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Badminton: Olympia

Tokio bloß nicht mit Rio vergleichen – Schnaase-Beermann leidet mit

Lüdinghausen

Vor fünf Jahren, in Rio, hat Olympia Karin Schnaase-Beermann unvergessliche Momente beschert. Vieles davon bleibt Yvonne Li, ihrer Nachfolgerin bei Union Lüdinghausen und im Nationalteam, in Tokio verwehrt. Umso wichtiger sei die Unterstützung der Mannschaftskollegen.

Der größte Moment ihrer Sportlerkarriere: Karin Schnaase bei den Spielen vor fünf Jahren. Foto: privat

Kurz vor dem Abflug von Team Deutschland nach Tokio hat Karin Schnaase-Beermann noch mit Yvonne Li telefoniert. Interessant ist, worum es im Gespräch zwischen der ehemaligen und der aktuellen Nummer eins des Badminton-Bundesligisten Union Lüdinghausen nicht ging. Aus gutem Grund verkniffen hat sich Schnaase, ihrer Nachfolgerin von Rio 2016 vorzuschwärmen. Und auch wenn sie den WN von den vielen unvergesslichen Momenten berichtet – den Feiern im Deutschen Haus, dem Flair im Olympischen Dorf, den Begegnungen mit Top-Stars wie Golfer Martin Kaymer (ihr Nachbar in der Athletenunterkunft), der farbenfrohen Eröffnungsfeier im vollbesetzten Maracanã-Stadion, der Besuch anderer Wettkämpfe (Schwimmen, Hockey, Turnen, Leichtathletik), der Unterstützung ihrer Familie, die die Spiele in Mannschaftsstärke auf der Tribüne verfolgte, dem anschließenden Kurzurlaub, um Land und Leute kennenzulernen – muss sich Schnaase-Beermann fast auf die Zunge beißen. Weil ihre Nachfolgerin bei Union und im Nationalteam fast nichts von dem, was Olympia für einen Sportler so einzigartig macht, in Tokio mitbekommt. „Gerade wenn man das selbst so intensiv erlebt hat, blutet einem das Herz.“

Also hat sie Li mit auf den Weg gegeben, „dass sie Tokio bloß nicht mit anderen Spielen vergleichen darf. Das würde Yvonne nur zusätzlich runterziehen.“ Verbunden mit dem Hinweis, dass alles das, was Li in Japan verpasse, sie 2024 in Paris oder auch 2028 in Los Angeles womöglich umso stärker auskosten könne: „Mir war ja vor Rio klar, dass meine erste Teilnahme auch die letzte sein würde. Bei Yvonne ist das anders. Sie ist immer noch so jung, eine nationale Konkurrentin auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Daher drücke ich ihr die Daumen, dass sie in drei Jahren ,normale‘ Spiele erleben wird.“

Nicht nur Nachteile

Die ,unnormalen‘ in Tokio hätten indes nicht nur Nachteile: „So sehr sich die Spieler auf volle Tribünen gefreut haben: Dass sie praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit antreten, kann vielleicht sogar helfen, den kompletten Fokus auf den Sport zu legen, sich durch nichts ablenken zu lassen.“

Und: Ganz allein sei ihre Vereinskollegin in Fernost nicht. Der Zusammenhalt innerhalb der deutschen Mannschaft sei, soweit sie das einschätzen könne, „ähnlich groß wie vor fünf Jahren bei uns“. Ihr habe es extrem geholfen, mit Ex-Nationalspielerin Birgit Overzier, einer guten Freundin, nicht nur das Zimmer, sondern auch die kleinen Sorgen zu teilen: „Gerade nach meinem letzten Match gegen die Chinesin war ich emotional ganz schön angefasst. Weil ich wusste: Das war gerade mein letzter internationaler Auftritt. Da sind dann auch ein paar Tränen geflossen. Birgit hat mich damals aufgefangen. Insbesondere zu Kai (Ex-Unionist Schäfer – d. Red.) hat Yvonne ein ähnlich vertrauensvolles Verhältnis. Der steht ihr in Tokio garantiert zur Seite.“

Dann sei da noch Physiotherapeut Andreas Richter, so was wie die Mutter der Kompanie. Wenn es einer schaffe, dass sich die Athleten in dieser speziellen Atmosphäre wohlfühlen, dann der Bayer in Diensten des DOSB, für den es die siebten Spiele sind. Schnaase-Beermann selbst verfolgt Olympia im Fernsehen. Sie schaue sich Lis Partien live an, soweit es die Zeitverschiebung zulasse, aber zum Beispiel auch die der früheren Lüdinghauserin Selena Piek.

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