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Badminton: EM

Yvonne Li muss sich gleich strecken

Lüdinghausen

Bei der Individual-EM kommende Woche (27. April bis 2. Mai) in Kiew zählt Yvonne Li, Nummer eins des Bundesligisten Union Lüdinghausen, zu den Medaillenanwärterinnen. Von einem lockeren Aufgalopp kann allerdings nicht die Rede sein.

Von Florian Levenig

Bekommt es in ihrem ersten Match in der Ukraine mit der starken Französin Qi Xuefei zu tun: Yvonne Li. Foto: Badminton Europe/Koen Mutton

Eigentlich hat Yvonne Li (Union Lüdinghausen) es „ganz gern, wenn ich bei einem Turnier zum Reinkommen nicht gleich an meine Grenzen muss“. Insofern war die Losfee keine Freundin der Deutschen Meisterin, die bei der Badminton-Individual-EM kommende Woche in Kiew gleich im ersten Match auf Qi Xuefei trifft. „Von allen ungesetzten Spielerinnen ist sie so ziemlich die stärkste“, weiß Li, ihrerseits die Nummer drei der Setzliste. Auf der anderen Seite seien ihre Sinne dann gleich geschärft: „Ich muss vom ersten Moment an voll da sein.“

Tatsächlich war die 22-Jährige zwei Mal schon der erfahrenen Französin unterlegen. Ist allerdings eine ganze Weile her, zuletzt im Sommer 2019. Während Xuefei seither um Weltranglistenplatz 40 rum verharrte, hat die Lüdinghauserin einen Riesensatz im internationalen Ranking gemacht. Aktuell ist sie die Nummer 23, der Tokio-Startplatz längst fix.

Kniffliger Auftakt

Überbewerten mag Li diese Zahlen nicht: „Einige der Top-Spielerinnen haben coronabedingt nur wenige internationale Matches bestritten.“ Man kann es aber auch so sehen: Die Nullachterin hat die für alle komplizierte Situation bestmöglich gelöst. Vor ein, zwei Jahren war sie schon froh, wenn sie bei den ganz großen Events wie den All England oder den Thailand Open überhaupt starten durfte, heute übersteht sie selbst dort zuverlässig die ersten Runden. Und auf dem Kontinent muss die ehemalige U17-Europameisterin eh nur noch ganz wenige Gegnerinnen fürchten.

Was sie seit dem Beginn der Pandemie anders mache? „Ich habe mein Spiel ein bisschen umgestellt, gehe aggressiver und mit mehr Tempo zu Werke.“ Christoph Schnaase, Union-Coach und ihr Trainer am Bundesstützpunkt in Mülheim, hat noch etwas anderes festgestellt: „Yvonne war immer schon klar im Kopf. Aber sie hat 2020 an mentaler Stärke abermals zugelegt. Selbst wenn sie gegen die Besten der Welt spielt, tritt sie frech auf, zollt der anderen keinen übermäßigen Respekt.“

Medaille möglich

Was einen automatisch zu der Frage führt, wie weit es für Li in der Ukraine gehen kann. „Eine Medaille wäre nach zuletzt zwei Viertelfinals schon schön“, erklärt die Studentin. Welche Farbe? „Na ja, in der oberen Hälfte wartet noch eine Carolina Marín.“ Die Spanierin, Olympiasiegerin in Rio, dreifache Weltmeisterin und in Kiew selbstredend Titelverteidigerin, prägt diese Sportart seit Jahren wie keine andere.

Li könnte im Halbfinale auf den Superstar treffen. Ein Mal erst gab es dieses Duell, 2020, im Finale der Denmark Open. Marín gewann, relativ glatt in zwei Sätzen. Und natürlich sei die Ibererin auch in der Ukraine „diejenige, die es zu schlagen gilt“. Bloße Feststellung oder Kampfansage? „Irgendwann“, sagt Li dazu, „will ich auch dahin, wo sie jetzt ist.“

Efler: Jeder Sieg zählt

Es sei, räumt Linda Efler ein, schon auch ein Experiment: „Hält die Achillessehne? Stehe ich ein Anderthalb-Stunden-Match durch?“ Auf der anderen Seite fliegt die Bundesligaspielerin des SC Union Lüdinghausen gewiss nicht (nur) in die Ukraine, um auszutesten, wie fit sie nach der mehrwöchigen Verletzungspause ist. Efler und ihre Doppelpartnerin Isabel Herttrich (Bischmisheim) benötigen jeden Weltranglistenzähler, um doch noch das Olympia-Ticket zu ergattern.„Im Grunde brauchen wir dafür fast schon eine Medaille“, weiß die 26-Jährige. Die Ziehung sei vor dem Hintergrund ganz gut gelaufen für das an Nummer acht gesetzte DBV-Duo, das zunächst auf Nadia Fankhauser/Iris Tabeling (Schweiz/Niederlande) trifft. Der erste richtige Brocken würde im Viertelfinale mit Chloe Birch und Lauren Smith warten, die die untere Hälfte des Tableaus anführen. Geschlagen haben Efler/Herttrich die Engländerinnen bis dato noch nie. Bei den World Finals knöpften sie ihnen einen Satz ab, immerhin. Und: „Besser Birch/Smith als die Stoeva-Schwestern.“ Die top-gesetzten Bulgarinnen, auf die die Deutschen erst in einem etwaigen Finale träfen, hält Efler für „nahezu unschlagbar“.Drei Damen, die zu der Zeit in Diensten der Nullachter standen, gewannen bereits EM-Edelmetall im Doppel: Juliane Schenk (2004), Selena Piek (2014/jeweils Bronze) und Eefje Muskens (2016/Silber).

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