1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Luedinghausen
  6. >
  7. Spielzeug ohne Grenzen – Herbert Tüns kurbelt virtuell

  8. >

Radsport: „Zwift“

Spielzeug ohne Grenzen – Herbert Tüns kurbelt virtuell

Seppenrade

Die Online-Plattform „Zwift“ ist seit Corona bei Pedaleuren weltweit in aller Munde – auch und gerade in der dunklen Jahreszeit. Sie habe nur einen klitzekleinen Fehler, findet Herbert Tüns von den Radsportfreunden Seppenrade.

Von Florian Levenig

Mit dem Rad über das Pflaster der Tower Bridge in London zu rollen, wäre im realen Leben keine so gute Idee. Virtuell ist auch das dank „Zwift“ möglich. Herbert Tüns von den RSF Seppenrade hat die Plattform kürzlich für sich entdeckt. Foto: Zwift/mib

Stumpf im Winter daheim auf der Rolle kurbeln: Für Herbert Tüns, Mitglied der Radsportfreunde Seppenrade, ist das nichts. Dann lieber Spinning in der Muckibude. Problem: Die Fitnessstudios sind alle dicht. Tüns hat dann doch noch eine Möglichkeit gefunden, sein Hobby zu betreiben, ohne vor die Tür zu gehen. „Zwift“ heißt das Zauberwort, bei den Pedaleuren ist es in aller Munde.

Zwar gibt es die Online-Plattform schon ein paar Jahre. Richtig Fahrt nahm das Unternehmen aber erst im Zuge von Corona auf. Kein Straßenwettbewerb mehr? Kein Problem. Wer will, kann via „Zwift“ mit dem entsprechenden Kartenmaterial die Tour de France nachstellen, in den Staaten radeln oder Tirol durchqueren. Giftige Anstiege, halsbrecherische Abfahrten, topfebenes Terrain für Rouleure wie Tüns (zwei Meter, knappe 100 Kilo): alles möglich, ein grenzenloses Vergnügen (wenn man denn 20 Prozent steile Alpenpässe als ein solches versteht). Der Mann aus dem Rosendorf nennt es: „ein schönes Spielzeug für Erwachsene“.

Herbert Tüns Foto:

Auf „Zwift“ gebracht habe ihn Erwin Bootsmann, ein Exil-Seppenrader, der inzwischen im Südwesten der Republik lebt und regelmäßig virtuelle Gruppenfahrten anbietet. Bis zu 50 Hobbysportler machen mit. Ein Tablet (oder ein größerer Bildschirm), ruckelfreies Internet, eine Trainingsrolle nebst Rad und ausreichend Muskelkraft (im Peloton verstecken kann man sich, anders als im realen Leben, nicht): Ab geht die wilde Fahrt. Tüns hat auf diese Weise im Winter, der vergangene Woche ein kurzes Comeback gab, „rund 2000 Kilometer“ geschrubbt.

Dass es Leute gibt, die selbst bei dieser Variante des Radsports zu schummeln versuchen (indem sie zum Beispiel falsche Körpermaße angeben und so weniger Watt treten müssen): Tüns hat dafür kein Verständnis. Ihm persönlich gehe es eh nicht ums Gewinnen, sondern darum, sich auszutauschen, Leute kennenzulernen: „Solange man nicht draußen in der Gruppe fahren darf, ist das eine nette Abwechslung. Über eine Chat-Funktion kann man mit den übrigen Teilnehmern in Kontakt treten.“ Nur das kleine Café am Wegesrand, das er auf seinen Altkreis-Touren ansteuert, sobald es die Temperaturen und das Virus wieder zulassen: „Das“, lacht Tüns, „kann mir ,Swift‘ nicht bieten.“