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. . . aber nur donnerstags

Tumbrink wieder Union-Coach . . .

Lüdinghausen

Union Lüdinghausen hat einen neuen Trainer gefunden. Beziehungsweise einen alten, Tobias Tumbrink stand ja schon zwischen 2018 und 2020 in Diensten der Schwarz-Roten. Allerdings arbeitet der 32-Jährige am Ring in Teilzeit.

Von Florian Levenig

Leitet einmal in der Woche die Bezirksliga-Fußballer des SC Union Lüdinghausen (hier: Dmitrij Martel) an: Tobias Tumbrink (l.). Foto: flo

Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust. Tobias Tumbrink ist, einerseits, liebender Familienvater. Andererseits ist dieser Mann ein Fußballbesessener. Man malt sich ja förmlich aus, wie Tuchel und Guardiola im Schumann’s mittels Gläsern und Besteck über die Feinheiten des Spiels parlieren, Tumbrink die Runde ergänzt, ein paar Salzstreuer mitbringt und, nun ja, seinen Senf dazugibt. „Tobias Tumbrink, Taktikfuchs“ haben die WN mal recht treffend getitelt (sein damaliger Assistent bei Union Lüdinghausen, Benedikt Vester, tickt übrigens nicht viel anders).

Bloß: Amateursport und Familie in Einklang zu bringen, scheint nahezu unmöglich. Daran ist schon Ex-08-Coach Matthias Gerigk gescheitert. Entweder gehört Tumbrink am Sonntag der Ehefrau und den beiden kleinen Kinder – oder dem Fußball. Bei seinem bis dato letzten Posten in Roxel, wo die Auswärtsfahrten noch ein bisschen länger waren, sei es vorgekommen, „dass ich mich vormittags ins Auto gesetzt habe und spätabends wieder in Selm war“, nennt der 32-Jährige ein Beispiel. Der Nachwuchs war da längst im Bett. Tumbrink zog, wie kürzlich sein Nachnachfolger am Westfalenring, die Reißlinie.

Kontakt nie abgerissen

Nun ist der 110-Prozent-Coach wieder zurück an alter Wirkungsstätte – wenn auch nur für einen Abend in der Woche. Immer donnerstags leitet er die Spieler des hiesigen Bezirksligisten an. Es ist eine Art Liebesdienst: „Die Mannschaft ist mir damals wirklich ans Herz gewachsen. Der Kontakt zu den Spielern ist nie abgerissen, da sind teils echte Freundschaften entstanden.“ Das Verhältnis zu Daniel Schürmann sei ebenfalls intakt. Zwar war Lüdinghausens sportlicher Leiter nicht eben erfreut über Tumbrinks Wechsel in die Landesliga im Sommer 2020 (die Union-Führung hätte seinerzeit gern mit dem Coach verlängert). Aber auch das: Schnee von gestern.

Nach Gerigks Rückzug hätten beide Seiten lose darüber gesprochen, unter welchen Bedingungen ein neuerliches Engagement denkbar wäre. So kommt es also, dass Tumbrink, im Hauptberuf Polizist, bei Union den Teilzeitfeuerwehrmann gibt. Dass Tumbrink Abstiegskampf kann, hat er zwei Mal bewiesen: 2018/19 schafften die Schwarz-Roten am letzten Spieltag den Klassenerhalt. Neun Monate später, beim coronabedingten Abbruch, stand die Mannschaft abermals knapp überm Strich.

Team besser als vor zwei Jahren

Wobei der Selmer findet, „dass die Mannschaft besser ist als vor zwei Jahren. Leute wie Niklas Hüser sind zu Führungsspielern gereift, ein paar Hochtalentierte sind dazugekommen, und auch ein Routinier wie Christoph Blesz tut dem Team richtig gut.“ Tumbrink ist – wie Schürmann – der Ansicht, „dass nur der Knoten platzen muss“. Allerdings: Er müsse zügig platzen.

Letzte Frage: Treibt es ihn nicht um, dass die Nullachter, die er – akribisch wie eh und je – in der Woche auf die nächste Partie vorbereitet, drei Tage später gänzlich ohne ihn auskommen müssen? Tumbrink fällt dazu diese hübsche Begebenheit ein: Letztens war sein Kumpel Johannes Kerkeling mit Frau und Kindern sonntags zu Besuch. Zwischen Kaffee und Kuchen habe er, der Gastgeber, immer wieder verstohlen aufs Handy geschaut, um die 08-Zwischenstände in Erfahrung zu bringen. Zumindest Kerkeling, kürzlich reaktivierter Angreifer des Ortsrivalen Fortuna Seppenrade, dürfte dafür vollstes Verständnis gehabt haben.

Noch ein neuer 08-Trainer

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