zwei Jahren vor, die ,Bodenseequerung‘ zu machen“, sagt Wilner. Doch dann kam das Virus. „Durch Corona hatte ich lange keine Möglichkeit zu trainieren, und Wettbewerbe wurden auch abgesagt.“

Am vergangenen Samstag war es dann aber soweit. 100 Starter hatten gemeldet – 71, unter ihnen die Lüdinghauserin, stiegen tatsächlich am Ufer von Friedrichshafen ins Wasser. Der Rest hatte passen müssen, wegen Corona. Im Neoprenanzug nahm Anne Wilner den Kampf gegen die Zeit, vor allem aber gegen den inneren Schweinehund auf. Immer neben ihr, befestigt an einem Bauchgürtel, schwamm eine rote, deutlich sichtbare aufblasbare Boje auf dem Wasser. Diese Boje ist Pflicht für jeden Teilnehmer, damit die Rettungskräfte auf den begleitenden DLRG-Booten die Schwimmer nicht aus den Augen verlieren.

Tatsächlich kam Wilner eines dieser Boote zu Hilfe – nicht etwa, weil sie die Kondition verlassen hätte, sondern weil sie zu weit von der Ideallinie zwischen beiden Ufern abgekommen war. „Es war eine schwierige Orientierung, es herrschte hoher Wellengang und man konnte das andere Ufer nicht sehen“, so die Lüdinghauserin. Die DLRG lotste sie wieder zurück auf die vorgedachte Route. Immerhin hatte sie durch den „Abstecher“ am Ende noch 1,7 Kilometer mehr auf ihrer Smartwatch stehen als ursprünglich geplant. Nach 4:21 Stunden stieg Wilner im schweizerischen Romanshorn wieder aus dem Wasser – als Fünfte ihrer Altersklasse.

Rund 300 Kilometer hatte die ehemalige Triathletin von Januar bis Juli 2022 zur Vorbereitung auf die „Bodenseequerung“ zurückgelegt – im Hallenbad, im Freibad und nicht zuletzt im Kanal, auch dort schon mit der Boje stets neben sich. Die Erfahrung mit dem Marathon im Bodensee möchte die 55-Jährige, die seit vier Jahren auch für den TuS Hamm startet, nicht missen. Ganz im Gegenteil: „Ich würde das gerne noch einmal machen.“

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