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Volleyball: Frauen-Oberliga

Union Lüdinghausen: Zugänge aus Kriegsgebiet

Lüdinghausen

Drei Neuzugänge konnte Suha Yaglioglu, Trainer Union Lüdinghausen, beim Training begrüßen. Sie kommen nicht aus der eigenen Jugend, einem Nachbarverein oder Ligakonkurrenten, sondern aus einem Kriegsgebiet – der Ukraine.

Dirk Havermeier (l.) aus dem Vorstand der Volleyballabteilung von Union Lüdinghausen und Suha Yaglioglu, Trainer der Oberliga-Frauen, mit den Neuzugängen aus der Ukraine: Anastasia Lypska (v.l.), Julia Denys und Dasha Yehorova Foto: Christian Besse

Drei Neuzugänge konnte Suha Yaglioglu, Trainer der Oberliga-Volleyballerinnen von Union Lüdinghausen, beim Training in der Drei-Burgen-Arena begrüßen. Sie kommen nicht aus der eigenen Jugend, einem Nachbarverein oder Ligakonkurrenten, sondern aus einem Kriegsgebiet – der Ukraine. Dasha Yehorova aus dem inzwischen von Putins Truppen eroberten Mariupol sowie Julia Denys und Anastia Lypska aus dem von Raketen beschossen Lwiw (früher Lemberg).

Die drei zwischen 18 und 20 Jahre alten Frauen leben nun in Lüdinghausen und bereiten sich mit den Union-Frauen auf die neue Oberliga-Saison in Deutschland vor.

Die Idee, in der Ukraine nach nun sportlich heimatlosen Volleyballerinnen zu suchen, stammt von Achim Franke, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Lüdinghauser Volleyballabteilung. In Aktion trat dann Vasyl Dachauer, ehemaliger Jugendtrainer von Union und selbst Ukrainer, er lebt nach dem Überfall der Russen auf sein Heimatland inzwischen wieder an der Stever. Er habe langjährige Kontakte zu ukrainischen Trainern und zum dortigen Volleyballverband, erzählt Dachauer im Gespräch mit den WN.

So sandte er eine Textnachricht an seine Bekannten, ein Verein namens Union Lüdinghausen biete Spielerinnen aus der Ukraine die Möglichkeit, in seinen Ober- oder Verbandsliga-Teams anzutreten. Und so kam relativ kurzfristig der Kontakt zu den drei jungen Frauen zustande.

Dasha Yehorova lebte inzwischen schon in Lwiw, nachdem sie am 20. März gemeinsam mit ihren Eltern aus der heftig umkämpften Hafenstadt Mariupol geflohen waren. Die kleine Familie zog es nach Lwiw nahe der polnischen Grenze. Dort war es sicherer als in Yehorovas Heimatstadt, obwohl auch ihr Zufluchtsort bald russischem Raketenangriff ausgesetzt war.

Eine 22-stündige Zugfahrt nach Deutschland

Sport war für die 18-Jährige zur absoluten Nebensache geworden. Beim Beachvolleyball wenigstens konnte sie sich vom Krieg etwas ablenken, und dabei lernte sie Anastasia Lypska und Julia Denys kennen, die beide aus Lwiw stammen. Das Trio erfuhr von dem Angebot eines Vereins in Deutschland und überlegte nicht lange.

Nach einer 22-stündigen Zugfahrt kamen die drei Ukrainerinnen in Dortmund an und wurden dort von Christine Drees abgeholt. Die Jugendtrainerin von Union Lüdinghausen, hauptberuflich Lehrerin am Antonius-Gymnasium, hilft ihnen nun auch mit Deutschstunden. Lypska spricht Deutsch recht gut, Denys und Yehorova müssen es von der Pike auf lernen. Seit ihrer Ankunft leben die Drei in der Flüchtlingsunterkunft der evangelischen Kirche an der Münsterstraße. Union suche aber nach einer Privatwohnung für die Ukrainerinnen, betont Dirk Havermeier aus dem Vorstand der Volleyballer.

Denys. Lipska und Yehorova haben sich den Umständen entsprechend gut eingelebt in der Steverstadt. „Die Stadt ist wirklich klein, aber sehr gemütlich. Und es gibt sehr viele Fahrräder . . .“, sagt Anastasia Lypska. Dabei ist der Kontakt zu ihren Angehörigen in Lwiw nicht abgebrochen. Täglich melden sie sich bei ihnen per Smartphone oder Computer, wie es ihnen geht.

Die Integration in die erste Mannschaft von Union, die nach dem Regionalliga-Abstieg nun in der Oberliga neu angreift, sei bisher reibungslos verlaufen, betonen die Vereinsverantwortlichen. „Alle Spielerinnen geben sich große Mühe“, sagt Vasyl Dachauer und meint damit sowohl die deutschen Spielerinnen wie auch die aus der Ukraine.

Auch sportlich passt der Zuwachs aus dem Osten offenbar. „Im Außenangriff, als Diagonalspielerin und im Mittelblock“, antwortet Oberliga-Trainer Yaglioglu auf die Frage, auf welchen Positionen er sich die drei Spielerinnen vorstellen könne. Noch sei jedoch nichts spruchreif. „Sie machen einen guten Eindruck“, sagt der Coach nach den ersten gemeinsamen Trainingseinheiten.

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