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Fußball: Kreisliga A 2 Ahaus/Coesfeld

Scheiden tut weh – emotionaler Abdul-Latif-Abschied

Seppenrade

Mahmoud Abdul-Latif wollte nach dann fünf Jahren als Coach des SV Fortuna Seppenrade seinen Posten im Sommer zur Verfügung stellen. Das war der Plan. Doch die Trennung, sie kam schneller als gedacht.

Von Florian Levenig

Viereinhalb – überwiegend erfolgreiche – Jahre hat Mahmoud Abdul-Latif die Fußballer des SV Fortuna Seppenrade angeleitet. Foto: Johannes Oetz

Als die Spieler des SV Fortuna Seppenrade später am Abend Spalier stehen und dem scheidenden Coach applaudieren, da verdrückt Mahmoud Abdul-Latif sogar ein paar Tränen. Die Trennung: Sie hinterlässt Spuren – bei allen.

Der Entschluss, dem Trainer nach viereinhalb Jahren den Laufpass zu geben, sei „extrem emotional“ gewesen, erklärt Fußballchef Max Kemmann: „Mahmoud hat ja nicht nur über einen langen Zeitraum tolle Arbeit hier geleistet. Er ist auch ein Freund geworden, war bei meiner Hochzeit – und bleibt dem Klub hoffentlich gewogen.“ Während Seppenrades Vorsitzender Helmut Nottenkämper betont, Abdul-Latif, dem die Familie bekanntermaßen über alles geht, bleibe, nebst Frau und Töchterchen, selbstredend Teil der großen Fortuna-Familie.

Auch der Betroffene selbst „würde nie etwas Schlechtes über den Verein sagen“. Obschon man merkt, dass es in ihm arbeitet. Wie Kemmann, Nottenkämper, Abdul-Latif und Co-Trainer Thomas Oesteroth, der den A-Ligisten bis zum Saisonende coachen wird, im Klubheim beisammensitzen; wie sie mit ihren Gefühlen und Worten ringen (und nichts in den Mund nehmen, was auch nur im Entferntesten nach Rauswurf klingt), da fragt man sich schon: Was ist da schiefgelaufen im Rosendorf?

Dinge haben sich eingeschliffen

Im Frühherbst sei in ihm der Entschluss gereift, dass es das Beste für beide Seiten sei, Mitte 2022 was Neues zu probieren, so Abdul-Latif: „Dinge schleifen sich nach fast fünf Jahren ein, davon nehme ich mich nicht aus. Gerade wenn, wie in Seppenrade, der Spielerstamm in der Zeit nahezu unverändert geblieben ist – sieht man von den A-Jugendlichen ab, die es zuletzt in den Kreis der Ersten geschafft haben. Und wenn man diese Entscheidung früh kommuniziert, dann hat der Verein alle Zeit der Welt, einen Nachfolger zu suchen.“

Die jüngste sportliche Talfahrt – bedingt vor allem durch eine Vielzahl an Verletzten – habe dabei „ausdrücklich keine Rolle gespielt“, versichert der 39-Jährige. Von dessen Vorstoß der Vorstand dem Vernehmen nach nicht sonderlich begeistert war. Schließlich hatte Abdul-Latif die Schwarz-Gelben gleich im ersten Jahr seiner Trainerschaft zum Titel in der B-Liga geführt und anschließend auf Anhieb im Kreisoberhaus etabliert.

Bekanntgabe nach Holtwick-Spiel

Trotzdem kam man überein, die Mannschaft nach dem 0:2 gegen Holtwick ins Bild zu setzen – um die Spieler zu kitzeln, wie es heißt. Impulse zu schaffen, um die Saison gemeinsam vernünftig zu Ende zu bringen. Nur habe sich der erhoffte Effekt nicht eingestellt, so Kemmann. Deshalb vor sieben Tagen die Freistellung. Bereits beim 0:1 in Hausdülmen trug Oesteroth die alleinige Verantwortung.

„,Oesi‘ ist ein großes Trainertalent, das wir behutsam fördern“, macht Nottenkämper klar. Trotz seiner erst 35 Jahre ist Oesteroth seit Ewigkeiten im Geschäft, coachte zunächst den Fortuna-Nachwuchs und später die Reserve. Sein Vorgänger schildert ihn als „extrem wissbegierig“ und weiß das Team „bei Thomas in den besten Händen“. Allerdings sei der Chefposten eine Rolle auf Zeit, glaubt Oesteroth, der sich für die Rückrunde noch einen Assistenten wünscht: „Geplant ist, dass ich im Sommer ins zweite Glied zurücktrete. Mahmouds Beispiel hat doch gezeigt, dass das funktionieren kann, jemanden zu holen, der eine unverstellte Sicht von außen hat.“

Trennung im Guten – irgendwie

Und Abdul-Latif? Kann sich ein Sabbatjahr vorstellen, würde am liebsten aber im Sommer das nächste Traineramt bekleiden. Im Kreis Coesfeld, den kennt er wie seine Westentasche. Indes: Es müsse ein Klub sein, „der konsequent auf Leute aus dem eigenen Ort setzt – so wie Seppenrade“. Dabei leuchten die Augen des merklich Angefassten fast schon wieder. Also doch irgendwie, trotz des Ärgers in den vergangenen Tagen: eine Trennung im Guten.

Kommentar: Der Meistermacher

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