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Badminton: Bundesliga

„Tadellose Sportler, tolle Menschen“ – BW Wittorf ohne Russen in Lüdinghausen

Lüdinghausen

Russische Sportler sind derzeit im Rest Europas eher unwillkommen – obwohl sie die geringste Schuld am Krieg in der Ukraine trifft. Das hat auch Auswirkungen auf das kommende Wochenende, an dem Union Lüdinghausen BW Wittorf empfängt.

Von Florian Levenig

Vitaly Durkin (l.), in Wittorf Publikumsliebling, wird den Nordlichtern am Sonntag, beim Gastspiel in Lüdinghausen, fehlen. Foto: Imago/Jörg Lühn

In Ivan Sozonovs Haut hätte Michael Schnaase am Wochenende nicht stecken mögen. Sozonov steht in Diensten des Badminton-Bundesligisten SG Schorndorf. Vor allem aber ist Sozonov Russe und als solcher, zumindest legen das die Beschlüsse der Sportverbände in den vergangenen Tagen nahe, derzeit nicht sonderlich gern gesehen im Rest Europas.

Die Partie zwischen den Schwaben und Union Lüdinghausen begann dann mit einer Schweigeminute für die Opfer des Krieges in der Ukraine. Für Sozonov müsse das doch „furchtbar belastend“ gewesen sein, mutmaßt 08-Teammanager Schnaase. Auch später, auf dem Parkett, hatte Sozonov, eigentlich ein Weltklasse-Paarspieler, womöglich mehr mit sich als mit den Gegnern zu kämpfen. Das Doppel und das Mixed gingen – durchaus überraschend – an die Gäste.

BW Wittorf, am Sonntag (6. März), 14 Uhr, zu Gast in der Drei-Burgen-Arena, hat sogar drei russische Athleten – Vitaly Durkin, Nina Vislova und Anastasiia Shapovalova – im Aufgebot. Präziser: hätte. „Aus diesem Trio ist in Lüdinghausen niemand dabei“, erklärt Ralf Treptau, der Manager der Blau-Weißen. Gedurft hätten die Spieler schon. Und „selbstverständlich“ wären sie in Lüdinghausen willkommen gewesen, betont Schnaase.

Kein offizieller Ausschluss

Es sei denn, der Bannstrahl des Ligaverbandes (DBLV) träfe sie und ihre Landsleute in den übrigen Klubs. Womit laut Liga-Boss Arno Schley kaum zu rechnen sei: „Wir haben uns in der Frage noch nicht positioniert, weil das Thema zum einen juristisch abgeklopft werden müsste und im Grunde eh durch ist. Spielerinnen und Spieler aus Russland – zumindest die, die dort leben – werden schon deshalb für den Rest der Saison ausfallen, da sie praktisch keine Möglichkeit mehr haben, in den Westen zu reisen.“

Treptau kann das bestätigen. Shapovalova, eine junge Frau von 19 Jahren, habe nach den beiden jüngsten Partien in der Beletage den Umweg über Istanbul nehmen müssen, um überhaupt wieder in ihre Heimat zu gelangen. „Wir waren einfach nur froh, dass sie heil in Russland angekommen ist. Den Stress tun wir ihr ganz bestimmt kein zweites Mal binnen einer Woche an.“

Auch den BW-Funktionär nimmt die Situation mit. Die Badmintonspieler – das gilt in Wittorf wie in Lüdinghausen – sind eine große Familie. Treptau hat Vislova und Shapovalova am Wochenende bei sich beherbergt. Sie und Durkin für etwas in Sippenhaft zu nehmen, was allein der russische Präsident zu verantworten habe, käme dem Manager nie in den Sinn: „Das sind ausnahmslos tadellose Sportsleute und tolle Menschen.“ Routinier Durkin etwa, der seit dem Erstligaaufstieg vor vier Jahren für die Nordlichter aufschlägt, sei in dieser Zeit „ein echter Publikumsliebling“ geworden.

Natürlich war der Krieg in der Ukraine auch Thema im Hause Treptau. Wie Vislova und Shapovalova konkret über die Vorgänge in Osteuropa denken, mag der BW-Chef nicht preisgeben. „Aber“, ergänzt er vielsagend, „sie haben dazu eine gute Haltung“.

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