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Motorsport: Tourenwagen-Junior-Cup

Um Längen voraus – 1,90-Meter Mann Rölleke auch sportlich eine Größe

Seppenrade

Kürzlich ist Tim Rölleke vom Kart in den Tourenwagen umgestiegen. Doch auch die Junior-Cup-Serie solle nur eine Zwischenstation sein, betont der junge Mann aus Seppenrade. Der Anfang, in Oschersleben, war vielversprechend.

Von Florian Levenig

Schnell unterwegs: Tim Rölleke bei seiner ersten Dienstfahrt im 145-PS-VW in Oschersleben – und auf dem Siegerpodest (kl. Bild). Foto: red

Kann schon sein, dass es etwas ulkig ausgesehen hat, wenn sich dieser 1,90-Meter-Hüne in den kleinen Kart-Flitzer reingezwängt hat. Wobei zumindest der Konkurrenz das Lachen rasch verging. Denn der junge Mann aus dem Rosendorf war den Mitbewerbern oft genug nicht nur körperlich, sondern auch vom Fahrerischen her um Längen voraus. Weshalb Tim Rölleke 2021 vom Kart in den Tourenwagen umgestiegen ist – die nächste Sprosse auf der Karriereleiter.

Dabei ist der Seppenrader (im übertragenen Sinn) ein Spätstarter. Zwar sei er schon „mit drei Jahren im Ferrari-Shirt rumgelaufen, habe mit meinem Vater Formel 1-Rennen besucht, für Michael Schumacher und später Sebastian Vettel geschwärmt“. Aber selbst in einem Gefährt sitzen und den Idolen nacheifern? „Da hatte ich immer ein wenig Bammel vor.“

Tim Rölleke Foto:

Erst 2017, in einem Leih-Kart auf der „Schumi“-Bahn in Kerpen, ging es für ihn richtig los. Seither hat Rölleke nicht mehr den Fuß vom Gas genommen. 2018 die ersten Rennen, 2019 der Wechsel in den PS-stärkeren Untersatz des österreichischen Rennstalls VPD-Racing, internationale Wettbewerbe, 2020 das erste Podium nach einem wilden Regenrennen (der Rekordweltmeister lässt grüßen).

Wieso die Eile? Er habe, sagt der 20-Jährige, „keine Zeit zu verlieren. Viele Piloten haben in frühester Jugend mit dem Motorsport begonnen. Das muss ich alles aufholen.“

Erfolgreiche Premiere

Folglich will er sich auch im Tourenwagen-Junior-Cup nicht länger als nötig aufhalten. Der Auftakt in Oschersleben war vielversprechend. Platz vier im ersten Qualifying, den er im ersten Run bestätigte. Tags darauf schaffte es Rölleke, der für das Team Konrad mit Sitz in Sinzig startet, als Zweiter gar aufs Siegerpodest. „Nicht schlecht für eine doppelte Premiere, oder?“, lacht der Seppenrader. Es war ja nicht nur die erste Dienstfahrt im VW Up GTI. Auch der Kurs in Sachsen-Anhalt sei für ihn Neuland gewesen: „Andere hatten schon ein paar tausend Trainingskilometer auf der Uhr, ich kannte die Strecke nur von der heimischen E-Sport-Konsole her.“

An anderer Stelle herrscht indes Waffengleichheit. Alle Wagen verfügen über 145 Pferdestärken, zusätzliche Hilfsmittel gibt es nicht. „Es kommt nur aufs fahrerische Können an“, auch das schätze er an der Serie.

Rasend schnell und unfallfrei im Kreis zu fahren, ist aber nur eine Voraussetzung, um in dem Sport erfolgreich zu sein. Mindestens ebenso wichtig: die Fitness. In seinem Boliden wirken Fliehkräfte von bis zu 4 G, „entsprechend trainiert müssen Hals und Nacken sein“. Auch sei er an sämtlichen technischen Details interessiert: „Ich will halt das Auto bestmöglich verstehen.“ Dafür riskiere er es sogar, den Mechanikern gelegentlich auf die Nerven zu gehen, flachst der Fachabiturient.

Fernziel: die DTM

Röllekes Fernziel: die DTM. Mit dem Formelsport hat er indes fast schon abgeschlossen: „Selbst in der Formel 3 musst du heute eine Million Euro im Jahr aufbringen.“ 40 000 sind es im jetzigen Wettbewerb – auch das eine Stange Geld. Zusätzliche Sponsoren: immer willkommen. Ob es ihn nicht ärgere, dass etwa in der Königsklasse die Herren Mazepin und Stroll vor allem deshalb rumkurven dürfen, weil Papa zufällig Milliardär ist? „Nö“, entgegnet Rölleke, „mich spornen solche Sachen eher zusätzlich an.“

E-Mobilität

Das Thema Nachhaltigkeit treibt Tim Rölleke – wie so viele Menschen seiner Generation – um: „Auch im Motorsport werden E-Autos den Verbrennern den Rang ablaufen, das ist nur eine Frage der Zeit.“ Vermissen werde er den Benzingeruch dennoch.

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